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Feier des fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums des Geheimenraths und Professors Dr. Ferdinand August Maria Franz von Ritgen zu Gießen
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idmet

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Mein ſehr lieber Herr Dittmar!

Am Tage meiner 50jährigen Dienſtzeit iſt mir mancher Beweis treuer Anhänglichkeit in Worten und Briefen zu Theil geworden; mein Sohn und mein Neffe werden Ihnen dieſes ausführlich berichten. Kaum Ein Briefchen aber iſt mir lieber geweſen, wegen ſeiner einfachen Herzlichkeit, als das Ihrige, und weil es mir Zeugniß von Ihrer Liebe zu meinem Sohne giebt, die ſich auf mich, als deſſen Vater, miterſtreckt. Auch denke ich mir, daß Sie, welcher mit Leib und Seele Architekt ſind, Sich über mich freuen und mich gerne haben, weil ich ſo große Freude an der Wartburg empfinde.

Was das Loblied der Kindlein betrifft, ſo mag jeder wünſchen, daß es mir und meines Gleichen nicht geſungen werde, ſondern daß die in die Welt guckenden Naſeweiße deſſen überhoben bleiben. Sie ſind ſo glück⸗ lich, daß Ihre kleinen Dittmarchen nicht in dieſer Weiſe zu loben gezwun⸗ gen ſind. Nächſtens komme ich und werde ſehen, ob meine Wünſche fort und fort in Erfüllung gehen!

Säulen und Knäufe,

Bögen und Reife,

Mauren und Zinnen,

Frieſe und Rinnen,

Wände und Decken,

Winkel und Ecken,

Giebel und Walmen,

Thürme wie Palmen:

Alles in Schönheit und Stärke!

Sind ja des Baukünſtlers Werke.

Kommen die Großen und Kleinen zu ſchauen,

Was Sie da droben ſo Schönes erbauen? Dittmarchen klettern hinauf da die buntigen Wände, Klatſchen dem Vater zum Lob in die Hände, die Hände!

Gießen, am 19. Auguſt 1858. v. Ritgen, Vater.