Druckschrift 
Die Entwickelung des Studiums der Veterinärwissenschaft an der Landesuniversität Gießen : ein Nachwort zu meiner "Festschrift" vom 25. Mai 1902 / von Professor Dr. M. Biermer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vorbemerkung.

Im Mai v. J. habe ich in einer hieſigen Zeitung eine ſtatiſtiſche Studie über die Entwickelung der Frequenz der Univerſität Gießen von 1823 bis auf die Gegenwart veröffent⸗ licht. Sie war entſtanden aus Anlaß der Immatrikulation des tauſendſten Studenten, welches Ereignis bekanntlich von Stadt und Univerſität feſtlich begangen worden iſt. In dieſer hiſtoriſch-⸗ſtatiſtiſchen Skizze habe ich unter Anderem auch die Entwickelung des Veterinärſtudiums an der Gießener Hoch⸗ ſchule behandelt, und zu meiner großen Überraſchung haben meine damaligen Darſtellungen und kritiſchen Bemerkungen mich in einen Konflikt mit einigen Herren der mediziniſchen Fakultät gebracht und mich heftigen, aber durchaus ungerechtfer⸗ tigten Angriffen ausgeſetzt. Da es nicht zu erreichen war, daß dieſe Angriffe, auch nachdem ſie ſich als haltlos herausgeſtellt hatten, zurückgenommen werden würden, habe ich unter dem TitelMein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der mediziniſchen Fakultät daſelbſt eine Denkſchrift herausgegeben, welche eine aktenmäßige Darſtellung der in Frage kommenden Vorgänge bot. Die Broſchüre, im Juli v. J. erſchienen, war nicht für die öffentlichkeit, ſondern nur für einen beſchränkten Kreis von Kollegen beſtimmt, und es iſt mir gelungen, die weiteren Erörterungen auf dieſe beſchränkte Offentlichkeit zu be⸗ grenzen. Meine Gegner haben ſich bis zur Stunde ausge⸗ ſchwiegen, anſcheinend, weil ſie mich nicht widerlegen konnten.

Es fällt mir natürlich nicht im Traume ein, die eigent⸗ liche Streitfrage nochmals aufrollen zu wollen. Soweit aber mein Ruf als Statiſtiker auf dem Spiele ſteht, halte ich mich für berechtigt, auf meine damaligen Wahrſcheinlichkeitsberech⸗ nungen in Kürze zurückzukommen. Das iſt der einzige Zweck der vorliegenden Blätter, die ebenfalls nurals Manuſkript gedruckt zur Verteilung gelangen, und die ich als nicht für die Offentlichkeit geeignet zu behandeln dringend bitte.

Gießen, den 20. Juni 1903.

Biermer.