— 16=—
zu machen. Die Sorge, es werde die längere Dauer und der häufigere Wechsel des Unterrichts am Vormittage auf die Schüler ermüdend wirken, wurde weder durch die Beobachtungen der Lehrer in der Klasse, noch durch die der Eltern zu Hause bestätigt. Vielmehr erschien uns die Aufmerksamkeit der Knaben in der Kurzstunde reger und ihre Teilnahme sogar in der sechsten Lektion von der 1. bis zur 45. Minute frischer als früher in den Vollstunden des späteren Vormittages oder gar des Nachmittages. Jedenfalls wurden die Lehraufgaben des Sommers in den Kurzstunden vollständig und rechtzeitig erledigt. Ebenso wenig beobachtete das Elternhaus einen ungünstigen Einfluss der verkürzten Unterrichtszeit, denn eine Rundfrage bei den Vätern der einheimischen und den Pensionshaltern der auswärtigen Schüler wurde folgendermassen beantwortet:
Fragen Ja Nein Unbestimmt 1. Ermüdung 1 452 4 2. Störung des Haushaltes 81 423 3 3. Günstige Beeinflussung der Schüler 434 13 4 4. Wunsch nach Rückkehr 11 443 3
zur früheren Ordnung
Danach waren nur 1,1 vom Hundert der Eltern der Ansicht, dass die Kinder durch sechs Kurzstunden stärker ermüdet worden seien als durch fünf Vollstunden, nur 7 ½ v. H. hatten den späteren Schulschluss als Störung des Haushaltes empfunden; nur 4%⅜ v. H. ver- neinten einen günstigen Einfluss des blossen Vormittags-Unterrichts auf die Anfertigung der häuslichen Arbeiten und die Erholung des Schülers, und nur 3% v. H. wünschten die Rück- kehr zur früheren Ordnung.
Die Rücksicht indes auf die mit uns unter einem Dache wohnende Knaben-Mittel- schule, die sich der neuen Ordnung mit ihrem Stundenplan nicht anzupassen vermochte, gebot neben anderen Gründen, den Versuch nicht über das Sommerhalbjahr hinaus fortzusetzen.
Die Lehrertabelle für das Winterhalbjahr wurde in den Kassen IB, IIB und IVB ab- geändert, um dem Direktor besondere Studien bezüglich der Theorie und Praxis des mathematischen Unterrichts zu erleichtern. Seine Vertretung, deren Kosten das Patronat bereit gestellt hatte, übernahmen freundlichst die Herren Prof. Koch und Oberlehrer Wächter.
jener machte während der Ferbstferien eine naturwissenschaftliche Studienreise nach Frankfurt a. M., während Herr Vorschullehrer Kunert schon in den Osterferien an dem Berliner Schulturn-Kursus teilgenommen hatte. Wie in diesen beiden Fällen so waren auch für die Teilnahnme an einem kunstgeschichtlichen Ferienkursus in Dresden Reise- und Tage- gelder vom Magistrat zur Verfügung gestellt, der Fachlehrer wurde jedoch dieses Mal nicht einberufen. Die Neusprachler empfingen viele und dankenswerte Anregung aus den Vorträgen des Frl. Evelyne Heepe-London am 9. September und des Herrn René Delbost-Paris am 20. Oktober. Beide hatten die grosse Güte, nahezu einen ganzen Tag hier zu verweilen und sich ebenso vor den Rezitationen wie nachher stundenlang den Neuphilologen zu widmen und mit ihnen zu plaudern. Die Schüler waren naturgemäss nur zu den in der Klasse vor- bereiteten Rezitationen zugelassen. Wie üblich nahmen auch die oberen Klassen des König- lichen Gymnasiums und der Städtischen Augusta-Schule nebst zahlreichen Freunden der fremden ldiome aus der Bürgerschaft daran teil, während der Vortrag des Rezitators Herrn M. Schwartz- Halle auf die oberen und mittleren Klassen der Realschule beschränkt blieb. Die Mittel für all diese Veranstaltungen waren im Etat der Anstalt vorgesehen.
Zusammen mit dem Bericht über solche ästhetischen Bestrebungen, die wir seit mehreren Jahren gern pflegen, sei der Freude der Lehrer und Schüler über die Eröffnung des Stadt- Theaters Ausdruck gegeben. Zu der Einweihungsfeier und Festvorstellung, Wallensteins Lager, am 1. Oktober hatte der Magistrat den Berichterstatter eingeladen und ihm vier Eintrittskarten


