III. Chronik des Gymnasiums.
Der Unterricht im laufenden Schuljahre begann am Montag den 9. April 1883, nachdem in der Woche vorher die Anmeldungen und Aufnahmeprüfungen statt gefunden hatten. Die endgültige Durchführung der revidierten Lehrpläne, welche für diesen Termin angeordnet war, machte eine voll- ständige Trennung der im vorigen Jahre nur in der Mathematik getrennten, früher überhaupt ver- einigten beiden Abteilungen der Tertia, also die Einrichtung einer neuen Klasse, erforderlich; Ober- und Unter-Tertia sind jetzt nur noch in den Religionsstunden und in der Naturbeschreibung kombi- niert, wie sich aus den Tabellen auf S. 23 und 24 ergiebt. Aus der dadurch herbeigeführten Ver- mehrung der Zahl der Unterrichtsstunden ergab sich die Notwendigkeit der Einrichtung einer neuen wissenschaftlichen Hülfslehrerstelle, welche dem Dr. Joseph Aymeric aus Druͤlhe in Frankreich, welcher bis dahin an der Universität Bonn beschäftigt war, übertragen wurde. Derselbe wird uns zu unserm Bedauern schon Ostern wieder verlassen, um eine Stelle an der Handelslehranstalt in Leipzig anzutreten.
Im Laufe des Sommers ist, in Ausführung der Ministerialverfügung über die Jugendspiele, an einzelnen Nachmittagen der ÜUnterricht aasgesetzt, um die Möglichkeit zu gewinnen, ohne neue Ueberbürdung der Jugend Zeit zur Betreibung der angeordneten Bewegungsspiele zu geben. Die eigentlichen Turnübungen mit den Turnspielen in Verbindung zu setzen und eine angemessene Ab- wechselung zwischen Arbeit und Erholung herbeizuführen, war nicht ausführbar, da Turnhalle und Turnplatz von einander getrennt liegen, der letztere auch seines geringen Umfangs und seiner Lage wegen sich nicht besonders zum Spielplatz für Bewegungsspiele eignet. Wir haben daher andere in weiterer Entfernung liegende Plätze aufsuchen müssen. Zu einer engeren Konferenz, deren Thä- tigkeit sich auf die Beratung über die Betreibung der Bewegungsspiele, Turnfahrten, Spaziergänge u. s. w. erstreckt, sind mit dem Director die Kollegen Dr. Fehrs, Dr. Haenisch, Dr. Glaser und Dr. Reuss(ersterer und letzterer zugleich Turnlehrer) zusammengetreten.
Am 15. Juni wurde eine Turnfahrt nach dem bei Giessen gelegenen Schiffenberg gemacht. Die sonst übliche Feier des Gedenktages der Leipziger Völkerschlacht und des Geburtstages Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reichs durch einen gemeinsamen Ausflug wurde auch dies Mal durch die Ungunst des Wetters vereitelt.
Kurz vor den Herbstferien wurde der Schulamts-Kandidat G. Schlabach aus Wetzlar der hiesigen Anstalt als Cand prob. überwiesen; vom 1. Oktober ab wurde derselbe zur Ableistung seiner nüilitärischeu Dienstpflicht auf 1 Jahr beurlaubt.
Die Herbstferien dauerten vom 19. August bis 23. September. Mit Beginn des Winter- semesters wurde der Kand. des höheren Schulamts Dr Napp aus PFlberfeld der hiesigen Anstalt zur Beschäftigung in einigen Unterrichtsstunden überwiesen; er hat auch ausserdem in dankenswerter Weise Aushülfe geleistet.
An dem vierhundertjährigen Gedächtnistage Dr. Martin Luthers, dem 10. November 1883, fand in der Aula des Gymnasiums eine öffentliche Schulfeier statt; die Festrede hielt Gymna- siallehrer Dr. Todt, der Schülerchor sang»Eine feste Burg ist unser Gott« vierstimmig nach Bach, sowie»Verleih' uns Frieden gnädiglich« von F. Mendelssohn-Bartholdy.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December 1883 bis zum 6. Januar 1884.


