Druckschrift 
Fünfzundsechzigstes Stiftungsfest der Gießener Burschenschaft Alemannia, 22.-25. Juli 1927 : [Kommerslieder] / [Gießener Burschenschaft Alemannia]
Entstehung
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3. Aura iſt kein Moſchusdüftchen, wie's der Schwung im Sacktuch trägt; iſt kein ſäuſelnd Zephirlüftchen, das ſich koſend um dich legt. Aura iſt ein Wirbelwehen, frohſten Treibens anima, drin ſich Geiſt und Jugend drehen, aura academica.

4. Luft und Licht, des Lebens Sonnen, wirft ſie keck durchs Drahtgeſtell auf den ſchwarzen Weisheitsbronnen, jüngt am Brett den Wiſſensquell. Strömt der Boden Zauberſäfte, ſtehen Geiſter helfend da? Eine nur leiht Wunderkräfteraura academica.

5. Der Philiſter läßt ſich tragen in der Muſenſtadt Be⸗ reich, und ein Zauber ſonder Sagen ſtrahlt von Mädchen liebe⸗ bleich. Küßteſt du der Jungfrau Wangen, daß ein Wandel hier geſchah, daß ſie liebeglühend prangen, aura academica?

6. Freunde, trinkt in vollen Zügen muſenſtädtſchen Gerſten⸗ ſaft, denn ein gottgeſandtes Fügen gibt uns heute Wunder⸗ kraft: Jugendfrohſinn, Wiſſensſtreben, ſchönſte Minne tritt uns nah, alles nur durch dich gegeben, aura academica!

Otto Kamp.

Rückblick.

1. Friſch blickt auch ich als junger Burſch ins Leben, keck hatt' ich mir geſteckt das höchſte Ziel, kein Mädchenherz konnt lang mir widerſtehen, und doch wars eine nur die mir gefiel. : Da war ich jung ſo recht von Herzen froh, ein übermüt⸗ ger Studio.

2. Ein Turner, kraftgeſtählt, noch klar die Augen, noch ungetrübt von Bücherſtaub u. hell, ſtudierte was mir gerade ſchien zu taugen, den Freunden war ich ein gut Jechgeſell. Noch war ich jung: ſo recht von Herzen froh, ein über⸗ mütger Studio.

3. Jüngſt trieb es mächtig mich nach Haus zu wandern; Die Sehnſucht eilt voraus dem flüchtgen Fuß: ich ſah mein Lieb am Arme eines andern, ſie wandte ſcheu ſich ab bei meinem Gruß. Das ſchnitt ins Herz, trüb wurde mirs u. ſchwer, war nicht der frohe Studio mehr.

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