Jahrgang 
1874
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II. Chronik der Schule.

Das neue Schuljahr begann Montag, den 13. October 1873.

Am 18., 19. u. 20. März 1874 wohnte der Herr Generalsuperintendent Eberts dem Religions- unterricht in sämmtlichen Classen bei.

Zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs fand am 21. März in der festlich geschmückten Aula ein öffentlicher Festact statt. Die Festrede hielt Gym- nasiallehrer Dr. Hessel: Ueber Fichte's und Schleiermacher's patriotische Wirksamkeit.

Am 8. Mai machten in Begleitung der Lehrer die Schüler aller Classen eine Turnfahrt nach der etwa 3 Stunden entfernten Dianenburg.

Die schriftliche Abiturientenprüfung wurde in der Woche vom 1. bis 6. Juni abgehalten. In der unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Höpfner am 29. Juni abgehaltenen mündlichen Prüfung wurde sämmtlichen Abiturienten das Zeugniss der Reife ertheilt; zwei derselben wurden von der mündlichen Prüfung dispensiert(siehe Seite 35).

Am 29. Juli, dem festlichen Tage der Versammlung des Hauptvereins der Gustav-Adolf- Stiftung in der Rheinprovinz wurde der Unterricht ausgesetzt.

Das Stipendium, welches im Jahre 1743 der ehemalige»Stadt-Speyerische Praeceptor Gym- nasii weyland Theophilus Haupt« legiert hat»in dankbarlicher Erwegung der ihm zur Fort- setzung seiner Studien ehemals gereichten Obrigkeitlichen Beyhülffe von des Heiligen Reichs Freyen Stadt Wetzlar« und welches»woferne von der Vätterlichen oder Mütterlichen Familie kein Sub- jectum vorhanden wäre, alszdann Einem Wetzlarischen eingebohrnen Kinde Evangelisch-Lutherischer Religion, welchen in solchem Fall der jedesmahlige Rector des Gymnasii zu gedachtem Wetzlar, nach seinem guten Wissen und Gewissen, E. E. Rath vorzuschlagen hat«, zu Theil werden soll, ist dem Studiosus Georg Fohrer verliehen. Leider hat der edle Testator bisher keinen Nach- folger in der Wohlthätigkeit gefunden.

Im verflossenen Schuljahre ist die Einrichtung eines s. g.»Silentiums« ermöglicht worden. Es wird den Eltern dadurch die Gelegenheit gegeben, ihre Söhne täglich in etwa 2 Stunden unter der Aufsicht eines Lehrers die Schularbeiten anfertigen und neben zweckmässiger Zeiteintheilung ihnen Anleitung zum Arbeiten zu theil werden zu lassen.

In den Herbstferien wird ebenso wie nach dem vorigen Schuljahre eine Ferienschule ein- gerichtet. Es wird in derselben den Schülern der untern Classen Gelegenheit geboten, täglich 2 Stunden unter der Aufsicht eines Lehrers im Schullocale Arbeiten anzufertigen und Repetitionen vorzunehmen. Die Leitung des Silentiums und der Ferienschule hat der Gymnasiallehrer Rüttger übernommen. Anmeldungen geschehen bei dem Director.

Mitglieder des Gymnasial-Verwaltungs-Raths sind ausser dem Director die Herren Kreisgerichtsrath Westphal und Oberpfarrer Roebenacke.