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Laßt ihr Exempel uns ein Wahrſpruch ſein:
Im Kampf des Geiſtes wie des Schwertes
Tritt freudig allzeit auch der Wingolf ein
Zum Schutz des vaterländ'ſchen Herdes!
Und daß zum Kampf der beſte Mut Euch bleibt:
Der Mut, zu kämpfen wider eigne Schwächen,
Der Mut, mit Falſchem rückſichtslos zu brechen—
Zielklar zu ſuchen, was Euch vorwärts treibt!
Dorwärts— ja, ſolch ein Wort, das hört man gerne—
Wir ſchwärmen Alle rieſig für's Moderne!
Und immerfort und vorwärts drängt uns ſchon
Allein die Pflicht der Repräſentation!
Seit wir ein eignes Haus verwalten,
Giebt's, wahrlich, immer Meues zu geſtalten.
Das neue Heim! Ja, ja, ich laß es gelten,
Doch auch die alten ſollt Ihr mir nicht ſchelten,
Die lieben Uneipen alle— dumpf und klein—
Und doch ſo voller Luſt, voll Jugendſonnenſchein!
Wie denk' ich ihrer gern von manchem Jahr,
Der Stätten alle, da ich glücklich war!
Und ob Alles noch ſo vergilbt und verſchoſſen—
Wie war's von Jugendzauber umfloſſen!
Auf dem„Lahnſtein“ draußen an der Lahn—
Wie urgemütlich ſah das Ding ſich an!
Wenn Winters klappernd wir die Glieder wärmten
Und draußen Main⸗Weſer⸗Züge vorüber lärmten.
Und dann die Kneipe, ſo eng und ſo ſchräg—
Bei Meiſter Luft auf dem Neuenweg.
Sin Krappeln und Kraxeln war's ohnegleichen,
Bis man glücklich die Bude tät erreichen—
Und drinnen ein Tabaksqualm zum Schneiden—
Und doch, was für fröhliche, ſelige Zeiten!
Wenn ſo Machts um die Geiſterſtunde
Zich zu lichten begann die ſtattliche Runde
Und plötzlich in dem ſeßhaften Schwarm
Meiſter Luft erſchien, die Zither im Arm.
Wie er lächelte ſinnig und ſtill für ſich


