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Lebenslauf.
Geboren wurde ich am 6. Februar 1889 zu Mainz. Mein Vater war Lokomotivführer. Nach 3 Jahre langem Besuch der Vorschule des Gymnasiums meiner Vaterstadt trat ich am 18. April 1898 in das Realgymnasium über, in dem ich am 27. Februar 1907 das Reifezeugnis erwarb. Seit Untersekunda trug ich mich mit dem Gedanken, Mathematik zu studieren und Lehrer zu werden. Im Sommersemester 1907 kam ich zur Landesuniversität Gießen, an der ich 8 Semester Mathe- matik, Physik und Deutsch studierte. Ich hörte in erster Linie Vorlesungen von Netto, Pasch, König, Fromme und Behaghel. Im 9. Semester bestand ich die Fachprüfung in reiner Mathematik, Physik und Deutsch für erste Stufe und wurde dann zur weiteren Ausbildung dem Realgymnasium Mainz überwiesen, meiner alten Schule, an der ich noch heute als Studienrat tätig bin. Meine Schultätigkeit wurde nur unter- brochen durch die Kriegsjahre, in denen ich meine Dienstpflicht bei dem Hessischen Artilleriekorps Nr. 25 Darmstadt erfüllte. Kurz nach bestandenem Staatsexamen suchte Prof. Netto mich für eine Arbeit der Gruppentheorie zu erwärmen. Jedoch fes- selte mich die Ausbildung für meinen Beruf derart, nahm auch meine Arbeitskraft derart in Anspruch, daß ein ersprießliches Arbeiten für andere als Schuldinge nicht möglich war. Als
dann die erste Gewöhnung an alles Neue des Berufes Muße
zum Arbeiten hätte geben können, kam der Krieg. Nach seinem so traurigen Abschluß hörten die Leiden für uns in den besetzten Rheinlanden nicht auf. Damals versuchte ich, mich wieder in mathematische Fragen einzuarbeiten, doch fehlte mir noch die Ruhe der Nerven. Auch war die Behand- lungsart mathematischer Aufgaben in der Zwischenzeit eine so andere geworden, daß selbst die größte Neigung zur mathe- matischen Arbeit kaum Erfolg zu versprechen schien. Dazu nahm der Beruf mehr und mehr Zeit in Anspruch. Sehr zu Dank verpflichtet bin ich Herrn Professor Dr. Engel, an den ich mich im Jahre 1928 wandte, daß er mir Anregung zu geben vermochte, der ich nachkommen konnte. Seiner Weisung ver- dankt die vorgelegte Arbeit ihren Ursprung.
Gottfried Stratemeyer, Studienrat.


