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Festschrift zur Begrüßung der 38. Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner dargebracht / von dem Großherzogl. Realgymnasium und der Realschule zu Giessen
Entstehung
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Vorbemerkung. Eine ausführlichere Geſchichte unſerer Uni⸗ verſität iſt noch nicht geſchrieben. E. L. W. Nebel, Crome, Klein, Heſſe, Waſſerſchleben, Hoffmann und einige Aeltere und Neuere haben ſehr ſchätzenswerte Beiträge dazu geliefert; ich habe ſie bei nach⸗ ſtehender kleiner Arbeit nur inſoweit benutzt, als es für das allgemeine Verſtändnis nötig war. So mag gleich an die ſehr bekannte That⸗ ſache nur erinnert werden, daß unſere Hochſchule durch die Religions⸗ wirren in Marburg ihren Urſprung hatte. Landgraf Moriz von Kaſſel war durch ſeinen Uebertritt zur reformierten und ſeinen Abfall von der lutheriſchen Lehre nach dem Teſtament Ludwigs IV. ſeiner Erb⸗ ſchaft für verluſtig zu erklären. Doch ging das nicht ſo ſchnell. Unterdeß aber war Moriz ſehr thätig bei der Durchführung der re⸗ formierten Lehre in ſeinen Landen, und als er auch die von Philipp dem Großmütigen 1527 gegründete ſtets rein lutheriſche Univerſität Marburg zu reformieren begaun, widerſetzten ſich einige Profeſſoren der Theologie und wurden 1605 deßhalb ihres Amtes entſetzt. Land⸗ graf Ludwig V. nahm ſich ihrer an, beſchied ſie nach Darmſtadt, um weitere Schritte mit ihnen zu beraten, und die Folge war die Grün⸗ dung eines Gymnasium illustre und eines Paedagogium trilingue noch in demſelben Jahre. Am 10. Oct. 1605 wurden beide Anſtalten in Gießen feierlich eröffnet.

Zwei Jahre ſpäter waren die Privilegien des Kaiſers erwirkt, und die erſtere Anſtalt wurde in eine rein lutheriſche Univerſität ver⸗ wandelt und als ſolche am 7. Oct. 1607 feierlichſt eröffnet; ſie er freute ſich ſofort eines hohen Rufes und ſtarken Beſuchs.

Infolge eigentümlicher politiſcher Verhältniſſe bei den beiden heſſiſchen Fürſtenhäuſern wurde die neue Hochſchule Gießen 1625