Jahrgang 
1908
Seite
XIV
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Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen

zu erwähnen die Aliceschule, Haushaltungs⸗ schule(Kirchstraße 20), die Gewerbeschule (Asterweg 25), FortbildungsschuleStadt⸗ knabenschule, Nord⸗Anlage 8), Kauf⸗ männische Fachschule(Nord-Anlage 15).

Museen, Sammlungen, Ausstellungen ete.

Das Museum des Oberhessischen Ge⸗ schichtsvereins ist 1905 aus dem alten Rathause in das alte Schloß(Brandplatz 2) verbracht, es enthält eine Sammlung von Altertümern, insbesondere aus Gießen und Umgegend, darunter sehenswerte prähistorische Gegenstände, sowie hervorragende germanische und römische Funde.

an Wochentagen für 50 Pfennig. Die Kunst⸗ ausstellun g des Kunstvereins für das Groß⸗ herzogtum Hessen, Zweigverein Gießen, im oberen Stock des Turmhauses(Brandplatz 3) bietet drei⸗bis vierwöchentlich wechselnde Aus⸗ stellungen neuerer Meister, ist geöffnet von 111 Uhr, außer Samstag, für Mitglieder un⸗ entgeltlich, für Nichtmitglieder Sonntags gegen 20 Pfg., an Wochentagen gegen 50 Pfg., für Studenten gegen 20 Pfg. Eintrittsgeld. Gips⸗ sammlung des archäologischen Instituts(Lud⸗ wigstraße 23) im Sommer geöffnet gegen freien Eintritt Montag, Mittwoch, Freitag von 11 12 Uhr, Dienstag, Donnerstag von 4- 5 Uhr, im Winter Dienstag 4-5, Freitag 11 12 und Sonntag 121 Uhr. Botanischer Garten (Senckenbergstraße 6), 1609 angelegt, ent⸗ hält manche Seltenheiten, ist neuerdings durch ein Palmenhaus und ein größeres Warmwasserbecken vervollständigt. Täglich geöffnet(außer mittags von 121 Uhr). Bemerkenswerte alte Bauten. Das alte Schloß mit dem Bergfrit, Heiden⸗ turm(Brandplatz 2), aus dem 14. Jahrhundert stammend, der älteste Bau Gießens, ist ver⸗ schiedentlich umgebaut, ganz verfallen an die Stadt gekommen und von derselben jetzt völlig wieder hergestellt. Es birgt in dem nach dem Kanzleiberg zu gelegenen Flügel das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins, in dem anderen nach dem botanischen Garten zu ge⸗ legenen Teile die zum Absteigequartier des Großherzogs von Hessen eingerichteten Räume. Die Ausstattung der Räume ist von der Provinz Oberhessen, sowie von einzelnen Bürgern Gießens und der Provinz gestiftet und von hessischen Firmen zum Teil nach Entwürfen des Professors Olbrich angefertigt. Eine Besichtigung ist sehr zu empfehlen. Das Quartier wurde vom Großherzoglichen Paare gleich nach Fertigstellnng benutzt ge⸗ legentlich der 1907 stattgehabten dritten Centennarfeier der Landes⸗-Universität. Das neue Schloß(Landgraf Philipp-⸗Platz 2), ein zierlicher, hessischer Fachwerkbau, ist von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder hergestellt

Besuchszeit von 11 bis 1 Uhr, an Sonn- und Feiertagen unentgeltlich,

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und wird auch im Innern nach und nach wieder ausgebaut. Ludwig IV. errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Sencken⸗ bergstraße zuwendet, das architeltonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Inter⸗ essante hessische Fachwerkbauten sind die frühere Hirschapotheke(aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts) und das alte, vor einigen Jahren renovierte Rathaus(aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts) am Markt⸗ platz. Von Burgmannenhäusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke (Kirchenplatz 12) und das älteste und bei weitem interessanteste Leibsche Haus(Kirchstr.2).

Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten Quellen am Erlenbrunnen, Annaberg, Hu⸗ bertusbrunnen und bei Großen⸗Buseck hatten 1906 einen Erguß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 292 000 ebm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1906 in den Hochdruckbehälter bei Annerod ge fördert 976 777 ebm. Die Wasserzuführung für 1906 betrug also 1 268 777 ebm. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 128 Liter. Von den 2273 Wohnhäusern Gießens sind 1925 an die Wasserleitung an⸗ geschlossen. Im ganzen stehen mit dem Wasser⸗ rohrnetz in Verbindung: 284 Straßenhydran⸗ ten, 49 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 1992 Hausanschlüsse. Eine wesentliche Erweite⸗ rung des Queckborner Werkes befindet sich seit 1904 in Ausführung. Das Gießener Leitungswasser ist vorzüglich.

Gas: und elektrische Beleuchtung. Das städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde 1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über⸗ nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887/88 635,625 ebm, 1906 1841 830 ebm. Der Verbrauch hat trotz des 1901 eröffneten Elek⸗ trizitätswerks jährlich zugenommen. Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 54729 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 712 Gaslaternen. Angeschlossen sind 1597 Leuchtgasabnehmer mit 9534 Flammen, 1917 Heizgasabnehmer mit 5667 Hähnen, 29 Kraftmaschinen mit 95 PS.

Das städtische Elektrizitätswerk ist von Schuckert& Co., Nürnberg, erbaut und im September 1901 eröffnet. Als Betriebskraft dient teils die Wasserkraft der Lahn, teils Generatorgas. Die Maschinen⸗ anlage umfaßt z. Zt. zwei Turbinen von je 75 PS., zwei Gasmotore von je 150 PS. und einen Motor von 300 PS., also zusammen 750 PS. Die Akkumulatorenbatterie besteht aus 272 Elementen. Das größtenteils unter⸗ irdisch verlegte Leitungsnetz hatte am 31. III. 07 eine Gesamtlänge von 115 Kilometern. Am 31. März 1907 waren angeschlossen: 550