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Bericht über das Schuljahr 1892/93.
I. SCHULEREIGNISSE.
Das neue Schuljahr begann am Montag nach der Osterwoche, den 25. April 1892, mit der Auf- nahmeprüfung, der Unterricht am folgenden Tage.
Die Pfingstferien dauerten vom 4. bis 11. Juni.
Der Geburtstag unseres Landesherrn vurde in herkömmlicher Weise durch eine Festfeier begangen. Herr Dr. Krumbholz hielt die Festrede über das thüringische Schulwesen im Zeitalter der Reformation. Vorträge der Schüler wechselten mit Gesängen unter der Leitung des Herrn Professor Thureau ab.
Die Abendmahlsfeier des Gymnasiums fand am 30. Juni in der Georgenkirche statt. Die Vor- bereitungsandacht ward Tags zuvor im Saale durch Herrn Otto gehalten.
Am 4. Juli stattete Herr Geh. Staatsrat Dr. von Boxberg in Begleitung des Herrn Oberschul- rates Dr. Leidenfrost dem Gymnasium einen Besuch ab. Im Beisein des Direktors hörte er dem Unterrichte in einigen Klassen zu und besichtigte dann einige Räumlichkeiten, namentlich die Carl- Alexander-Bibliothek, in der er längere Zeit verweilte und von einer Anzahl von Drucken und Hand- schriften, die durch den Bibliothekar vorgelegt wurden, Einsicht nahm.
Die Sommerferien dauerten vom 11. Juli bis 6. August.
Die öffentliche Feier des Sedantages fand in der üblichen Weise durch Vorträge von Schülern aus allen Klassen und Aufführung von Gesängen statt.
Die Herbstprüfungen wurden am 21. und 22. September abgehalten, das Halbjahr mit der Verteilung der Censuren am 24. September geschlossen.
Durch gnädigste Entschliessung Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs war dem unterzeichneten Direktor das Ritterkreuz erster Abteilung des Grossh. Hausordens der Wachsamkeit oder vom weissen Falken verliehen und das darüber ausgefertigte Diplom vom 18. September durch den Chef des Ministerial-Departements des Kultus vom 1. Oktober zugesendet.
An den aus Anlass des goldenen Ehejubiläums Ihrer Königlichen Hoheiten des Grossherzogs und der Frau Grossherzogin, das auf den 8. Oktober fiel, stattfindenden Festlichkeiten nahm das Gymnasium besonderen Anteil. In Vertretung desselben war der Direktor Mitglied der Deputation der höheren Schulen, die die Ehre hatte, am 5. Oktober dem hohen Jubelpaare ihre Glückwünsche darzubringen. Die Jubiläumsfeier ward vom Gymnasium am 10. Oktober, dem ersten Tage des Winterhalbjahres, durch eine öffentliche Festlichkeit begangen, bei der Herr Professor Kühn die Festrede hielt. Das wohlgelungene Doppelportrait-Medaillon vom Hofbildhauer Professor Kugel in Gotha zierte, frisch bekränzt, den Versammlungssaal, dessen dauernden Schmuck es fernerhin als ein Erinnerungszeichen an das hohe Fest bilden wird. Die Festschrift von Richard Bürkner, Carl Alexander und Sophie, ein fürstliches Jubelpaar, hatte unter den Schülern weite Verbreitung gefunden, ebenso wie die photographische Original-Aufnahme des Grossherzoglichen Paares durch einen Weimarischen Hofphotographen.
Die Studientage wurden im Winterhalbjahre in der üblichen Weise gehalten.
Der Katharinentag am 25. November ward in herkömmlicher Weise begangen. Der Oberprimaner Stichling hielt die deutsche Rede zur Erinnerung an die Stipendien-Stiftung der Reichsgräfin Elmpt.
Die neuen Lehrpläne und Lebraufgaben, die neue Ordnung der Reifeprüfungen und die Ordnung der Abschlussprüfung nach dem sechsten Schuljahre, die in Preussen zu Ostern v. J. zur Einführung gelangt sind, gaben dem Grossherz. Staatsministerium den Anlass, durch Verf. vom 27. Mai die Direktion anzuweisen, in gemeinsamer Beratung mit dem Lehrerkollegium eine eingehende Prüfung


