Terenz im Verhältnis zu seinen griechischen Originalen.
Teren⸗ hat seine sämtlichen Komoedien nach griechischen Vorlagen gedichtet. Als solche dienten ihm Komoedien des Menander aus Athen, des Apollodoros aus Karystos und des Diphilos aus Sinope. Doch hauptsächlich schöpfte er aus Menander, dem er ausschliesslich nachgedichtet hat in der Andria, einer Contamination ¹) der Andria und der Perinthia(vgl. Andr. Prol. 9 u. 13 ff.), in dem Eunuchus, einer Contamination des Eunuchus und des Kolax(vgl. Eun. Prol. 20 u. 30 ff. Donat z. Eun. 228.), in dem Heautontimorumenos(vgl. die Didaskalie u. Prol. 4.), in den Adelphi bis auf einen kleinen Teil, der einem Stücke des Diphilos entnommen ist(vgl. Ad. Prol. 6 ff.). Dass der Phormio eine Nachbildung des Enldομ⁵μεos des Apollodoros ist, berichtet die Didaskalie und be- stätigt Donatus in der praef. in Phorm. Zweifelhaft ist es, ob die Hecyra einer Komoedie des Apollodor oder einer solchen des Menander nachgedichtet ist. ²)
Von dem römischen Dichter, dessen Werke nur Nachbildungen sind, sagt Horaz ep. 2, 1, 59: (Dicitur) Terentius vincere arte. Wie müssen wir uns diese Kunst des Terenz denken? In welchem Verhältnis steht er zu seinen Originalen, dass man von einer Kunst des Dichters reden kann? Diese Frage soll hier erörtert werden, und zwar handeln wir in einem ersten Teile von der Anlage der Stücke des Terenz, besonders der contaminierten. In einem zweiten Teile soll von der Kunst des Dichters die Rede sein, insofern er es versteht, griechische Verhältnisse einem römischen Publikum
anschaulich und verständlich zu machen.
¹) Ueber die Bedeutung von contaminare, contaminatio handelte zuerst ausführlich Grauert, hist. u. philol. Analekten. Münster 1833, p. 118 ff. contaminare, contagminare aus con u. dem Stamme tag heisst eigentlich ver- mischen, mit dem Nebenbegriff, dass durch die Vermischung etwas Schlechteres entsteht. Es scheint ein von den Gegnern des Dichters erfundenes Witzwort zu sein. Der contaminata comoedia stellt Terenz gewissermassen gegen- über die integra comoedia, als letztere bezeichnet er den Heautontimorumenos(Prol. 4). ²) Donat, praef. i. Hec.: haec fabula Apollodori Graeca; nam et ipsa et Phormio ab eodem dicuntur esse translatae, cum reliquae quattuor sint Menandri. Dagegen die Didaskalie des cod. A: Graeca Menandru. Was hier das Richtige ist, dürfte schwerlich mit einiger Sicherheit zu ermitteln sein. Vgl. Dziatzko i. Rhein. Mus. 21. Jahrg. S. 76, der sich für Apollodoros ent- scheidet, indem er annimmt, dass schon der Schreiber des cod. A die Didaskalie lückenhaft in Bezug auf den Namen des griech. Dichters vorfand und nach Analogie von 4 anderen Didaskalieen Menandru hinzufügte. L. A. Fischer, de Terentio priorum Latinorum imprimis Plauti sectatore, Halle 1875, p. 19 ff. hält fest an der Autorität des cod. A, nach welcher das griech. Originalstück(Hecyra) dem Menander angehörte.


