Unmittelbar nach dem letzten großen Rriege, in den 70 er Jahren des vorigen Jahrhunderts, vereinzelt auch ſchon früher, erblühten an den hochſchulen des deutſchen Vaterlandes die fachwiſſenſchaftlichen Vereine. Urſprünglich waren es wohl meiſt loſe Vereinigungen von Fachgenoſſen, die ſich zu gegen— ſeitiger Anregung und Unterſtützung in den wiſſenſchaftlichen Studien zuſammenfanden.
gus dem lockern Zuſammenhalt der mitglieder ward all⸗ mählich ein feſtes Gefüge mit korporativer Verfaſſung, und ſo entwickelten ſich die geſchloſſenen Verbindungen, wie ſie bis zur Gegenwart im großen und ganzen unverändert beſtehen. Ihre gemeinſamen öiele ſind:
1) Pflege der Treue zur Wiſſenſchaft,
2) pflege der Vaterlandsliebe und nationaler Geſinnung ohne Anteilnahme an der Parteipolitik,
3) pflege der Kameradſchaft und Freundſchaft, auch über die Studienzeit hinaus.
Da die Beſchäftigung mit dem Studium ihr hauptgrund⸗ ſatz iſt, legen ſie ihren Mitgliedern keine Verpflichtungen auf, die einem geordneten Studiengang zuwiderlaufen. Serner erſtreben ſie Erziehung zu ſittlichen, charaktervollen Perſönlichkeiten, pflegen Einfachheit im Huftreten, geſellſchaftlichen Derkehr und vernachläſſigen nicht die körperlichen Uebungen.
Unter den zum V. w. V. geeinten wiſſenſchaftlichen Der⸗ einen der Ludoviciana iſt der Philologiſch⸗Hiſtoriſche Verein der älteſte. Er erwuchs aus der Verſchmelzung zweier Vereine, des Rlaſſiſch-Philologiſchen und des Reuphilologiſchen, indem er ſich an den erſteren unmittelbar anſchloß, deſſen Gründungstag, Zirkel u. a. er auch für ſich übernahm. Die früheſte Erſchei⸗ nungsform des klaſſiſch⸗Philologiſchen Vereins war der Philo⸗ logiſche Leſeverein. Auf eine Einladung des stud. Phil. L. Schaum, des erſten Schriftführers,(A. H. Prof. Dr. S. in Mainz) an ſämtliche Mitglieder des philologiſchen Seminars zur Beteiligung traten 18 Philologen zuſammen, die am 28. Juni 1875 auf der„Schönen Kusſicht“ den erſten Leſeabend abhielten.


