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Feier des fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums des Geheimenraths und Professors Dr. Ferdinand August Maria Franz von Ritgen zu Gießen
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kraft, ſein Leben hingebracht hat, der darf einer gerechten, ſtolzen Ge⸗ nugthuung ſich erfreuen, wenn er, an einem Tag, wie Heute, angelangt, ſtille hält, den Blick rückwärts wendet und ſein Leben im Spiegel der Selbſtbetrachtung an ſich vorüberziehen läßt.

ſor Und es iſt ein reiches Leben geweſen, welches ſich der Rückerinnerung hier darbietet, voll wohldurchdachter geiſtiger Entwürfe, angeſtrengter Thä⸗ tigkeit, ehrenvollen Gelingens.

Wenn aber die Rückerinnerung, verehrter Jubilar, Dich führt von den erſten beſcheidenen Hoffnungen und Beſtrebungen Deiner Jugend, durch die mannigfachen Wechſelfälle Deines bewegten Lebens, durch die Jahre des Kriegs, der Noth, der Zerrüttung unſers ſchönen Vater⸗ landes, in welche Deine erſte Thätigkeit fällt, durch die Zeit des lang⸗

nenſamen allmäligen Wiederaufblühens geordneter, wohlthuender Zuſtände, die herbeizuführen Du in unſerm engern Vaterlande beizutragen ver⸗

zale,mochteſt, und endlich zu der ehrenvollen Höhe, auf welche die Gnade rtengerechter Fürſten und die Anerkennung geehrter Fachgenoſſen Dich erho⸗ genben haben; ſo darfſt Du Dir und Jedermann mit gerechtem Stolze henſagen:Was ich bin und habe, das bin und habe ich durch mich; Vzu dem, was ich geworden, hat mich nicht die Geburt, hat mich nirgends

ge,der blinde Zufall gebracht, überall nur meine zähe, nicht zu ermüdende,

durch kein Mißlingen abzuſchreckende Thätigkeit und Energie.

8Haben aber die Gnade Deiner Fürſten, die Anerkennung Deiner hö⸗Fachgenoſſen, die ſich Heute noch ſo und in ſo zahlreichen und glänzen raftden Aeußerungen bewährten, Dir die Zeichen der äußeren Ehre nicht. ilarverſagt; ſo kann Dir auch der ſchönere Lohn des eigenen Bewußtſeins da.eines wohlvollbrachten Lebens nicht fehlen. Und nun ſchau um Dich, verehrter Jubilar, auch hier ſiehſt Du 4ein Blatt aus dem Kranze Deiner Ehren. inDa ſind Deine Schüler von nah und fern herbeigeeilt, um ihren alten Meiſter zu begrüßen an ſeinem Ehrentage. Nicht bloß die Ju⸗ dengend, welche noch vor Kurzem das Glück hatte, Lehre und geiſtige An⸗ inesregung unmittelbar aus Deinem Munde zu empfangen und das Vorbild de⸗geiſtiger Regſamkeit durch unmittelbaren Umgang mit Dir in ſich auf⸗ pft;zunehmen: Da ſitzen auch Männer mit ſchon ergrauten Haaren, die

ſelbſt wieder beſtimmt ſind, das Saamenkorn, das Du ihnen gegeben, trerin Lehre und werkthätiger Anwendung wuchern zu laſſen; und ſie alle nennen ſich jetzt noch mit Freuden Deine Schüler. Da iſt keiner unter ihnen, der ſich nicht auch jetzt noch mit Wohlgefallen der alten

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