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aus Pforzheim vom Deutſchen Sprachverein vor Schülern der Ober⸗ und Mittelklaſſen über die Schön⸗ heit der deutſchen Sprache und den Kampf gegen die Fremdwörter. Als gerne begrüßter alter Freund rezitierte Herr Oskar Fiedler am 19. Oktober vor den Oberklaſſen Teile des„König Opidus“ von Sophokles in deutſcher Ubertragung und einige neuere Gedichte. Das künſtleriſche Handpuppenſpiel des Herrn Robert May aus Darmſtadt am 27. November erfreute beſonders die jüngeren Schüler. Leben⸗ dige Anſchauung von deutſchem Wild und deutſchem Wald brachte ihnen auch Herr Witte am 12. Febr. mit ſeiner Vorführung eines zahmen Fuchſes.
Den Reigen der Feiern mag der Jugendfeiertag eröffnen, auf den wir gerne zurückblicken. Diesmal entführte der Sonderzug unſere Schule am Morgen des 25. Juni nach Neuleiningen am Nord⸗ rande der Pfälzer Berge. Nach einſtündigem Marſch trafen ſich alle im geräumigen Schloßhof der Burg⸗ ruine Altleiningen. Herr Studienrat Engel gedachte in einer Anſprache der Bedeutung des deutſchen Wanderns für die Förderung der Heimatliebe und erzählte von den mannigfachen Schickſalen des pfäl⸗ ziſchen Landes. Er mahnte die Jugend, feſtzuhalten an der Einigkeit, auch in kleinen Dingen, damit dieſer Geiſt ſich ſpäter auch im großen Vaterlande verwirklichen könne. Schüler der Oberprima ſpielten ſodann auf einer Naturbühne eine Szenenfolge aus„Siegfrieds Tod“ von Hebbel, die Herr Studien⸗ rat Berninger eingeübt hatte. Hagen(Schneider O Ic) und Siegfried(Schmitt O Ia) boten beachtenswerte Leiſtungen. Das ſchönſte Wetter begünſtigte den Tag, ohne Zwiſchenfall trafen alle um 6 Uhr wieder in Worms ein. Am letzten, unendlich heißen Schultag vor den Sommerferien ſprach der Direktor im Gemeindehaus über Albrecht Dürer und zeigte ſeine wichtigſten Werke im Lichtbild. Am Tage der Verfaſſungsfeier, am 18. Auguſt, hielt Herr Studienrat Kaltenhäuſer die Anſprache. Unſere Schu⸗ bertfeier am 16. November wurde nachmittags mit den Schülern gehalten, abends für die Eltern und Angehörigen wiederholt. Dabei erfreute Fräulein Bickerich, von der Wormſer Stadtſchule die Zuhörer durch den Vortrag einiger Schubertſcher Lieder. Es ſei ihr dafür auch an dieſer Stelle beſon⸗ ders gedankt. Herr Muſiklehrer Niebergall leitete die Darbietungen und gab daneben in kurzen Wor⸗ ten ein Bild von Schuberts Leben. Das Schulorcheſter ſpielte unter anderem das Andante aus der 5. Symphonie. Auf allſeitigen Wunſch wurde die Totenfeier am 24. November wieder vor dem Krie⸗ gerdenkmal auf dem Hochheimer Friedhof gehalten. Herr Kaplan Waldhelm verſtand es in ſeiner An⸗ ſprache, den rechten Ton zu treffen, der Poſaunenchor der„Feſten Burg“ erhöhte den Eindruck, unſere Primaner ſangen„Morgenrot, Morgenrot“ und„Ich hatt einen Kameraden“. Bei der Abſchiedsfeier der Abiturienten am 11. März ſollen in der Hauptſache Werke von F. Mendelsſohn⸗Bartholdy geboten werden, um damit des Meiſters 120. Geburtstag zu ehren. Das Orcheſter wird u. a. die Ouvertüre zu dem Singſpiel„Heimkehr aus der Fremde“ ſpielen. Die Anſprache übernimmt wie alljährlich der Direktor.
Mit einigen Worten ſei noch an dieſer Stelle des Planes gedacht, unſerer Anſtalt von Oſtern 1920 an, zunächſt mit Untertertia, einen reformalgymnaſialen Zug einzugliedern, eines Zuges alſo, der die neueren Sprachen und von Unterſekunda an auch das Lateiniſche ſtärker betont und dafür die mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen Fächer zurücktreten läßt. Es handelt ſich zunächſt nur um einen vom Heſſ. Miniſterium genehmigten Verſuch mit einer Untertertia. Ob und wieweit er gelingt, hängt von Eltern und Schülern ab. Ein Elternabend am 13. Dezember gab Gelegenheit zur Ausſprache dar⸗ über zwiſchen Lehrern und Eltern.
Das Schuljahr ſchließt am 23. März 1929.


