Jahrgang 
1911
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Schule und Haus zu schaffen. Auch der Unterzeichnete hat sich bereit erklärt, mit einigen Ver- trauensmännern aus dem Kreise der Väter jetziger und früherer Schüler Angelegenheiten der Schule gelegentlich in ganz freier und unverbindlicher Weise zu besprechen.

Nachdem Herr Prof. Oesterheld zu Ostern 1910 aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Bibliothekar an der Karl Alexander-Bibliothek niedergelegt hatte, wurde dieses durch Min.-Verf. vom 24. 1. 1910 bis auf weiteres Herrn Oberlehrer Zugwurst übertragen.

Schon seit Jahren bestand bei der Bibliotheksverwaltung der lebhafte Wunsch, die reichen Bücherschätze durch einen gedruckten Katalog der wichtigsten Bestände der allgemeinen Benutzung leichter zugänglich zu machen. Doch hatten dem bisher unüberwindliche Schwierigkeiten entge- gengestanden. Die Bibliothek, die im Jahre 1889 von Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzog Carl Alexander gegründet und der öffentlichen Benutzung übergeben worden ist, setzt sich aus einer Reihe ganz verschiedenartiger Bestandteile zusammen. Ihr Kern ist die alte Gymnasialbibliothek, deren grösster Teil durch ein Vermächtnis des langjährigen Direktors Geh. Hofrat Dr. Funkhänel gebildet wurde. Mit ihr wurden im Jahre 1889 vereinigt: 1. die Bibliothek der Wartburg. 2. die nichtjuristischen Teile der Bibliothek des früheren Appellationsgerichts. 3. eine Büchersammlung aus dem Vermächtnis eines früheren Schülers der Anstalt, des Hofrats Dr. Alexander Ziegler, der auf dem Gebiete geographischer Forschung wie auf den verwandten Gebieten der Kultur und der technischen Betriebe sich einen weit bekannten Namen erworben hatte und im Jahre 1887 zu Wiesbaden gestorben war. Später sind dann noch dazu gekommen im Jahre 1898 die sog. geistliche Ministerialbibliothek der Kirche zu St. Georg und im Jahre 1900 eine grosse Reihe Bände aus dem Nachlass des Königl. Spanischen Konsuls Seeger in Leipzig, ferner ein Teil der aufgelösten Regierungsbibliothek u. a. Alle diese Bestände waren zunächst nach ihrer Herkunft gesondert aufgestellt. Erst im Jahre 1908 wurde durch das Grossh. Staatsministerium eine Neu- ordnung des Ganzen nach sachlichen Gesichtspunkten beschlossen; nur die Wartburg-Bibliothek und die sog. Ministerialbibliothek sollen stiftungsgemäss gesondert bleiben. Diese sehr umfang- reichen Ordnungsarbeiten wären nun freilich garnicht durchzuführen gewesen, wenn sich nicht bei dem Mangel anderer Plilfskräfte im vorigen Sommer eine grössere Anzahl Schüler in ausser- ordentlich dankenswerter Weise zur Mitarbeit erboten hätte. Auch für das folgende Jahr müssen wir noch auf ihre Hülfe hoffen. Wenn dann diese Arbeiten zu Ende geführt sind, soll allmäh- lich eine Uebersicht über die für das Publikum wichtigsten Bestände in Druck gegeben werden.

Einstweilen war es bereits möglich, im vorigen Jahre den Katalog der Abteilung thüringisch- sächsische Geschichte dem Programm beizufügen; in diesem Jahre hat ferner das Grossherzogl. Hofmarschallamt eine grössere Summe zum Druck des Kataloges der wertvollsten Abteilung, der Wartburg-Bibliothek, bewilligt, und es ist gelungen, diesen Katalog vor wenigen Wochen fertig zu stellen. Exemplare beider Kataloge werden einstweilen in der Bibliothek auf Wunsch umsonst abgegeben. Dem Grossherzogl. Hofmarschallamt aber spricht die Direktion auch an dieser Stelle ihren ehrerbietigsten Dank aus. Hoffentlich findet das reiche, durch diese beiden Kataloge er- schlossene Material zur Geschichte unserer Heimat nun auch von Seiten der Einwohnerschaft Eisenachs die verdiente Benutzung.

Das Stadttheater hat auch in diesem Winter Schülervorstellungen zu billigem Preise veran- staltet, die von den Schülern gerne und sicher mit Nutzen besucht worden sind.