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Herrn Niegisch. Der schon in den letzten Jahren häufige Wechsel im Lehrerkollegium fand auch im Schuljahre 1911 kein Ende, sondern wurde nochgrösser. Es ist kaum nötig zu bemerken, dass ein so häufiger Wechsel im Lehrerkollegium der Anstalt nicht zum Segen gereichen kann, und es steht zu hoffen, dass mit dem 1913 beginnenden Ausbau der Realschule zur Vollanstalt auch eine grössere Stetigkeit im Lehrerkollegium eintreten möge.
Am 24 Mai wurden die Schulausflüge der einzelnen Klassen unter Führung ihrer Klassenleiter unternommen, die sich auf die nähere oder weitere Umgebung von Cottbus erstreckten. Nur die beiden obersten Parallelklassen machten eine zweitägige Wanderung durch das Riesen- gebirge unter der Führung ihrer Klassenleiter und der Teilnanme des Herrn Direktors Dr. Ruchhöft und des Herrn Prof. Koch.
Der grossen FHiitze wegen musste der Unterricht im Laufe des Sommersemesters mehrfach gekürzt werden, indem die letzte oder auch die beiden letzten Vormittagsstunden in Fortfall kamen. An den heissen Tagen trat an die Stelle des Turnunterrichts mitunter ein gemeinsamer Besuch der städtischen Badeanstalt; im Winter wurde während der Kälteperiode als Ersatz des Turnunterrichts öfter der Eissport ausgeübt.
Der Gesundheitszustand unserer Schüler war im Schuljahre 1911 befriedigend. Doch hatte die Anstalt den Tod eines lieben und hoffnungsvollen Schülers zu beklagen. Am 27. August starb der Schüler der zweiten Klasse Müller aus Neu-Welzow an einer Blut- vergiftung. Die Schule nahm herzlichen Anteil an dem grossen und gerechten Schmerze der Eltern; seine Klassengenossen gaben unter der Führung der Herren Prof. Hielscher und Oberlehrer Völkner dem Entschlafenen in Neu-Welzow das letzte Geleit.
Einen sehr schweren Verlust, ja den schwersten, den eine Schule erleiden kann, erlitt unsere Anstalt am Dienstag den 1. August in der letzten Woche der Sommerferien. Herr Direktor Dr. Ruchhöft, der langjährige Leiter unserer Realschule, fiel am Ostseestrande in Warne- münde, wo er von dem anstrengenden Schuldienste Erholung suchte, einem jähen Unglücks- falle zum Opfer. Seine Beisetzung fand noch innerhalb der Ferien am 5. August in Cottbus auf dem Nordfriedhofe statt. Die überaus grosse Beteiligung aus allen Kreisen der Bürger- schaft und die wohltuende Teilnahme zahlreicher früherer Schüler zeigte, welche Achtung und Beliebtheit der so plötzlich Dahingeraffte genoss. Die Schüler und Lehrer, soweit sie schon in Cottbus anwesend waren, gaben dem Entschlafenen das letzte Geleit zum Grabe. Nachdem sich zunächst Herr Pastor Penitzka in seiner Ansprache im besonderen an die Familie des Verstorbenen gewendet hatte, würdigte Herr Superintendent Kuhnert dessen Wirken im Dienste der Schule, der Stadt und auch der Kirche. Vom Schülerchor der Anstalt wurden mehrere Grabgesänge vorgetragen. Am 14. August wurde für den entschlafenen Direktor eine Ge- dächtnisfeier in der Aula der Realschule veranstaltet. Es nahmen daran ausser seiner Familie und der ganzen Hauptanstalt die städtischen Behörden und zahlreiche Freunde teil. Die Feier begann mit dem Choral:„Wer weiss, wie nahe mir mein Ende?“ Darauf hielt Herr Oberlehrer Kahlow eine Andacht im Anschluss an das Wort Römer 8,28. Nach einem zweiten vierstimmigen Gesange des Schülerchors:„Wie sie so sanft ruhen“, nahm der Unterzeichnete das Wort zu seiner Gedächtnisrede. Er suchte darin den Schülern ein Lebensbild ihres ver- storbenen Direktors zu geben und seinen Verdiensten um die Förderung der Schule gerecht zu werden. Mit dem Chorgesang:„Verlass mich nicht!“ schloss die ernste Feier.
Ein tragisches Geschick wollte es, dass die Ostsee, die er so sehr liebte, an deren Ufern er geboren war und den grössten Teil seines Lebens zugebracht hatte, und die er möglichst alljährlich aufsuchte, um dort neue Kraft für seine Berufsarbeit zu sammeln, auch sein Grab wurde! Sein Ziel, dem der arbeitsfreudige Mann unablässig zustrebte, die Realschule zur Vollanstalt aus- zugestalten, sollte er nicht mehr erreichen! Was er der Schule, die er mehr als 12 Jahre kraft- voll geleitet hat, gewesen ist, was er in ihrem Dienste wie im Dienste der Stadt und der Kirche geleistet hat, gehört der Geschichte unserer Anstalt an und ist mit ihr eng verknüpft. Wir aber, Schüler und Lehrer, werden dem zu früh dahingeschiedenen Manne, dessen zielbewusstes, gerechtes und liebenswürdiges Wesen, dessen hervoörragende Lehrtüchtigkeit und stete Hiilfs- bereitschaft uns allen vor Augen stehen, in unserem Herzen ein bleibendes Andenken bewahren.
Mit der Führung der Amtsgeschäfte des Direktors wurde vom Königlichen Provinzial- Schulkollegium vom 8. August ab der Berichterstatter beauftragt, der schon während der Sommerferien sein Vertreter gewesen war. Da für diesen eine Ermässigung in der Pflicht- stundenanzahl geboten schien und noch die 12 Stunden zu decken waren, die Herr Direktor


