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Aus Stadt und Kreis Gießen.
Alte Gießener Flurnamen.
Von Professor Dr. Karl Ebel, Direktor der Universitätsbibliothek in Gießen.
Die Namen der Fluren und Gewanne der Feld⸗ mark sind eine wertvolle Quelle für die Kultur⸗ geschichte eines Ortes. Untersucht man sie nach
ihrer zeitlichen Entstehung und ihrem zeitlichen
D und findet man für sie die rechte sann und so wissen sie viel zu erzählen von Ge⸗ sei und Art des Bodens, an dem sie haften, iner Kultur und Nutzung, von Anlagen, die sich auf ihm befanden, und von vielem anderem mehr. din Sd wir einmal nach diesen Gesichtspunkten ie Flurnamen unserer Gemarkung. Zunächst gibt es eine ganze Anzahl, die uns die tuürlaffenheit des Bodens oder seine na⸗ 980 ichen Kennzeichen melden. Die sumpfige 10 h bezeichnet im Norden der Stadt die„Schwarz⸗ nach(1484: Swartzelache) und der„Edergraben“, Pfü dem die Ederstraße benannt ist.„In der en 20 am Junkeracker“ ist ein sumpfiger Fleck um 10 utgraben am Schnittpunkt der Heuchelheimer Bru e mit der Gemarkungsgrenze.„Auf das den gelangen wir da, wo der„Bruchgraben“ kommt lingelbach dem Nahrungsberg am nächsten spiekt L An dem Zusammenfluß zweier Flüsse wir di asser eine besondere Rolle, daher haben der 65 Namen„Hamm“ und„Sand“ zweimal in 15. emarkung, von denen der erstere schon im B ide zehundert, der zweite noch früher belegt ist. vor, sie Deder, an der Lahn und an der Wieseck im 225 edeuten Flußufer. Andere, ebenfalls schon Jahrhundert vorkommende Erinnerungen born⸗— sind der„Waldbrunnen“, der„Schäfer⸗ von Hn0 die„Wolfsfurt“, die ihren Namen wohl bergs fand ölfen führt. In den Wäldern des Düns⸗ im 17 anden sich diese gefährlichen Raubtiere noch Winters orhundert in großer Zahl; in strengen die Lahn ai Hunger getrieben, mögen sie oft Schw urchschritten haben. In 5 3 Bann und„Weißerde“ zeigen die Fär⸗ öden es Bodens an. Die Weißerde ist der Ton⸗ ihr Ma—665 dem heute die Gailschen Tonfabriken 26 Wants beziehen. Am Rande dieses Gemar⸗ 10. ees läuft der„Aulweg“, im Mittelalter und. genannt. Die Bezeichnungen Aulöfen der W. ner für Töpferofen und Töpfer waren in etterau üblich, in einer Gießener Urkunde
v ö ů— Gu pom Jahre 1393 erscheint ein Cuntze Ulner und
hundert Jahre später ein Henchen Ulner. Der Aul⸗ weg ist daher der Weg, den die Töpfer gingen, wenn sie den Ton, die„weiße Erde“, zur Herstellung ihrer Waren holen wollten. Analog erklärt Karl Wei⸗ gand den Ortsnamen Ulfa als das Flüßchen, an dem Töpfe gemacht werden.
Die Bodenbeschaffenheit gibt auch der„Hardt“
ihren Namen, eine in Deutschland weit verbreitete Bezeichnung für festen, steinigen Boden. Trockenen, rissigen(lechen“) Grund hat die„Lichtenau“. Ihr richtiger Name, wie ihn z. B. der Wiesecker aus⸗ spricht, ist„Lechenau“, 1347:„lechinauwe“; die heutige Form ist erst im 17. Jahrhundert auf⸗ gekommen. Die 1375 und später vorkommende „leichinauwe“ hat zu der Annahme geführt, daß am Rodberg, wo sie liegt, ein Kampf stattgefunden habe, und da dort auch das„Römersloch“ zu finden ist, so war man sicher, daß es sich um eine Schlacht zwischen Römern und Chatten handeln müsse. Leider ist die Erklärung viel harmloser, denn„loch“ ist„lohe“ und bedeutet Wald, Gehölz, das in diesem Falle sich im Besitz eines Gießener Bürgers namens Römer befand. Daß der Wald einst viel näher an die Stadt herangetreten ist, sehen wir aus den zahl⸗ reichen Namen, die auf Rodungen hinweisen. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung mußte Ackerboden gewonnen, der Wald geschlagen werden. Eine der ältesten Rodungen ist vielleicht der„Rodberg“, an dem auch das alte Achstatt lag, er hieß ehedem kurz⸗ weg„auf dem Rodt“. Andere gleichartige Namen sind die„Rodgärten“, die„Rodhohl“(an der Wil⸗ helmstraße), das„Eichenrott“(15. Jahrhundert), heute„Eichgärten“ genannt. Die Gewann„Fuchs⸗ rode“ heißt 1320 Foixtrode und bedeutet die Rodung des Vogtes. Eine weitere Bezeichnung für
Rodland findet sich dann noch an der Heuchelheimer
Straße, wo eine Gewann„die Schwemme“ heißt, eine Umbildung aus„swende“(1495),„schwende“ (1553). Schließlich besitzen wir im Wald eine„Stock⸗ wiese“(1463). Auf den Ackerbau bezieht sich auch der älteste unserer Flurnamen, das„Alte Feld“, das zum erstenmal im Jahre 1310 und noch heute so genannt wird. Das„Gartfeld“ erscheint gleichzeitig mit den„Eichgärten“ im 15. Jahrhundert.
Der Weinbau hatte im Mittelalter eine viel größere Verbreitung als heute, weit nach dem Norden und dem Osten Deutschlands war er vor⸗
gedrungen. So finden wir denn frühe in Hessen
und auch in Gießen Weinberge: 1322 werden sie schon urkundlich genannt, und noch im Jahre 15⁵⁴


