Jahrgang 
1927
Seite
3
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Aus Stadt und Kreis Gießen.

Alte Gießener Flurnamen.

Von Professor Dr. Karl Ebel, Direktor der Universitätsbibliothek in Gießen.

Die Namen der Fluren und Gewanne der Feld⸗ mark sind eine wertvolle Quelle für die Kultur⸗ geschichte eines Ortes. Untersucht man sie nach

ihrer zeitlichen Entstehung und ihrem zeitlichen

D und findet man für sie die rechte sann und so wissen sie viel zu erzählen von Ge⸗ sei und Art des Bodens, an dem sie haften, iner Kultur und Nutzung, von Anlagen, die sich auf ihm befanden, und von vielem anderem mehr. din Sd wir einmal nach diesen Gesichtspunkten ie Flurnamen unserer Gemarkung. Zunächst gibt es eine ganze Anzahl, die uns die tuürlaffenheit des Bodens oder seine na⸗ 980 ichen Kennzeichen melden. Die sumpfige 10 h bezeichnet im Norden der Stadt dieSchwarz⸗ nach(1484: Swartzelache) und derEdergraben, Pfü dem die Ederstraße benannt ist.In der en 20 am Junkeracker ist ein sumpfiger Fleck um 10 utgraben am Schnittpunkt der Heuchelheimer Bru e mit der Gemarkungsgrenze.Auf das den gelangen wir da, wo derBruchgraben kommt lingelbach dem Nahrungsberg am nächsten spiekt L An dem Zusammenfluß zweier Flüsse wir di asser eine besondere Rolle, daher haben der 65 NamenHamm undSand zweimal in 15. emarkung, von denen der erstere schon im B ide zehundert, der zweite noch früher belegt ist. vor, sie Deder, an der Lahn und an der Wieseck im 225 edeuten Flußufer. Andere, ebenfalls schon Jahrhundert vorkommende Erinnerungen born⸗ sind derWaldbrunnen, derSchäfer⸗ von Hn0 dieWolfsfurt, die ihren Namen wohl bergs fand ölfen führt. In den Wäldern des Düns⸗ im 17 anden sich diese gefährlichen Raubtiere noch Winters orhundert in großer Zahl; in strengen die Lahn ai Hunger getrieben, mögen sie oft Schw urchschritten haben. In 5 3 Bann undWeißerde zeigen die Fär⸗ öden es Bodens an. Die Weißerde ist der Ton⸗ ihr Ma665 dem heute die Gailschen Tonfabriken 26 Wants beziehen. Am Rande dieses Gemar⸗ 10. ees läuft derAulweg, im Mittelalter und. genannt. Die Bezeichnungen Aulöfen der W. ner für Töpferofen und Töpfer waren in etterau üblich, in einer Gießener Urkunde

v ö ů Gu pom Jahre 1393 erscheint ein Cuntze Ulner und

hundert Jahre später ein Henchen Ulner. Der Aul⸗ weg ist daher der Weg, den die Töpfer gingen, wenn sie den Ton, dieweiße Erde, zur Herstellung ihrer Waren holen wollten. Analog erklärt Karl Wei⸗ gand den Ortsnamen Ulfa als das Flüßchen, an dem Töpfe gemacht werden.

Die Bodenbeschaffenheit gibt auch derHardt

ihren Namen, eine in Deutschland weit verbreitete Bezeichnung für festen, steinigen Boden. Trockenen, rissigen(lechen) Grund hat dieLichtenau. Ihr richtiger Name, wie ihn z. B. der Wiesecker aus⸗ spricht, istLechenau, 1347:lechinauwe; die heutige Form ist erst im 17. Jahrhundert auf⸗ gekommen. Die 1375 und später vorkommende leichinauwe hat zu der Annahme geführt, daß am Rodberg, wo sie liegt, ein Kampf stattgefunden habe, und da dort auch dasRömersloch zu finden ist, so war man sicher, daß es sich um eine Schlacht zwischen Römern und Chatten handeln müsse. Leider ist die Erklärung viel harmloser, dennloch istlohe und bedeutet Wald, Gehölz, das in diesem Falle sich im Besitz eines Gießener Bürgers namens Römer befand. Daß der Wald einst viel näher an die Stadt herangetreten ist, sehen wir aus den zahl⸗ reichen Namen, die auf Rodungen hinweisen. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung mußte Ackerboden gewonnen, der Wald geschlagen werden. Eine der ältesten Rodungen ist vielleicht derRodberg, an dem auch das alte Achstatt lag, er hieß ehedem kurz⸗ wegauf dem Rodt. Andere gleichartige Namen sind dieRodgärten, dieRodhohl(an der Wil⸗ helmstraße), dasEichenrott(15. Jahrhundert), heuteEichgärten genannt. Die GewannFuchs⸗ rode heißt 1320 Foixtrode und bedeutet die Rodung des Vogtes. Eine weitere Bezeichnung für

Rodland findet sich dann noch an der Heuchelheimer

Straße, wo eine Gewanndie Schwemme heißt, eine Umbildung ausswende(1495),schwende (1553). Schließlich besitzen wir im Wald eineStock⸗ wiese(1463). Auf den Ackerbau bezieht sich auch der älteste unserer Flurnamen, dasAlte Feld, das zum erstenmal im Jahre 1310 und noch heute so genannt wird. DasGartfeld erscheint gleichzeitig mit denEichgärten im 15. Jahrhundert.

Der Weinbau hatte im Mittelalter eine viel größere Verbreitung als heute, weit nach dem Norden und dem Osten Deutschlands war er vor⸗

gedrungen. So finden wir denn frühe in Hessen

und auch in Gießen Weinberge: 1322 werden sie schon urkundlich genannt, und noch im Jahre 15⁵⁴