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Souterrain des Zuschauerhauses liegt die Wohnung des Hausverwalters auf der Süd— seite, die Heizungsanlage auf der Nordseite. Die Heizung ist eine Niederdruckdampfheizung, die Erwärmung des Zuschauerhauses ge— schieht durch eine Luftheizung, bei der die erwärmte Luft durch die Decke eintritt und nach unten gedrückt wird. Der Zu⸗ schauerraum beherbergt ein Kunstwerk in dem von Hans Koberstein-Berlin gemalten Hauptvorhang.
Das Stadttheater spielt von Oktober bis April regelmäßig am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag, ausnahmsweise auch an den anderen Wochentagen. Der Spiel— plan umfaßt Schauspiel, Lustspiel und Posse. Im Sommer finden einige Gastspiele der Operette des Bad-Nauheimer Kurtheaters statt.
Bemerkenswerte alte Bauten. Das alte Schloß mit dem Bergfrit, Heiden— turm(Brandplatz 2), aus dem 14. Jahrhundert stammend, der älteste Bau Gießens, ist ver⸗ schiedentlich umgebaut, ganz verfallen an die Stadt gekommen und von derselben jetzt völlig wieder hergestellt. Es birgt in dem nach dem Kanzleiberg zu gelegenen Flügel das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins, in dem anderen nach dem botanischen Garten zu ge— legenen Teile die zum Absteigequartier des Großherzogs von Hessen eingerichteten Räume.
Die Ausstattung der Räume ist von der
Provinz Oberhessen, sowie von einzelnen
Bürgern Gießens und der Provinz gestiftet
und von hessischen Firmen zum Teil nach Entwürfen des Professors Olbrich angefertigt. Eine Besichtigung ist sehr zu empfehlen. Das Quartier wurde vom Großherzoglichen Paare gleich nach Fertigstellung benutzt ge⸗ legentlich der 1907 stattgehabten dritten Zentenarfeier der Landes-Universität. Das neue Schloß(Landgraf-Philipp-Platz 2), ein zierlicher, hessischer Fachwerkbau, ist von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder hergestellt und wird auch im Innern nach und nach wieder ausgebaut. Ludwig IV. errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Sencken⸗ bergstraße zuwendet, das architeltonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Inter⸗ essante hessische Fachwerkbauten sind die frühere Hirschapotheke(aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts), das alte, vor einigen Jahren renovierte Rathaus(aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts) am Marktplatz und das Weiselsche Haus in der Sonnen⸗ straße, das sich durch sehr schöne Holzlauben auszeichnet. Von Burgmannenhäusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke (Kirchenplatz 12) und das älteste und bei weitem interessanteste Leibsche Haus(Kirchstr.2).
Oeschichliches und Seyenswürdigleiten der Stadt Giehen
Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten Quellen am Erlenbrunnen, Annaberg, Hu⸗ bertusbrunnen und bei Großen-Buseck hatten 1909 einen Erguß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 229 220 ebm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1909 in den Hochdruckbehälter bei Annerod ge— fördert 1251 490 ebw. Die Gesamt-Wasser⸗ zuführung für 1909 betrug also 1480710 ebm. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 123 Liter. Von den 2335 bewohnten Häusern Gießens sind 2104 an die Wasserleitung an⸗ geschlossen. Im ganzen stehen mit dem Wasser— rohrnetz in Verbindung: 315 Straßenhydran⸗ ten, 74 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 2170 Haus- und Garten-Anschlüsse. Das Gießener Leitungswasser ist vorzüglich. Die Gesamtlänge der Zuleitungen und des Straßen⸗ rohrnetzes beträgt 82413 m.
Gas: und elektrische Beleuchtung. Das städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde 1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über⸗ nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887 635 625 ebm, 1909 2053 650 ebm. Die Gasproduktion hat ständig zugenommen. Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 58 400 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 813 Gaslaternen. Angeschlossen sind 2184 Leuchtgasabnehmer mit 11897 Gasmesser⸗ flammen, 3047 Kochgasabnehmer mit 14718 Gasmesserflammen und 22 Gaskraftmaschinen mit zusammen 89 PS.
Das städtische Elektrizitätswerk ist von Schuckert& Co., Nürnberg, erbaut und im Sept. 1901 eröffnet. Erweiterungen wurden in den Jahren 1907 und 1909 vorgenommen. Letztere wurden durch das Städtische Elektrizitätswerk ausgeführt. Als Betriebskraft dient die Wasserkraft der Lahn, Generatorgas und Dampfkraft. Die Maschinenanlage umfaßt zwei Turbinen von je 75 PS., zwei Gasmotore von je 150 P8S. und einen von 300 PS., und zwei Dampf— maschinen von je 600 l'8.; also zusammen 1950 PS. Für das Licht- und Kraftnetz und die Straßenbahn ist je eine getrennte Akäkumula⸗ torenbatterie aufgestellt. Das größtenteils unterirdisch verlegte Leitungsnetz hatte am 31. III. 10 eine Gesamtlänge von 171,9 Kilo⸗ metern. Am 31. März 1910 waren ange—
schlossen: 888 Abnehmer mit 25 642 Glüh⸗
lampen, 495 Bogenlampen, 464 Motoren, 76 Apparate oder insgesamt ein Aequivalent von 64000 Glühlampen.
Stadtwald. Die der Stadt Gießen ge⸗ hörigen schönen Waldungen haben einen Flächenbestand von 1286,47 Hektar Holzboden und 56,62 Hektar Wege. Die jährliche Holz⸗ entnahme beträgt 7580 Festmeter oder 5,9 Fest⸗ meter pro Jahr und Hektar.


