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30. April 1863 für die kla ſſiſche Philologie das Zeugniß der facultas docendi durch alle Klaſſen ertheilt. Am 8. Oct. wurde derſelbe von dem Unterzeichneten in ſein hieſiges Amt eingeführt.
Die Feier des 50jährigen Jubelfeſtes der Völkerſchlacht bei Leipzig nicht im engeren Kreiſe der Schule, ſondern gemeinſchaftlich mit der Bürgerſchaft unſerer Stadt zu begehen, wurde für angemeſſen und förderlich gehalten. So nahm das Gymnaſium nicht nur an dem Morgen⸗Gottesdienſte Theil, ſondern bei der allgemeinen Feier Vormittags 11 Uhr im großen kriegeriſch decorirten Saale des Römiſchen Kaiſers wechſelten Vorträge und Declamationen der Gymnaſiaſten mit patriotiſchen Geſängen der Liedertafel und muſikaliſchen Vorträgen der Kapelle des hieſigen Jägerbataillons, und hielt der Gymnaſial⸗Director die Jubelrede.
Die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Königs vereinigte am 22. März die Anſtalt und Be⸗ wohner unſerer Stadt in den geſchmückten Räumen unſerer Aula. Die Feſtrede hielt der Prof. Kleine.
Das ſeit lange ſchmerzlich empfundene Bedürfniß nach Herſtellung hellerer und geräumigerer Unter⸗ richtslokale findet endlich durch den gegenwärtig in der Ausführnng begriffenen Bau zweier neuen Klaſſenzimmer und einer Turnhalle, deſſen Koſten durch die Ueberſchüſſe der Gymnaſialkaſſe nebſt einer aus ſtädtiſchen Mitteln gewährten Beihülfe gedeckt werden, ſeine Befriedigung. Vom Anfange des neuen Schuljahres an wird eins dieſer Zimmer zugleich als ein durchaus zweckentſprechender Zeichnenſaal, das andere als beſonderes Zimmer für die Parallel-Claſſen dienen, und in der geräumigen Halle wird der Turnunterricht unabhängig von Wetter und Jahreszeit regelmäßig das ganze Jahr hindurch ertheilt werden.
Am Sonntag den 12. Juni beging die evangeliſche Gemeinde Wetzlar die Jubelfeier der vor 100 Jahren ſtattgehabten Einweihung der hieſigen Hoſpitalkirche. An dieſer Feier, die aus einem Feſtzuge und Feſtgottes⸗ dienſte beſtand, betheiligte ſich das Gymnaſium als ein Ganzes. Möge auch ſchon in den jungen Gliedern unſerer Anſtalt dieſe erhebende Feier das Gemeindebewußtſein geweckt und gekräftigt haben.
Auch in dieſem Schuljahre hatten wir längere und ernſthafte Krankheiten zweier Lehrer zu beklagen, da der Gymnaſial⸗Lehrer Lücke durch eine Bruſtentzündung, der Gymnaſial⸗Lehrer Rüttger durch eine Unter⸗ leibskrankheit Wochen lang an's Bett gefeſſelt waren.
Einen harten Verluſt erfuhr die Anſtalt durch den plötzlichen Tod des Unter⸗Primaners Carl Rehorn, Sohn des Pfarrers Rehorn zu Leun. Am Sonnabend den 11. Juni begab er ſich nach beendetem Unterricht zu dem gewohnten Sonntagsaufenthalt in's elterliche Haus, am 14. Juni Mittags endete eine Unterleibskrankheit ſein junges Leben. Seine Lehrer liebten ſeinen ſtillen, beſcheidenen Sinn, ſein kindlich reines Gemüth, ſein ernſtes und erfolgreiches Streben; ſeinen Mitſchülern war er durch dieſe Eigenſchaften ein lieber Freund. Am Mittage des 16. Juni begleiteten ihn Lehrer und Schüler zu Grabe.
In dieſem Sommer richtete das Gymnaſium auch zuerſt eine eigene Bade⸗ und Schwimmanſtalt in der Lahn von den Beiträgen der dieſelbe benutzenden Gymnaſiaſten ein, und fand dieſelbe eine außerordentlich große Theilnahme, ſo daß erwartet werden darf, dieſe ſehr zweckmäßige Einrichtung werde auch in künftigen Jahren die Mittel, welche zu ihrem Beſtehen nöthig ſind, aufbringen.
Unter dem Vorſitze des Geheimen Regierungsraths Dr. Landfermann fand am 8. Auguſt die Prü⸗ fung der Abiturienten
1) C. Daub aus Ferndorf Kr. Altenkirchen(will ſich dem Baufache widmen),
2) Aug. Poſchmann aus Brilon(will ſich dem Poſtfache widmen),
3) Heinr. Schweitzer aus Daaden Kr. Altenkirchen(will Medicin ſtudiren) ſtatt und erhielten alle das Zeugniß der Reife.
Im Alumnat befanden ſich 11 Zöglinge.


