Zweiter Abſchnitt. Chronik der Anſtalt.
Das verfloſſene Schuljahr wurde am 5. October 1846 in üblicher Weiſe eröffnet und, obwol ni ohne fühlbare Störungen, insbeſondere während des Winter⸗Semeſters, in Folge mehrſeitigen u uiſe und anhaltender Krankheitserſcheinungen im Kreiſe des Lehrercollegiums, mit Gottes Hülfe ſeinem regel⸗ mäßigen Abſchluſſe zugeführt.
Am ſchwerſten wurde der Oberlehrer Herr Graff mit ſeiner. Familie betroffen, der auf einer Erholungsreiſe abermals erkrankte und, nach dreimonatlicher Abweſenheit(vom 5. October 1846) erſt am 3. Januar 1847 hierher zurückkehren und ſeine amtlichen Functionen übernehmen konnte.
Die unter den vorbemerkten Verhältniſſen erforderlichen Vertretungen wurden von den betreffenden Collegen, wie von dem Schulamts-⸗Candidaten Guſtav Herr, der zur vorſchriftsmäßigen Abhaltung ſeines Probejahres zu Anfange des Winter⸗Semeſters eingetreten war, mit Bereitwilligkeit übernommen.
Noch während der Herbſtferien, war gegen das Ende des Monats September der Königliche Ober⸗ präſident der Rheinprovinz, Herr Eichmann, in hieſiger Stadt eingetroffen. Hochderſelbe hatte die Ge⸗ wogenheit, auch den Intereſſen des Gymnaſiums ſeine beſondere Aufmerkſamkeit zuzuwenden und namentlich am 28. des gedachten Monats die zur Anſtalt gehörigen Räume in Augenſchein zu nehmen.
Die Geburtstagsfeier Sr. Majeſtät des Königs wurde am 15. October 1846 Vormittags 10 Uhr von Seiten der Anſtalt öffentlich begangen. Choralgeſang und Gebet, geſprochen von dem Religionslehrer, Herrn Profeſſor Dr. Schirlitz, eröffnete die Feier. Darauf hielten einzelne Schüler die nachſtehend näher bezeichneten Vorträge: Otto Weinmann, Ober⸗Primaner: Ueber die Segnungen des Friedens.(Eigne Arbeit.) Die Ober⸗Quintaner: Friedrich Brauneck: Friedrich Barbaroſſa, von Fr. Rückert; Friedrich Büdenbender: Deutſcher Troſt, von M. Arndt; die Quartaner: Friedrich Hinckel: Soldatenmorgenlied, von M. v. Schenkendorf; Carl Nispel: St. Menrad, von Chr. Schmidt; die Tertianer: Franz Lauer: Der große Churfürſt, von Wagner; Robert Lambert: Der Preuße in Liſſabon, von C. v. Holtei; die Unter⸗Secundaner: Au guſt von Arnim: Preußenlied, Heinrich Fitzki: Ode auf König Friedrich Wilhelm IV. Die Feſtrede des Gymnaſiallehrers Hrn. Herr:„Ueber die Erziehung des Menſchen in ſeinen erſten Lebensjahren“, an welche ſich ein dreimaliges, Sr. Majeſtät dem König dargebrachtes„Lebehoch“, nebſt dem„Königsliede“ anreihte, ſchloß die vaterländiſche Schulfeier.
Die Turnübungen wurden unter der Leitung des Oberjägers Thr un vom 31. Mai an in der bereits früher angegebenen Weiſe(ſ. d. Programm d. J. 1844 S. 30) regelmäßig betrieben. Ebenſo war auch die Schwimm- und Badeanſtalt für diejenigen Schüler, welche daran Theil nahmen, vom 3. Juni an zu den beſtimmten Tagesſtunden eröffnet.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war während der beiden Semeſter des verfloſſenen Schuljahrs leider fortwährend mehrfachen Wechſelfällen ausgeſetzt.— Drei liebe Schüler, welche zu frohen Hoffnungen berechtigten, wurden von ihrem irdiſchen Tagewerke durch einen frühen Tod abgerufen. Am 26. November 1846 Morgens 4 Uhr ſtarb der Ober⸗Secundaner Johannes Raab, aus Wetzlar, 16 ½ Jahr alt, am gaſtriſchen Nervenfieber. Die Anſtalt geleitete den Entſchlafenen am 28. d. M. Morgens


