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Akademische Erinnerungen, kulturgeschichtliche Beiträge und Erörterungen / von Dr. jur. Ernst Klein
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geſetzt von Gießer Bürgern freigebig Vorräthe aus Gießen; überall zahl⸗ reiche und maleriſche Gruppen; das Lied:„Weg mit den Grillen und Sorgen“, wird gemeinſam mit Beherzigung geſungen. Ueberall größte Heiterkeit, Harmonie mit grandioſen Ausflüſſen von Humor. Wer hätte auch nicht auf der ſchönen Burgruine, vom herrlichſten Wetter begünſtigt, „moraliſche“ oder andere größere und kleinere Sorgen zu verſcheuchen vermocht, in unſerem ſtudentiſchen Alter, ſtets geneigt der Gegenwart zu leben! Am 8. Auguſt gegen 3 Uhr Morgens Ankunft der Marburger Studenten in einer Reihe von Chaiſen mit Fackeln, um uns ihre Sym pathie zu bezeugen; Fortſetzung des Kneipens. Vorher und nachher Unter kunft der„Auszügler“ wo und wie es ging, in Scheunen, Ställen und im Freien. Verſchiedene Reden, Verhandlungen am Tag mit dem Gießer Stadtvorſtand, welcher mit dem Senat für uns zu vermitteln ſucht; zwei Studenten(Wilhelm Liebknecht*) und Götz) als Deputation nach Gießen zur Verhandlung mit dem Senat. Zahlreichſter Zuzug in⸗ zwiſchen aus Gießen und anderen Städten und Dörfern. Nachmittags großartiger Commers auf der oberen Ruine mit Bürgern. Auch die „Kaffern“ fühlen ſich bei dem mitgenießenden Freibier und Eſſen, welches einige hundert Gießer Bürger herbeigeſchafft, zu größtem Jubel hinge— riſſen. Sonntag 9. Auguſt Morgens 4 Uhr Ankunft von Abgeordneten des Stadtvorſtandes.

Die Vorgänge in Gießen hatten, auch in vielen Zeitungen, größtes Aufſehen erregt und jedenfalls die Citirung der Chevaurlegers maßgeben den Orts eine entſprechende Würdigung gefunden. Verhandlungen mit den Abgeordneten der Stadt über Aufrechthaltung von Ruhe; die Chevaux⸗ legers ſind abgerückt, Zuſicherung des Senats über Amneſtie⸗Verwendung; Einzug von uns ſoll ohne Demonſtrationen erfolgen. Allgemeiner Auf⸗ bruch von Staufenberg und gegen 9 Uhr Morgens ruhiger Wiedereinzug in Gießen.

Leider entſprach der Erfolg unſeres entſchiedenen Auftretens nicht den Erwartungen, die wir Urſache hatten zu hegen und wir mußten uns nur mit der Satisfaktion begnügen, welche wir uns ſelbſt verſchafften. Von„Maler“ Gaſtauer aus Krofdorf exiſtirt ein, ſelten gewordenes, Staufenberger⸗Auszug⸗Bild; ſchade, daß Mangels eines tüchtigen Künſtlers nicht ſichtbare, künſtleriſche Erinnerungen an die prächtigen Situationen und Detail⸗Scenen geboten ſind; aber auch ohne dieſes werden wenige Theilnehmer gefunden werden können, welche nicht dieſe zwei, wie wir ſie nannten„urfidelen“ Tage auf dem Staufenberg als mit zu den ſchönſten

*) jetzt Reichstagsmitglied.