Jahrgang 
1907
Einzelbild herunterladen

19

erstatter im Auftrage des Magistrats im Mai eine zwölftägige Studienreise, die ihn nach Berlin und Vororten, nach Magdeburg und Braunschweig in alle Arten der höheren Schulen führte. Anfang Dezember aber wurde den Stadtverordneten eine Denkschrift des Herrn Oberbürger- meisters Werner übermittelt, worin die für den Ausbau zur Vollanstalt wichtigen Gesichts- punkte dargelegt waren, und am 11. Dezember wurde der endgiltige Beschluss mit allen gegen eine Stimme gefasst.

Auf den Besuch der Anstalt scheint er übrigens schon jetzt seinen Einfluss geltend zu machen, da, nach den für Ostern 1908 vorliegenden Anmeldungen zu schliessen, die Schülerzahl in Sexta 110 überschreiten und die Errichtung einer dritten Abteilung VIc not- wendig machen dürfte; auch ist die Oster-Aufnahme in die dritte Vorschuldoppelklasse weit zahlreicher als der Durchschnitt des letzten Jahrzehnts.

Am 9. April 1907 wurde das Schuljahr in herkömmlicher Weise eröffnet. Der technische Hilfslehrer Herr Paul Noack wurde nach dreijähriger Tätigkeit als Vorschullehrer an die Anstalt berufen.

Der regelmässige Gang des Unterrichts erlitt durch Erkrankungen unter den Schülern, die besonders häufig in der Grundklasse waren, sowohl im Sommer wie im Winter Störungen. Hinzu kamen Unterbrechungen bis zu drei Wochen durch Erkrankungen einzelner Lehrer.

Im Anschluss an die Sommerferien war Herr Oberlehrer Dr. Wächter zu einer Studien- reise nach Lüttich beurlaubt, wozu das Patronat ein Stipendium aus den Mitteln des Etats bewilligt hatte.

Das Sedanfest wurde durch einen Ausflug der oberen Klassen nach Burg im Spree- wald gefeiert. Hier wurde unter dem Laubdach der Bäume auf grünem Rasen gerastet und gespielt, dann traten die Chorsänger im Kreise der Mitschüler an, sie trugen patriotische Lieder vor, Herr Oberlehrer Dr. Wächter hielt die Festrede, und gemeinsamer Gesang schloss die Feier. Gegen 5 Uhr am Nachmittag brachte die Spreewaldbahn Lehrer und Schüler zurück.

Die schriftlichen Arbeiten für die Schlussprüfung wurden vom 11. bis 14. September angefertigt.

Während der Herbstferien nahm Herr Vorschullehrer Kunert an den Beratungen des Turnlehrer-Vereins der Provinz Brandenburg teil. Das Patronat hatte ihm dazu Reisekosten und Tagegelder zur Verfügung gestellt.

Am 1. Oktober wurde Herr Dr. Heinrich, der seit Herbst 1906 der Schule als wissen- schaftlicher Hilfslehrer überwiesen war, als Oberlehrer bestätigt und eingeführt.

Am 25. Oktober wurde die Schulkommunion in der Oberkirche, und am 31. wurde das Reformationsfest in demselben Gotteshause unter Mitwirkung des Schülerchors gefeiert. Für den Gustav Adolf-Verein wurden 48,12 als Ergebnis einer Sammlung in den Klassen abgeführt.

Am 13. Dezember Abend um 8 Uhr fand die vom Gesanglehrer vorbereitete Auf- führung zu Gunsten der Schüler-Unterstützungs-Kasse statt. Ihr lag die Erzählung einer Weihnachtsfeier aus dem Leben des Ehrenbürgers der Stadt Cottbus, des Herrn Wilhelm Riedel in Berlin, zu Grunde. In die Deklamation waren Weihnachtslieder des Schülerchors, die von Klavier und Geigen begleitet wurden, verflochten.

Am 15. Januar 1908 trug Frl. Evelyne Heepe aus London Gedichte und Prosastücke in ihrer Muttersprache frei vor. Die Klassen l und II, die Herr Oberlehrer Dr. Weiske vor- bereitet hatte, die oberen Klassen des Köngl. Gymnasiums und der Augusta-Schule nebst Freunden des fremden Idioms aus Cottbus und Lübben waren dazu in unsere Aula gekommen. Die Kosten des Vortrages wurden aus den vom Patronat bereit gestellten Mitteln bestritten.

Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs vereinte am 27. Januar um 11 Uhr Vormittag die Schulgemeinde mit den Vertretern der städtischen Behörden und den Eltern der Schüler zu einer Feier in der Aula. Gesang und Deklamation umrahmten und waren eingefügt in die Festrede des Herrn Oberlehrers Dr. Heinrich über das deutsche Lied.

Die schriftlichen Arbeiten für die zweite Schlussprüfung des Schuljahres wurden vom 26. bis 29. Februar angefertigt, und das mündliche Examen wurde am 26. März unter dem Vorsitz des Königl. Provinzialschulrats Herrn Dr. Klatt aus Berlin abgehalten. Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Genz, der das Dezernat über die Angelegenheiten der Schule zehn Jahre lang verwaltet hatte, gab es im Januar ab. Das Gefühl aber der Dankbarkeit und Verehrung für den wohlwollenden Vorgesetzten und gütigen Berater dauert im Lehrerkollegium un-