Jahrgang 
1900
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Auch heut' ist solch ein Ehrentag erschienen, Die Schule, die euch allen Mutter war, Und der ihr zugeströmt gleich ems'gen Bienen, Sie steht gegründet schon einhundert Jahr. Welch eine Zeit! wie reich an Wechselfällen! Wie viel bedeutet sie für Stadt und Land, Wie folgten trübe Tage oft den hellen, Und Glück hat oft in Unglück sich gewandt.

Doch heute stehen wir auf sich'rem Grunde, Da schweres Mühen uns das Reich verschafft, Die deutschen Stämme sind in festem Bunde, Und unser Volk erfreut sich seiner Kraft.

Im Schatten eines mächtgen Königsthrones, Beschirmt von ihm, die Wissenschaft gedeiht, Und gein strebt jeder, sicher seines Lohnes,

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Da wir verweilt in trauerndem Gedenken Bei jenen Lieben, die nun nicht mehr sind, Lasst uns den Blick ins Leben wieder lenken, Da uns die Parze noch den Faden spinnt!

Denn wenn die Schule auch auf ernstes Streben Uns treulich hinlenkt, stille, Tag für Tag, Nicht abhold sind wir doch dem farb'gen Leben, Für das sie einst uns tüchtig machen mag.

Wir zeigen euch in lebensvollen Bildern Die ferne Zeit, da unser Volk noch jung, Sein geistig Werden wollen wir euch schildern. Und wecken grosser Zeit Erinnerung. Ein Abbild wollen wir von unserm Streben, Das jedes Volk mit gleicher Lieb' umfasst, Und eine Probe unseres Mühens geben,

Sich werth zu machen dieser grossen Zeit. 2 Die leichte Frucht von langer Tage Last.

Ja, lasst in diesen hehren Augenblicken Durchströmen euch von stolzem Hochgefühl, Und nehmt von solchen Vaterlandsgeschicken Euch hohen Trost hinweg in's Weltgewühl. Doch ach nicht alle frouten sich des Sieges, Wir denken trauernd jedes Braven heut, Der nicht der Früchte sich des grossen Krieges Zu früh gefordert von der Parzo freut. (Hier setzte ein Trauerchor der Schüler ein.)

So schreite frisch ins kommende Jahrhundert Die Schule denn, ins neue Säkulum, Und was Geschlecht schon auf Geschlecht bewundert, Der Griechen kunstverklärtes Menschenthum, Der Römer Selbstzucht, alles Schöne, Grosse, Das uns geschenkt die Besten jeder Zeit, Was nur entsprang der Völker reichem Schoosse, Dem sei auch künftig unser Fleiss geweiht!

Heil uns'rer Schule, der so viel wir danken, Dice uns entflammt zu jedem hohen Drang, An der wir fest für alle Zeit uns ranken, Und die wir lieben unser Leben lang. Heil uns'rem König, der mit reicher Spende Bestand ihr giebt und ihr gewährt ihr Theil, Dass nochmals einst sie des Jahrhunderts Wende Erreichen möge, rufet alle Heil!

Es folgte der Vortrag einer Ode des Horaz(III, 4: Quem tu, Melpomene, semel) durch E. Splittgerber(O I), einer Stelle aus Oedipus Koloneus(1. Stasimon: HOmππ% Sνε, 1080* 76οας) durch H. Sames und O. Friederich(O l), beides mit nachfolgender Übertragung in die Muttersprache, des Liedes vom Rhein von M. v. Schenkendorf(Es klingt ein heller Klang) durch den Schülergesangchor, einer längeren Stelle aus Corneille, Cid(I, 3 6) durch W. Neumann(I), G. Nitschke und O. Schmidtborn(O II) und einer Kantate von Mendelssohn-Bartholdy für gemisch- ten Chor und Orchester. Darnach sang Herr Opernsänger O. Wilhelmi aus Königsberg, ein frühe- rer Schüler der Anstalt, eine Arie aus der Schöpfung von J. Haydn. Dem Sänger, dem der rau- schende Beifall der Zuhörer zuteil wurde, sei auch an dieser Stelle für die schöne der Jubilarin in treuer Anhänglichkeit dargebotene Festgabe bestens gedankt,