Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen
ihr Ende erreicht, aber es waren nur deutsche Truppen, deren Bekanntschaft sie hinfort machen sollte.
Mit dem Fallen der Festungswerke war der Gürtel, der die Stadt einengte, gesprengt. Nicht nur konnten jetzt neue schöne Stadtteile entstehen, es waren auch dem Gewerbfleiß neue Bahnen erschlossen, und so wurde Gießen das, was es heute ist: in der Wissenschaft, Handel und Gewerbe einen gesegneten Boden finden.
Sehenswürdigkeiten.
Badeanstalten. Das Gießener Volks⸗ bad A.⸗G.(Seltersweg 58 4) ist in den Jahren 1897— 98 für 200 000 Mä. errichtet.
Die Bausumme ist inzwischen durch Neu⸗ anlage von 9 Brausebädern, mechanischer Ein⸗ richtung der Wäscherei und elektrischer Anlage auf 210 000 Mä. gestiegen. Der in deutscher Renaissance gehaltene Blendsteinbau ist von
den Architekten Stein& Meyer errichtet und die maschinellen und Badeeinrichtungen sind
nach modernen hygienischen Gesichtspunkten von der Firma H. Schaffstaedt hergestellt. Das allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Badehaus enthält in der Schwimmhalle mit 32 Einzelauskleidezellen und mehreren Reini⸗
eine blühende Stadt,‚,
gungszellen ein Schwimmbechen von 9,8 m
Breite und 19,5 m Länge bei einer Tiefe von 0,/8—2,8 m, ferner 18 Wannenbadezellen und 8 Zellen für römisch⸗irische Bäder, sowie 21 Brausebadezellen. Verabfolgt werden Schwimm⸗, Wannen⸗, Dampf⸗, römisch-irische
sowie medizinische Bäder, Brausebäder und
Massagen. Preise und Badezeiten siehe Seite 344. Das städtische Freibad an der Lahn wurde im Sommer 1911 zu 31 292 Bädern benutzt. noch zu erwähnen das Männerbad des Männerbadevereins, die früher Rübsam⸗ sche Badeanstalt von Philipp Müller und das Luft⸗, Licht- und Sonnenbad. Bitibliothenen. Die Gr. Universitäts⸗ Bibliothek(Keplerstraße 2) ist 1901— 1904 in modernisiertem deutschen Barockstile nach Die Plänen des Baurats Becker erbaut. ie Baukosten, einschließlich der Einrichtung, etragen 526 000 Mk. Gegründet 1612,
Bando Bibliothek am 1.April 1911 246 143
gramme, 1250 Wiegendr gendrucke, 1500 Hand⸗ 2906001 550 Urkunden. Vermehrungsetat:
Ausgeliehen außer Haus in
1010/11: 48580 Bände. Geschäftsstunden siehe
un ersütsbehörde Seite 30. akle hilGiltichen Bücher⸗ und Lese⸗ orhäͤusch Sbener Lesehalle⸗Vereins in den Lesründet 10 eltersw. 93 u. Neuenbäuen 30, däume et. Laos, werden von der Stadt die e unentgeltlich gewährt, sowie ein Bar⸗
Ferner sind an der Lahn
127 800 Dissertationen und Pro⸗
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zuschuß von jährlich 400 Mk. Die Bezirks⸗ sparkasse Gießen bewilligt jährlich 600 Mk., die Kreiskasse 200 Mä. und die Gewerbe⸗ bank 100 Mä. Von Mitgliedern ꝛc. gehen jährlich ca. 1400 Mark ein. Die Bücheraus⸗ gabe befindet sich im Torhäuschen Neuen⸗ bäuen 30, das Lesezimmer Seltersweg 93. 1910/11 wurden rund 27000 Bände ausge⸗ liehen. Die Anstalt besitzt 6000 Bände und 157 im Lesezimmer aufliegende Zeitungen und Zeitschriften aller Richtungen. Das Lese⸗ zimmer hat außerdem eine Handbibliothek von ca. 1000 Bänden und Broschüren, sowie einen Schreibtisch mit Briefpapier usw. zur freien Benutzung der Besucher. Es ist täglich ununterbrochen von morgens 10 bis abends 10 Uhr geöffnet. Die Benutzung steht jedem unentgeltlich frei; Schüler sind ausgeschlossen. Der erste Katalog, für 20 Pfennig erhältlich, wurde 1904 gedruckt. Ausleihestunden siehe „Vereine“ Seite 314.
Denkmäler. Das Standbild des großen Chemikers Justus von Liebig ist 1890 in der Ost⸗-Anlage errichtet, ausgeführt in weißem Marmor von dem Berliner Bildhauer Schaper. Zur weiteren Erinnerung an Liebigs Tätigkeit in Gießen wird jetzt das von ihm als Labora⸗ torium benutzte Gebäude in der Liebigstraße als Liebigmuseum eingerichtet. In der Nord⸗ Anlage vor dem Neubau der höheren Mädchenschule befindet sich der 1892 errichtete Marmor⸗Denkstein für den um die Forst⸗ wirtschaft hochverdienten Professor Heyer. Auf dem Marktplatze steht das vom Darmstädter Bildhauer Habich 1900 ent⸗ worfene und ausgeführte Kriegerdenkmal. In der Vorhalle des gegenüber stehen⸗ den alten Rathauses sind auf zwei metallenen Tafeln die Namen der Offiziere und Soldaten aus Gießen verzeichnet, die als Angehörige des damaligen 2. Infanterie⸗ Regiments am Feldzuge 1870/71 teilgenom⸗ men haben. An dem neuen Schlosse ist ein großer Sandsteinblock eingelassen, auf dem das Hessische Wappen ausgehauen ist. Das Wappenschild trägt die Inschrift:„Zum Ge⸗ dächtnis Landgraf Philipps des Groß⸗ mütigen, der im Jahre 1533 dieses Haus errichtet hat. Den 13. November 1904.“ Es birgt den kürzlich gebildeten Grundstock zu einem ethnographischen Museum. An dem gegenüberliegenden Regierungsgebäude ist eine Gedenktafel für den Freiherrn Re⸗ natus, Karl von Senckenberg, Ge⸗ lehrten und Wohltäter, errichtet, der dort gewohnt hat. Das Haus Sonnenstraße 6, eines der ältesten Häuser der Stadt und durch seine Holzarchitektur und eine schöne Laube an der Hofseite ausgezeichnet, ist das Geburts⸗ haus des als Vollsschriftsteller unter dem Namen O. Glaubrecht bekannten Pfarrers Rudolf Oeser(1807- 1859). Eine am 50.


