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Die Stellung der Corps im heutigen Studentenleben : Entgegnung auf die Schrift: "Was sind und wollen die Corps"
Entstehung
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Corps mitgetheilt wird, iſt indeſſen zu ſchließen, daß dieſe gleiché Lebensauffaſſung, dieſe verwandte Geſinnung in nichts anderem beſteht, als in dem Haſchen nach Vergnügungen, in dem Bewußt⸗ ſein von der bevorzugten Stellung des Studenten und in dem Beſtreben, die Prioilegien deſſelben möglichſt auszubeuten, die innere Würdigkeit aber in der Tüchtigkeit in ſtudentiſchen Ge⸗ bräuchen, wie ſie die früheren Jahrhunderte überliefert haben. Mit Ausnahme alſo von wenigen Beſtimmungen, welche die Zeitverhältniſſe erforderten, iſt das landsmannſchaftliche Princip in den Corps daſſelbe geblieben; die Organiſation, die Farben, die Namen, die Symbole ſind beibehalten, und dennoch will der Verfaſſer die heutigen Corps ſich auf einer anderen Baſis erheben laſſen als die Landsmannſchaften, trotz ſeiner Bemerkung auf Seite 6, daß die landsmannſchaftliche Gliederung die naturge⸗ mäßeſte Baſis des deutſchen Corpsleben ſei. Wie iſt es denn möglich, die jetzigen Corps ſich aus den Landsmannſchaften ent⸗ wickeln zu laſſen und doch eine verſchiedene Grundlage zwiſchen beiden anzunehmen? Denn die Veränderungen, welche die Lands⸗ mannſchaften im Laufe der Zeiten erfahren haben und allzu groß ſind dieſe nicht geweſen ſind ja eben nichts anderes, als die hiſtoriſche Entwickelung derſelben. Geſteht ja doch der Ver faſſer ſelbſt ein, daß das landsmannſchaftliche Princip in den Corps, und, ſetzen wir hinzu, durch die Begebenheiten des öffent⸗ lichen Lebens, einenLäuterungsproceß erfahren habe. Um nun ja nicht der Burſchenſchaft das Verdienſt einzuräumen, als ob ſie dieſe Veränderungen ins Leben gerufen habe, führt er die Thatſache an, daß ſchon vor den Freiheitskriegen in Erlangen, Leipzig und Heidelberg ſich landsmannſchaftliche Verbindungen mit vollem Bewußtſein zu Corps umgebildet hätten. Es ſcheint faſt ſo, als ob er der Anſicht wäre, daß bei der Umgeſtaltung der Landsmannſchaften, oder, was nach ſeiner Auffaſſung daſſelbe iſt, bei dem naturgemäßen Entwickelungsgange des deutſchen Studententhums die alte Burſchenſchaft überflüſſig geweſen wäre, daß alſo ihre Exiſtenz nur unbedeutende Wirkungen im academi⸗ ſchen Leben hervorgerufen hätte.