Die Lahn.')
Nicht durch des Liedes stolzen Klang Verherrlicht in den Nibelungen, Nicht durch der Dichter Wettgesang, Wie König Rhein, von Ruhm umklungen: Nein, schlichten Wesens, schöne Lahn, Wallst du bescheiden deine Bahn!
Und schmücken stolze Burgen nicht Und Dome hehr auch dein Gestade, Und ziert ein Land, selbst ein Gedicht, Nicht reizend deines Laufes Pfade, Ein Land, das dir sein Herz erschließt Und reich mit Segen dich umsprießt?
Doch welcher Lorbeer wäre dein, Wenn du nach Ehre würdest dürsten! Hat dir dein Deutschland nicht allein Zu danken seinen Dichterfürsten,
Ihn, der zu deinem Ufer trat Und dein Orakel sich erbat?
Allein nach Ruhm nicht dürstest du, Du willst behüten, nur beglücken Und eilst dem stolzen Strome zu,
Im stillen Busen das Entzücken: „Viel schöner, als allein zu stehn, Ists mit dem Großen untergehn!“
Alois beenninerer.
') Mit Beziehung auf Goethe’s Dichtung und Wahrheit. Band 22. S. 132. Auf einer Fußreise durch das Lahntal von Wetzlar nach Koblenz schleuderte Goethe, dem dieser Gedanke, wie er sagt, aus dem tiefen Grunde der Seele gleichsam befehls- haberisch hervortrat, sein schönes Taschenmesser in den Fluß, um durch den Wurf entscheiden zu lassen, ob er Maler oder Dichter werden solle. Die Entscheidung war zweideutig, wie alle Orakel; er legte dieselbe jedoch nicht zu seinen Gunsten, doch für seine Neigung zur Malerei aus, ward aber infolge jener„Grille‘‘ dafür der größte Dichter.


