— 146—
52. Queen St. Edinbourgh, 4% 758.
Hochgeehrteſter Geheimerath!
Mit dem größten Vergnügen habe ich gehört, daß die von Ihnen ſo lange Zeit gezierte Gießener Univerſität Ihr fünfzigjähriges Jubiläum mit großen Feſtlichkeiten bald feiern ſoll. Als Sie am 18ten dieſes Mo⸗ nats Sich über die Gratulationen Ihrer ehrenvollen Collegen in der Univerſität zu Gießen, und über das Lob Ihrer zahlreichen und bewun⸗ dernden Schüler erfreuen, Sie werden es wohl verzeihen, daß ein jün⸗ gerer Arbeiter in demſelben Felde, wo Sie ſo erfolgreich gearbeitet und worin Sie Sich einen ſo großen Ruhm erworben haben, Ihnen ſeine freundlichſte Gratulation, nebſt dieſem ſchriftlichen Zeichen ſeiner ſehr ho⸗ hen Achtung, auch anzubieten wagt. Obgleich ich Fremder bin und Ih⸗ nen perſönlich unbekannt; doch kenne ich gut Ihre geiſtreichen Werke, und Ihre zahlloſen Verdienſte in dem Gebiet der Geburtshülfe haben meine allerhöchſte Achtung, wie ſie die Verehrung und Dankbarkeit der ganzen mediciniſchen Welt an Sie gewonnen haben.
Wenigen iſt die Erlaubniß gegeben, ſo lange und mit ſolchem Er⸗ folg zu arbeiten, wie es Ihnen geſchehen iſt; wenn nur Jeder mit dem⸗ ſelben muſterhaften Fleiß, mit derſelben Gewiſſenhaftigkeit und mit dem⸗ ſelben philoſophiſchen Geiſt arbeitete, wie Sie es während der verfloſſenen Hälfte des Jahrhunderts gethan haben, ſo würde es geſchehen, daß vor dem Ende deſſelben unſere Wiſſenſchaft und unſere Kunſt einen wunder⸗ baren Grad der Vollkommenheit und Gewißheit erreichen würden.
Daß Sie noch lange leben, die Zierde Ihrer geehrten Univerſität und der Neſtor der Deutſchen Geburtshülfe zu ſein, iſt der herzliche Wunſch
Ihres ergebenen
J. S. Simpſon.


