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Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen
wieder hergestellt. Es birgt in dem nach dem Kanzleiberg zu gelegenen Flügel das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins, in dem anderen nach dem botanischen Garten zu ge⸗ legenen Teile die zum Absteigequartier des Großherzogs von Hessen eingerichteten Räume. Die Ausstattung der Räume ist von der Provinz Oberhessen, sowie von einzelnen Bürgern Gießens und der Provinz gestiftet und von hessischen Firmen zum Teil nach Entwürfen des Professors Olbrich angefertigt. Eine Besichtigung ist sehr zu empfehlen. Das Quartier wurde vom Großherzoglichen Paare gleich nach Fertigstellung benutzt ge⸗ legentlich der 1907 stattgehabten dritten Centennarfeier der Landes⸗Universität. Das neue Schloß(Landgraf Philipp⸗Platz 2), ein zierlicher, hessischer Fachwerkbau, ist von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder hergestellt und wird auch im Innern nach und nach wieder ausgebaut. Ludwig IV. errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Sencken⸗ bergstraße zuwendet, das architeltonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Inter⸗ essante hessische Fachwerkbauten sind die frühere Hirschapotheke(aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts), das alte, vor einigen Jahren renovierte Rathaus(aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts) am Marltplatz und das Weiselsche Haus in der Sonnen⸗ straße, das sich durch sehr schöne Holzbauten auszeichnet. Von Burgmannenhäusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke Kirchenplatz 12) und das älteste und bei weitem interessanteste Leibsche Haus KWasser⸗
Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten Quellen am Erlenbrunnen, Annaberg, Hu⸗ bertusbrunnen und bei Großen⸗Buseck hatten 1908 einen Erguß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 288 350 cbm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1908 in den Hochdruckbehälter bei Annerod ge⸗ fördert 1189 075 ebm. Die Wasserzuführung
für 1908 betrug also 1 477 425 ebm. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 125 Liter. Von den 2305 Wohnhäusern Gießens sind 2060 an die Wasserleitung an⸗ geschlossen. Im ganzen stehen mit dem Wasser⸗ rohrnetz in Verbindung: 309 Straßenhydran⸗ ten, 61 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 2126 Hausanschlüsse. Das Gießener Leitungs⸗ wasser ist vorzüglich.
Gas⸗ und elektrische Beleuchtung. Das städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde 1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über⸗ nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887 88 635,625 ebm, 1908 2028 250 ebm. Der Verbrauch hat trotz des 1901 eröffneten Elek⸗ trizitätswerks jährlich zugenommen. Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 56529 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 790 Gaslaternen. Angeschlossen sind 1994 Leuchtgasmesser mit 11253 Gasmesserflammen, 2653 Heizgasmesser mit 13034 Gasmesser⸗ flammen, 26 Kraftmaschinen mit 101 PS.
Das städtische Elektrizitätswerk ist von Schuckert& Co., Nürnberg, erbaut und im September 1901 eröffnet. Als Be⸗ triebskraft dient die Wasserkraft der Lahn, Generatorgas und Dampfäraft. Die Maschinen⸗ anlage umfaßt zwei Turbinen von je 75 PS., zwei Gasmotore von je 150 PS. und einen von 300 PS., eine Dampfmaschine von 600 PS.; also zusammen 1 350 P8. Die Akkumula⸗ torenbatterie besteht aus 272 Elementen. Das größtenteils unterirdisch verlegte Leitungsnetz hatte am 31. III. 09 eine Gesamtlänge von 151,9 Kilometern. Am 31. März 1909 waren angeschlossen: 748 Abnehmer mit 22 969 Glüh⸗ lampen, 474 Bogenlampen, 352 Motoren, 70 Apparaten oder insgesamt ein Aequivalent von 45400 Glühlampen.
Stadtwald. Die der Stadt Gießen ge⸗ hörigen schönen Waldungen haben einen Flächenbestand von 1286,47 Hektar Holzboden und 56,62 Hektar Wege. Die jährliche Holz⸗ entnahme beträgt 7580 Festmeter oder 5,9 Fest meter pro Jahr und Hektar.


