VIII
Geschichtliches und Statistisches von Gießen
verbracht, es enthält eine Sammlung von Altertümern, insbesondere aus Gießen und Umgegend, darunter sehenswerte prähistorische Gegenstände, sowie hervoragende germanische und römische Funde. Besuchszeit von 11 bis 1 Uhr, an Honn⸗ und Feiertagen unentgeltlich,‚ an Wochentagen für 50 Pfennig. Die Kunst⸗ ausstellung des Kunstvereins für das Groß⸗ herzogtum Hessen, Zweigverein Gießen, im oberen Stock des Turmhauses(Brandplatz 3) bietet drei⸗ bis vierwöchentlich wechselnde Aus⸗ stellungen neuerer Meister, ist geöffnet von 11 bis 1 Uhr, außer Samstag, für Mitglieder unent⸗ geltlich, für Nichtmitglieder Sonntags 20 Pfg., an Wochentagen 50 Pfg. Eintrittsgeld, für Studenten 20 Pfg. Gipssammlung des archäologischen Instituts(Ludwigstraße 23) im Sommer geöffnet gegen freien Eintritt Montag, Mittwoch, Freitag von 11— 12 Uhr, Dienstag, Donnerstag von 4—5 Uhr, im Winter Dienstag 4—5, Freitag 11- 12 und Sonntag 12—1 Uhr. Botanischer Garten Halt mauche Set 6), 1609 angelegt, ent⸗ ält manche Seltenheiten, ist neuerdings durch ein Palmenhaus und ein größeres Warmwasserbecken vervollständigt. Täglich geöffnet(außer mittags von 12— 1 Uhr). Bemerkenswerte alte Bauten. Das alte Schloß mit dem Bergfrit, Heiden⸗ turm(Brandplatz 2), aus dem 14. Jahrhundert stammend, der älteste Bau Gießens, ist ver⸗ schiedentlich umgebaut, ganz verfallen an die Stadt gekommen und von derselben jetzt völlig wieder hergestellt. Das neue Schloß hesischer Philipp⸗Platz 2), ein zierlicher, essischer Fachwerkbau, ist von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder hergestellt und wird auch im Innern nach und nach wieder aus⸗ gebaut. Derselbe Landgraf errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Sencken⸗ bergstraße zuwendet, das architeltonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Inter⸗ essante Hessische Fachwerkbauten sind die frühere Hirschapotheke(aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts) und das alte, vor einigen Jahren renovierte Rathaus(aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts) am Marktplatz. Von Burgmannenhäusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke(Kirchenplatz 12) und das älteste und bei weitem interessanteste Leib'sche Haus(Kirchstraße 2). Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten
Quellen am Erlenbrunnen, Annaberg, Hu⸗ bertusbrunnen und bei Großen⸗Buseck hatten 1904 einen Erguß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 169,725 ebm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1904 in den Hochdruckbehälter bei Annerod ge⸗ fördert 844,413 cbm. Die Wasserzuführung für 1904 beträgt also 1,014,138 ebm. Der durchschnittliche tägliche Berbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 106 Liter. Von den 1914 Wohnhäusern Gießens sind 1759 an die Wasserleitung an⸗ geschlossen. Im ganzen stehen mit dem Wasser⸗ rohrnetz in Verbindung: 249 Straßenhydran⸗ ten, 49 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 1808 Hausanschlüsse. Eine wesentliche Erweiter⸗ ung des Quechborner Werkes befindet sich seit 1904 in Ausführung. Das Gießener Leitungswasser ist vorzüglich.
Gas⸗ und elektrische Beleuchtung. Das städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde 1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über⸗ nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887/88 635,625 ebm, 1904/05 1,651,550 ebm. Der Verbrauch hat trotz des 1901 eröffneten Elek⸗ trizitätswerkes jährlich zugenommen. Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 50 245 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 672 Gaslaternen. Angeschlossen sind 1419 Leuchtgasabnehmer mit 13 215 Flammen, 1353 Heizgasabnehmer mit 4347 Hähnen, 38 Kraftmaschinen mit 122 P.S.
Das städtische Elektrizitätswerk (Lahnstraße 28) ist von Schuckert& Co. an⸗ gelegt und September 1901 eröffnet. Als Betriebskraft dient teils die Wasserkraft der Lahn, teils Generatorgas. Die Maschinen⸗ anlage enthält bis jetzt zwei Turbinen zu je 80 P.S., zwei Gasmotore zu je 150 PS. und einen Motor zu 300 P.S., also zusammen 760 PS. Die Alkumulatorenbatterie besteht aus 272 Elementen. Das unterirdisch ver⸗ legte Leitungsnetz hat eine Gesamtlänge von 95 Kilometern. Am 31. März 1905 waren an⸗ geschlossen: 393 Abnehmer mit 8680 Glüh⸗ lampen, 246 Bogenlampen, 137 Motoren und 20 verschiedenen Apparaten oder insgesamt ein Aequivalent von 17 026 Glühlampen zu 16 Normalkerzen.
Stadtwald. Die der Stadt Gießen ge⸗ hörigen schönen Waldungen haben einen Flächenbestand von 1286,47 Hektar Holzboden und 56,62 Hektar Wege. Die jährliche Holz⸗ entnahme beträgt 7580 Festmeter oder 5,9 Fest⸗ meter pro Jahr und Heltar.


