Jahrgang 
1909
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VI. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Schuljahr 190809.

Beginn: Montag, 27. 4. 08; Schluß: Samstag, 3. 4. 09.

1) Perſonalangelegenheiten. Durch Min.⸗Verf. vom 31. 3. 08 wurde Herr Lehramts⸗ referendar Alexander Weide zum Lehramtsaſſeſſor ernannt.

Durch Dekret vom 9. 4. 08 wurde dem Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Rimbach i. O. Herrn Simon Schwarz eine Lehrerſtelle an der hieſigen Anſtalt übertragen.

Um eine Reihe von Kombinationsſtunden zu beſeitigen und auch dem Turn⸗ und Ge⸗ ſangunterrichte die nötige Stundenzahl zuweiſen zu können, wurde eine neue Lehrerſtelle eingerichtet, die gemäß Min. Verf. vom 2. 4. 08 Herr Schulverwalter Kunkel übernahm.

Vom 5. 5. 08 an erteilte Frl. Johanna Adami an Stelle von Frl. Volk den Hand⸗ arbeitsunterricht der Mädchen.

Durch Urlaubserteilungen war der Unterricht mehrfach geſtört. Herr Oberlehrer Dr. Heymann kehrte am 11. 5. 08 von ſeiner Studienreiſe zurück. Ein Vertreter war für ihn nicht bewilligt worden. Herr Aſſeſſor Weide war vom 30. 7. 08 bis 23. 9. 08 zur Ableiſtung einer militäriſchen Uebung beurlaubt. Durch Min.⸗Verf. vom 5. 8. 08 wurde Herr Lehramts⸗ referendar Karl Krauß mit der Vertretung betraut. Auch der Unterzeichnete war für die Zeit

der Sommerferien beurlaubt und mußte aus Geſundheitsrückſichten um Verlängerung ſeines Urlaubs

bis zum 19. 8. 08 bitten. Die Leitung der Schule hatte während dieſer Zeit Herr Lehrer Winter übernommen. Herr Pfarrverwalter Reichert war ebenfalls Ende Auguſt beurlaubt. Auch Herr Schulverwalter Kunkel war vor den Herbſtferien durch ſein Examen einige Tage der Schule entzogen.

Am 1. 9. 08 übernahm Herr Pfarrer Kempf die Religionsſtunden der Oberklaſſen.

Im September 08 unterzog ſich Herr Schulverwalter Kunkel mit gutem Erfolge der Maturitätsprüfung am Landgraf⸗Ludwigs⸗Gymnaſium zu Gießen. Durch Min. Verf. vom 15. 1. 09 erhielt er mit Wirkung vom Schluſſe des Schuljahres ſeine Entlaſſung aus dem Schuldienſte zwecks Uebergangszum Studium der Theologie.

Am 21. 10. 08 ſtarb nach langem Leiden der langjährige Lehrer unſerer Anſtalt Herr Johannes Deckenbach. Seit Beginn des Schuljahres 1905/06 war er krankheitshalber beurlaubt und wurde am 16. 5. 07 auf ſein Nachſuchen in den Ruheſtand verſetzt. Er zählte damals 45 Dienſtjahre, von denen 33 Jahre der Arbeit an der höheren Bürgerſchule gewidmet waren. Es mögen wohl an 1000 Schüler und Schülerinnen ſein, die er an unſerer Anſtalt unterrichtete, ihnen allen wird ſein freundliches Bild, ſein ſtets gleichmäßiges, ruhiges und pflichtgetreues Wirken unvergeßlich ſein. Schüler und Lehrer gaben ihm das Geleite zur letzten Ruheſtätte. Der Unter⸗ zeichnete legte mit einer Anſprache einen Kranz namens des Lehrerkollegiums nieder.

Sehr ſchmerzlich wurde das geſamte Lehrerkollegium berührt durch die Bekanntmachung Großh. Miniſteriums des Innern vom 22. 10. 08, in der den ſeminariſtiſch gebildeten Lehrern an denhöheren Schulen der AmtstitelReallehrer verliehen wurde, da in der Aufzählung dieſer Schulen zwar die Blinden- und Taubſtummenanſtalten, nicht aber diehöheren Bürger⸗ ſchulen zu finden ſind. Angeſichts der recht ſchwierigen Stellung der höheren Bürgerſchulen muß dieſe offenkundige Zurückſetzung aufs tiefſte bedauert werden.

2) Prüfungen, Beſichtigungen. Am 11. 3. 08 fand eine Viſitation des iſraelitiſchen Religionsunterrichtes durch Herrn Oberrabbiner Dr. Marr ſtatt.

Am 29. 5. 08 wohnte Herr Oberſchulrat Block dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei.

Vom 9. 2. bis 12. 2. 09 ſchrieben die Abiturienten die Prüfungsarbeiten. Die mündliche Abſchlußprüfung wurde am 27. 2. 080 unter dem Vorſitze des Herrn Oberſchulrat Block abgehalten.

Veranlaßt durch Min.⸗Verf. vom 13. 1. 08 wurden im Mai 08 mehrere Feueralarm⸗ proben veranſtaltet. Die Entleerung des Hauſes war in ¼ 1 ½ Minuten beendet.

3) Vom Schulbetriebe. Durch Einfügung zweier Turnſtunden und 1 Singſtunde wären die Mädchen der Oberklaſſen mit Stunden zu ſehr überlaſtet worden. Mit Genehmigung Großb.