Jahrgang 
1834
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Menſchen, welche dereinſt das Salz ¹) des chriſtlichen Volkes werden ſollen, die Vor⸗ bilder der Gottesverehrung im Geiſte und in der Wahrheit, welche das Eine iſt, was noth thut, das Eine, wohin alles Leben, alle Kunſt und Wiſſenſchaft abzweckt: ich aber werde heute denjenigen Männern beigeſellt, welche Euch, geliebte Jünglinge und Knaben, dieſem großen Ziele zuzuführen geordnet ſind. Ich ſtehe alſo im Begriff auf Euer Wohl und Wehe auf das entſcheidendſte einzuwirken, auf Euer zeitliches und ewiges Wohl und Wehe einzuwirken durch das unſcheinbarſte und doch gewaltigſte aller Mittel, durch das Wort.

So wie die Speiſe den Körper nährt und in ſein Weſen übergeht, ſo nährt in⸗ ſonderheit das Wort den Geiſt und geht über in ſein Weſen; wie denn der ganze Menſch als ein Kind der Geſchichte erſcheint, als das Reſultat der freien Nothwendig⸗ keit, der einzelne ſowohl als ganze Völker und Zeiten. Wie viel urſprünglich in uns liegt, wie viel in uns von uns ſelbſt erzeugt wird, ermißt kein Endlicher. Wir erken⸗ nen durch die Thatſache des Bewußtſeyns, daß wir zwar mit Freiheit unſer Selbſt er⸗ ſchaffen und auferziehn; aber den Bauſtoff zu dieſem Gebäude ſcheinen wir durchaus von außen her aufzunehmen, und dies namentlich durch das Wort.

Das Wort iſt der Geiſt, und der Geiſt das Wort; was der Menſch denkt und empfindet, das iſt des Menſchen Selbſt, und wie er denkt und empfindet, ſo lebt er, ſo handelt er. Denn, wie der Heiland ſagt, aus der Fülle des Herzens ſpricht der Mund, und an ihren Früchten ſollen wir die falſchen Propheten erkennen.

Durch das Wort wird unſer Inneres gefüllt, gerichtet, beſtimmt, und wir ſtehen ebenſo unter dem unwiderſtehlichen Einfluſſe des Wortes, als unſer Körper unter dem der uns umgebenden Atmoſphäre, welche wir einathmen, ſo daß unſer Geiſt, um mit dem Venuſiner zu reden, wächſt wie ein Baum in verborgener Zeitt er gleicht einer Kette, an welche das Wort, ſo lange der Menſch lebt, immer neue Glieder an⸗ ſetzt. Selbſt das gemißbilligte, faſt überhörte, das unbedeutende Wort reihet ein ſol⸗ ches Glied an, und iſt ein Saamenkörnlein, welches ſich auf dem Acker uyſerer Seele zu reicher Gedankenſaat vervielfältigt.

Kaum hat das Wort den Geiſt berührt, ſo ſind durch daſſelbe zahlloſe Ideenver⸗ knüpfungen angeſtoßen, wodurch unſer Inneres eine Veränderung erleidet; immer dehnt

C t) Ev. Matth. 5, 13.