früher zu Ihnen ſtand, durch die Uebernahme eines rein weltlichen
Amtes an unſerer Landesuniverſität wieder aufzulöſen vermochte. Mir muß es allerdings unter Umſtänden vollkommen genü⸗ gen, mein Prieſterthum nur ganz ſtill bei mir, gewiſſer Maaßen in
der Verborgenheit, zu tragen. Stände aber ein Mann von der
Einſicht, Liebe und ächtchriſtlichen Milde eines Sailer an der Spitze unſerer kirchlichen Angelegenheiten, ſo hätten wir ſicher der⸗ gleichen nimmermehr erleben müſſen! Auch glaube ich immerhin wohl noch auf eine Wendung der Dinge zum Guten hoffen zu dürfen.
Sollten Sie nach dieſer meiner Erklärung zu dem früher uns zugefügten und, wie meine Schrift zeigt, uns tief ſ merzen⸗ den Leid noch neues für mich, etwa durch Verhängung irgend welcher kirchlichen Cenſuren oder ſonſtige Verfolgungen, hinzufügen wollen: ſo kann ich dieſes freilich nicht hindern, werde es aber in aller Geduld und Seelenruhe ertragen, da ich das Bewußt⸗ ſein hege, daß ich in meiner Schrift gegen die katholiſche Lehre und die geſchichtliche Wahrheit nichts habe vorbringen wollen noch wirklich vorgebracht habe. Auch über das Weitere wird, wenn es ſein muß, die Oeffentlichkeit richten.
Möge das unter Ihrer Pflege beſtehende Seminar mit Gottes Beiſtand gedeihen und insbeſondere alle die Fehler vermeiden, welche ich bei einem ſolchen Inſtitut wohl als möglich, aber nicht als nothwendig namhaft gemacht habe!
Ich zeichne mit aller ſchuldigen Hochachtung
Ew. Biſchöflichen Gnaden Gehorſamſter Dr. Lutterbeck,
Profeſſor der claſſiſchen Philologie an der Univerſität zu Gießen.
Gießen, den 18. October 1860.
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