Druckschrift 
Festspiel für die Begrüßungskneipe des 50-jährigen Stiftungsfestes des Gießener Wingolf, 5. August 1902 / von Theodor Wahl
(Gi. 80-83)
Entstehung
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Laßt ihr Exempel uns ein Wahrſpruch ſein:

Im Kampf des Geiſtes wie des Schwertes

Tritt freudig allzeit auch der Wingolf ein

Zum Schutz des vaterländ'ſchen Herdes!

Und daß zum Kampf der beſte Mut Euch bleibt:

Der Mut, zu kämpfen wider eigne Schwächen,

Der Mut, mit Falſchem rückſichtslos zu brechen

Zielklar zu ſuchen, was Euch vorwärts treibt!

Dorwärts ja, ſolch ein Wort, das hört man gerne

Wir ſchwärmen Alle rieſig für's Moderne!

Und immerfort und vorwärts drängt uns ſchon

Allein die Pflicht der Repräſentation!

Seit wir ein eignes Haus verwalten,

Giebt's, wahrlich, immer Meues zu geſtalten.

Das neue Heim! Ja, ja, ich laß es gelten,

Doch auch die alten ſollt Ihr mir nicht ſchelten,

Die lieben Uneipen alle dumpf und klein

Und doch ſo voller Luſt, voll Jugendſonnenſchein!

Wie denk' ich ihrer gern von manchem Jahr,

Der Stätten alle, da ich glücklich war!

Und ob Alles noch ſo vergilbt und verſchoſſen

Wie war's von Jugendzauber umfloſſen!

Auf demLahnſtein draußen an der Lahn

Wie urgemütlich ſah das Ding ſich an!

Wenn Winters klappernd wir die Glieder wärmten

Und draußen Main⸗Weſer⸗Züge vorüber lärmten.

Und dann die Kneipe, ſo eng und ſo ſchräg

Bei Meiſter Luft auf dem Neuenweg.

Sin Krappeln und Kraxeln war's ohnegleichen,

Bis man glücklich die Bude tät erreichen

Und drinnen ein Tabaksqualm zum Schneiden

Und doch, was für fröhliche, ſelige Zeiten!

Wenn ſo Machts um die Geiſterſtunde

Zich zu lichten begann die ſtattliche Runde

Und plötzlich in dem ſeßhaften Schwarm

Meiſter Luft erſchien, die Zither im Arm.

Wie er lächelte ſinnig und ſtill für ſich