Am 23. September starb unerwartet infolge eines Schlaganfalles der Gesanglehrer am Gym- nasium Herr Professor Hermann Thureau. Ein Meister auf dem Gebiet der Musik, ein echter deutscher Mann voll strengen Pflichtgefühls und lauterster Gesinnung, hatte er zugleich ein warmes Herz für die Jugend und verstand es, auf sie in edelstem Sinne einzuwirken. Von Ostern 1883 bis zum Schluss des Sommerhalbjahres 1905 hat er sein Amt am Gymnasium treu verwaltet. Am 26. September geleiteten ihn Lehrer und Schüler zur letzten Ruhestätte. Den mit Genehmigung des Grossherzogl. Staatsministeriums für das Winterhalbjahr auf zwei wöchentliche Stunden ver- kürzten Gesangunterricht übernahm Herr Professor Heubach.
Beim Beginn des Winterhalbjahres trat an Stelle des Herrn Dr. Kellermann der Kandidat des höheren Schulamts Herr Ortmann in das Lehrerkollegium ein.
Vom 23. bis 28. Oktober musste Herr Professor Oesterheld wegen Erkrankung vertreten werden.
Am 26. Oktober fand nach einer Tags vorher von Herrn Professor Schmiedel abgehaltenen Vorbereitungsandacht die Feier des hl. Abendmahls in der Georgenkirche statt.
Am 31. Oktober wurde das Reformationsfest durch eine Schulfeier begangen; der Unterpri- maner Galette sprach über die Vorläufer der Reformation.
Am 5., 6. und 11. bis 16. Dezember musste Herr Professor Schmiedel, und am 17. bis 29. Januar 1906 Herr Professor Schmidt wegen Erkrankung vertreten werden.
Der Geburtstag S. M. des Deutschen Kaisers wurde am 27. Januar durch einen Schulaktus gefeiert. Der Direktor suchte in der Festrede die Entstehung, Entwickelung und weitere Ausge- staltung des deutschen Einheitsgedankens in den letzten 100 Jahren darzulegen.
Am 19, und 20. Februar wurde auf Grund der Verfügung vom 6. Januar 1891 der Unterricht ausgesetzt.
Am 27. Februar fand an Stelle des Unterrichts auf Höchste Anordnung anlässlich der silbernen Hochzeit unseres geliebten Kaiserpaares eine Schulfeier statt, bei der Herr Prof. Schmiedel den 45. Psalm las und ein Gebet sprach, und der Unterprimaner Henning das vorbildliche Familien- leben des Kaiserpaares schilderte.
Die mündliche Reifeprüfung wurde, nachdem die schriftlichen Arbeiten vom 12. bis 17. Februar angefertigt worden waren, am 7. März unter dem Vorsitz des Direktors als Beauftragten der Grossherzogl. Staatsregierung abgehalten. Sämtliche 12 Abiturienten, davon drei unter Befreiung von der mündlichen Prüfung, wurden für reif erklärt. Von den zwei der Anstalt zugewiesenen Extraneern bestand der eine, Herr stud. phil. Carl Müller in Jena, die Prüfung.
Am 10. März wurden die Abiturienten feierlich entlassen. Der Primus Seel hielt im Namen der Abgehenden die Abschiedsrede über Erben und Erwerben. Dann suchte der Direktor in einer Rede, anknüpfend an die Mahnung des Horaz ‚Nil admirari und die Worte des Plato im Theätet: udd α †αι⁴οσσν τινο ⁴⁸ T⁴.σωο, τ ϑασινιαεεν darzulegen, worin das wahre Menschenglück bestehe.
Mit dem Schluss des Schuljahres scheidet Herr Ortmann wieder aus dem Lehrerkollegium
aus, um an die Realschule in Apolda überzugehen. Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf seinem ferneren Lebensweg.


