Bericht über das Schuljahr Ostern 1881—ß 1882.
I. CHRONIK.
Der bisherige Direktor des Gymnasiums Herr Professor Dr. Ludwig-Weniger war mit dem Schlusse des Schuljahres 1880/81 aus seiner hiesigen Stellung. geschieden, um die Leitung des Gymnasiums in Weimar zu übernehmen(vgl. Progr. 1881 S. 20). An dessen Stelle wurde durch höchstes Dekret vom 5. März 1881 der Unterzeichnete, bis dahin erster Lehrer am Weimarischen Gymnasium, zum Direktor ernannt. Vor seinem Abgange aus Weimar ward ihm die Ehre einer Audienz bei S. K. Hoheit dem Groſsherzog zu teil.
Am 25. Kpril fand in öffentlicher Feier die Einführung des neuen Direktors durch Herrn Oberschulrat Dr. H. Rassow als Vertreter der Groſsh. Staatsregierung statt, welcher in beredter Ansprache die Pflichten eines Leiters der Anstalt darlegte. In der darauf folgenden Antritts- rede versuchte der Unterzeichnete seine Stellung zum humanistischen Gymnasium nach ihren wesentlichsten Seiten hin zu charakterisieren.
Der Unterricht begann am 26. April.
Vom 25. April bis 7. Mai nahm Herr Dr. Schläger an einer Landwehrübung teil.
Am 19. Mai fand der übliche Spaziergang der Schüler klassenweise unter Führung der Lehrer statt.
Am 24. Juni wurde der Geburtstag unseres Landesherrn durch eine Festrede des Herrn Dr. Kühn über die Johannisfeier und durch Deklamationen von Schülern aus allen Klassen feierlich begangen.
Der 2. September ward durch eine deutsche Rede des Primaners Brodrecht, durch Vorträge vaterländischer Lieder und Gedichte gefeiert. Abends fand ein Fackelzug statt, an welchem sich die Schüler des Gymnasiums, wie bisher, beteiligten.
Die Herbstprüfungen wurden am 21.— 23. September abgehalten, das Halbjahr am 24. geschlossen.
Mit dem Schlusse des Sommerhalbjahrs verliels Herr Dr. Karl Pickel die Anstalt, nachdem er ein und ein halbes Jahr treu und gewissenhaft als Probekandidat die letzte Lehrer- stelle verwaltet hatte, um eine Hilfslehrerstelle am Gymnasium in Görlitz zu übernehmen. Wir sprechen ihm für seine Amtsverwaltung unsern Dank aus.
An seine Stelle trat mit Anfang des Winterhalbjahrs am 10. Oktober in gleicher Funktion Herr Dr. Otto Francke. Derselbe, geboren zu Weimar am 5. Dezember 1855 und auf dem dortigen Gymnasium von 1864— 1873 vorgebildet, studierte in Jena, München und Leipzig klassische und germanische Philologie. In München promovierte er 1877 mit der in Weimar bei H. Böhlau in demselben Jahre erschienenen Schrift: Terenz und die lateinische Schul- komödie in Deutschland, bestand in Leipzig 1879 die Staatsprüfung und begab sich dann wissenschaftlicher Studien wegen nach London und Oxford, von wo er unmittelbar zum Antritt
seines Amtes nach Eisenach übersiedelte. 1*


