3 Fbersicht der Unterrichtsgegenstände in dem Schuljahr 1894 95. PHrim a.
Klassenlehrer: Der Direktor.
1. Religionslehre: a. Evang. 2 St.: Kirchengeschichte unter Beschränkung auf die für die kirchlich religiöse Bildung unmittelbar bedeutsamen Stoffe. Hülfsbuch von Hollenberg. Evange- lium nach Johannes. Abschnitte aus dem Galaterbrief, den Johanneischen Briefen, dem zweiten Korintherbrief, dem Ebräerbrief, stellenweise unter Heranziehung des Urtextes. Luthers Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung mit Auswahl. Neuber.
b. Kathol 2 St.: Prima und Sekunda vereinigt. Begründung des katholischen Glaubens (Apologetik): Die Lehre von der natürlichen Religion, von der göttlichen Offenbarung und den Offenbarungsstufen; die Lehre von der Kirche, von den Quellen des katholischen Glaubens und von der katholischen Glaubensregel, nach dem Lehrbuche von Dreher. Wiederholung der wich- tigsten Gegenstände aus den Lehraufgaben der früheren Klassen. Im S. Bender, im W. Neyses.
2. Deutsch 3 St: Fünf häusliche und drei Klassenaufsätze. Lebensbilder Goethes und Schillers, ihrer berühmtesten Zeitgenossen und bedeutenderer neuerer Dichter. Einiges aus Schil- lers Abhandlung über naive und sentimentalische Dichtung. Wallensteins Tod. Auswahl aus der Hamburgischen Dramaturgie. Im Anschluss daran Shakespeares Macbeth. Richard III. Privatim: Julius Cäsar. Coriolan. Auswahl aus Wahrheit und Dichtung(besonders der Aufenthalt in Strass- burg). Vorträge im Anschluss an die bezeichnete Privat- und Klassenlektüre. Lesebuch von Worbs. Neuber.
Deutsche Aufsätze: 1. Welchen verschiedenen Ausserungen menschlichen Selbstgefühls begegnen wir in Schillers»Wallensteins Lager«? 2. Wodurch wurde Goethe während seines Aufenthaltes in Leipzig als Dichter ge- fördert? 3. Klassenaufsatz: Welche Erinnerungen erweckt in uns die Betrachtung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald? 4.»Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, Befreit der Menech sich, der sich überwindet.« (Goethe»die Geheimnisse«).—(Erklärung und Veranschaulichung an Beispielen aus den alten griechischen und deutschen Volksepen.) 5. a) Wie haben wir Wallensteins Glauben an die Sterne aufzufassen? b) Welche Vorstellung haben wir mit dem Begriff»Schicksal« in Schillers Wallenstein zu verbinden? 6. Klassenaufsatz: Erfüllt uns Octavio Piccolomini mit Abscheu? 7. a) Unterprima: Die Monologe in Shakespeares Macbeth in ihrer Bedeutung für die Eutwicklung der Charaktere und der Handlung. b) Oberprima: Die Versuchung Macbeths zur bösen That in ihrem allmählichen Verlauf. 8. Klassenarbeit in Unterprima: Viel' Feind', viel Ehr'! Erklärung(Einschränkung) und Begründung nebst Veranschaulichung. Aufsatz für die Reifeprüfung: Verschiedene Erscheinungsformen der Selbstsucht, zu veranschaulichen an Beispielen aus Schillers Wallenstein.
3. Lateinisch: 6 St. Lektüre 5 St. Tacitus Annalen I, II mit Auswahl. Cicero in Verrem IV. Horatius carm. III, IV, epistul. mit Auswahl. UÜbungen im unvorbereiteten Übersetzen. Auswen- diglernen von 4 Oden. Alle 14 Tage eine Übersetzung ins Lateinische im Anschluss an Gelese- nes abwechselnd als Klassen- und als Hausarbeit; daneben alle 6 Wochen eine UÜbersetzung ins Deutsche als Klassenarbeit. In jedem Tertial eine deutsche Ausarbeitung über einen durchgenom- menen Abschnitt der Lektüre in der Klasse. Gelegentlich eine lateinische Inhaltsangabe zur Ver- arbeitung des Gelesenen schriftlich. Grammatische und stilistische Wiederholungen 1 St. Hänisch.
4. Griechisch 6 St.: Plato Apologie. Thukydides I, II mit Auswahl. Homer Ilias VII—IX, XV— XVII; privatim: Buch XVIII. Sophokles Antigone. Auswendiglernen geeigneter Stellen. Schriftliche Ubersetzungen aus dem Griechischen alle vier Wochen. In jedem Tertial eine deutsche


