Jahrgang 
1870
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III. Chronik der Schule.

Durch Reſcript des Herrn Miniſters der geiſtlichen ꝛc. Angelegenheiten vom 10. September wurde ge⸗ nehmigt, daß der Profeſſor Dr. Proeller von der Königl. Ritterakademie zu Liegnitz mit dem hieſigen 2. Oberlehrer Dr. Gerhard vom 1. October ab die Stelle tauſchte. Die Verwaltung der Schülerbiblio⸗ thek übernahm an Dr. Gerhards Stelle Dr. Glaſer.

Mit dem Schluſſe des Sommerhalbjahres verließ der Probe⸗Candidat Sagorski die Anſtalt, um an einem Curſus der Central⸗Turn⸗Anſtalt Theil zu nehmen und ſein Probejahr an dem Friedrich⸗Wilhelms⸗ Gymnaſium zu Berlin fortzuſetzen.

In die vacante Mathematicus⸗Stelle war durch Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schul⸗Collegiums vom 31. Juli 1869 der Reallehrer Dr. Fehrs zu Hagen als erſter ordentlicher Lehrer berufen worden. Derſelbe trat ſein Amt, zu welchem auch die Leitung der Turnübungen gehört, mit dem Beginn des Schuljahres an.

Zu gleicher Zeit traten die Candidaten der Philologie Eduard Wolff und Auguſt vom Berg bei der Anſtalt als Hülfsarbeiter ein.

An der Stelle des zu Anfang des Schuljahres von hier abberufenen Caplans Maur wurde durch Ver⸗ fügung Königlichen Provinzial⸗Schul⸗Collegiums vom 27. November 1869 der Caplan Hermann Schäfer mit der commiſſarichen Wahrnehmung der Stelle des katholiſchen Religionslehrers betraut.

Am 29. Januar 1870 ertrank beim Schlittſchuhlaufen ein begabter und gutgearteter Schüler, Hermann Vogel aus Hermanſtein.

Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Königs wurde am 22. März in einer öffentlichen Schulfeier mit vaterländiſchen Geſängen und Declamationen feſtlich begangen. Die Feſtrede hielt der Director über die Er⸗ ziehung unſerer Gymnaſialjugend zum Patriotismus.

Am 7., 8. u. 9. April fand eine Reviſion der Anſtalt durch den Geheimen Regierungsrath Dr. Land⸗ fermann Statt.

Mit dem Beginn des Sommerſemeſters ſchied der Candidat Wolff und trat der Candidat des höheren Schulamts Carl Heſſel als Probe⸗Candidat und wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer ein.

Zu Oſtern 1870 trat der erſte Oberlehrer Profeſſor Dr. Kleine auf ſeinen Wunſch in den Ruheſtand, nachdem er 45 Jahre lang, davon 29 ½⅛ an unſerer Anſtalt, als Schulmann ſegensreich gewirkt hatte. Mittelſt Allerhöchſter Ordre vom 29. Januar 1870 hatte Se. Majeſtät der König ihm den Rothen Adler⸗Orden vierter Claſſe zu verleihen geruht.

Bei der Wiederbeſetzung der durch die Emeritirung des Profeſſors Kleine vacant gewordene Lehrerſtelle wurden die Oberlehrer Profeſſor Dr. Proeller und Meyer und der erſte ordentliche Lehrer Dr. Fehrs in die erſte, resp. zweite und dritte Oberlehrerſtelle, und die Gymnaſiallehrer Dr. Häniſch und Dr. Glaſer in die erſte resp. zweite ordentliche Lehrerſtelle vom 1. Mai ab befördert. Die Verwaltung der Lehrerbibtio⸗ thek übernahm an Prof. Kleines Stelle Dr. Häniſch.

Am 19. Mai wurde eine Turnfahrt der ganzen Anſtalt nach der Dianenburg gemacht. Die größeren Schüler wurden dorthin über Greifenſtein und das ſ. g. Baſaltmeer geführt.

Vom 27. Juni bis zum 6. Juli wurde die ſchriftliche, am 20. und dann am 25. Juli die ſchriftliche Abiturienten⸗Prüfung abgehalten, letztere unter dem Vorſitze des Gymnaſial⸗Verwaltungsraths⸗Mitgliedes, Oberpfarrers Röbenacke. Von den 8 Abiturienten wurde einer, Franz, von der mündlichen Prüfung dis⸗ penſirt; einer, Schneider, war auf Grund des Miniſterial⸗Erlaſſes vom 19. Juli d. J. zur Prüfung zuge⸗ laſſen worden.

In die Armee traten als Freiwillige ein die Primaner Wilh. Feld und Theod. Schneider ſowie die Secundaner Louis Glöckner, Wilh. Trauthig, Herm. Bötz, Aug. Höpfner und Otto Wilhelmi.

Das mit dem Gymnaſium verbundene Alumnat hatte in dieſem Schuljahre während des Winterhalb⸗ jahres 8, während des Sommerhalbjahres 9 Zöglinge. Dasſelbe ſteht unter Aufſicht des Directors und be⸗ findet ſich in dem mittleren Stock desſelben Gebäudes, in welchem die Dienſtwohnungen des Directors und des 3. Oberlehrers ſich befinden. Dieſe Einrichtung gewährt den Eltern auswärtiger Schüler Gelegenheit, gegen eine verhältnißmäßig ſehr geringe Vergütung(160 Thlr. jährl. Penſion, vierteljährlich vorauszubezahlen; ſtellt der Zögling ſich ſelber Wäſche und Bett, 140 Thlr. Etwaige Kündigung muß ½¼ Jahr voraus ge⸗ ſchehen) auch außerhalb der Schule das Leben ihrer Söhne einer verſtändigen Leitung zu übergeben.

Mitglieder des Gymnaſial⸗Verwaltungsrathes ſind außer dem Director der Kreisgerichtsrath Weſtphal und der Oberpfarrer Röbenacke.