Jahrgang 
1929
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Das neue Schuljahr 1928/20 begannen wir am Dienstag, den 24. April 1928 mit 24 Klaſſen und 38 ordentlichen Lehrkräften. Die Schülerzahl betrug am 15. Mai 661. Infolge des Eingehens einer Klaſſe verließ uns Herr Studienrat Philipp Stellwagen, um an die Aufbauſchule für Mädchen in Darmſtadt überzuſiedeln. Für den beurlaubten Herrn Studienrat Dr. Schwarz trat Herr Studienaſſeſſor Dr. Bücking in den Lehrkörper ein. Zu Beginn des Winterhalbjahrs wurde der Anſtalt Herr Studien⸗ referendar Ludwig Spazier aus Worms zur Ableiſtung ſeines Probejahrs überwieſen. Mit Wirkung vom 1. 10. 1927 wurde Herr Studienrat Glenz zum Oberſtudienrat ernannt, Herr Zeichenlehrer Deibel zum Zeichenoberlehrer, Herr Oberreallehrer Niebergall erhielt mit gleicher Wirkung die Amts⸗ bezeichnung Muſiklehrer, Herr Reallehrer Huber wurde Oberreallehrer.

An Fortbildungslehrgängen verſchiedener Art nahmen der Direktor und Mitglieder des Lehrkörpers teil. Erſterer beſuchte eine TagungProbleme der Heilerziehung, die das Pädagogiſche Inſtitut in Mainz am 16. VI. veranſtaltete, ſowie neben Herrn Studienrat Franz den Neuſprachlichen Fortbildungslehr⸗ gang, den das Heſſ. Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen vom 22. 27. X. in Darmſtadt ab⸗ hielt. Er war auch auf der Verſammlung Heſſiſcher Direktoren am 1. Dezember vertreten. Wertvoll für die Chemiker unſerer Anſtalt war derEinführungskurſus in den chemiſchen Arbeitsunterricht, den die mathem.⸗naturwiſſenſchaftliche Fachgruppe des Heſſ. Philologenvereins mit Unterſtützung des Miniſteriums vom 4. 6. XII. in Mainz durchführte. Die Herren Studienräte Diemer und Dr. Ruppel nahmen daran teil. In zahlreichen Fachſitzungen wurden die Anregungen auf dieſen und anderen Gebieten ver⸗ arbeitet. Zum Beſuch einer Tagung der deutſchen Konſumvereine in Dresden war Herr Studienrat Heyl vom 11. 16. VI. beurlaubt, desgleichen zur Tagung der Arbeitsgemeinſchaft Rheiniſcher Volks⸗ bildungsvereine am 4. 6. II. in Koblenz. Förderung in verſchiedener Richtung brachten die wirtſchafts⸗ geſchichtlichen Vorträge, die Herr Univerſitätsprofeſſor Dr. Küntzel im Januar und Februar 1920 auf Einladung des Vortragsausſchuſſes der Wormſer Lehrerſchaft hier hielt und zu denen in beſonders dankenswerter Weiſe auch die höheren Schulen eingeladen worden waren.

Die wahlfreien Unterrichtsfächer waren weiter gut beſucht(Werkunterricht 35, Kurzſchrift 79, Orcheſter und Vororcheſter 20 Schüler). Auch die phyſikaliſchen, chemiſchen und biologiſchen Ubungen fanden viele Freunde. Ein Sonderkredit, den die Stadtverordnetenverſammlung für das biologiſche Inſti⸗ tut bewilligte, erlaubte, die notwendigſten Geräte und Lehrmittel, vor allem für pflanzenphyſiologiſche Unterſuchungen, anzuſchaffen und half einem lange gefühlten Mangel ab. Wir möchten dafür auch hier namens der Anſtalt unſeren beſonderen Dank ausſprechen. Auch das Schulorcheſter kann befriedigt auf das letzte Jahr zurückblicken. Die 20 Spieler verteilten ſich auf die Klaſſen OI IV. Zu Flöte, Streichinſtrumenten, Klavier und Harmonium trat noch Klarinette und Trompete. In den Ubungsſtunden wurde klaſſiſche Muſik, vor allem im Hinblick auf die Schubertfeier, gepflegt, worüber weiter unten be⸗ richtet wird. Zwanzig Schüler aus O0 III und U II beteiligten ſich unter Anleitung von Herrn Studien⸗ rat Eberhard am 20. Mai an einem Modellflugwettbewerb, den die Staatl. Hauptſtelle für den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht in Berlin ausgeſchrieben hatte. Drei von ihnen wurden auf Grund des Ergebniſſes mit Preiſen in Geſtalt von Buchprämien bedacht.

Der Geſundheitszuſtand des Lehrkörpers hatte wie der aller andern durch den langen, harten Winter zu leiden, und häufige Grippeerkrankungen brachten manche Störung des regelmäßigen Unterrichts. Einen dunklen Schatten über das ganze Schuljahr warf der unerwartete Tod unſeres lang⸗ jährigen, lieben Amtsgenoſſen, des Herrn Studienrat Prof. Dr. Johann Schwarz, am 18. Juni. Ur⸗ laub und Sanatoriumsaufenthalt ſollten ihm die erhoffte Geneſung von tückiſchem Leiden nicht mehr bringen. In einer ſchlichten Trauerfeier am Todestag gedachte der Direktor vor den Amtsgenoſſen und älteren Schülern des vorbildlichen Wirkens dieſes Mannes an unſerer Anſtalt durch 14 lange Jahre. Sein Hingang hat eine tiefe Lücke in unſerem Kollegium geriſſen. Ein freundliches, dankbares Gedenken iſt dem tüchtigen Lehrer, dem geiſtvollen Menſchen, dem naturfrohen Wandergefährten und Geſſellſchafter ſicher. An ſeiner ſtillen Beiſetzung in Gießen nahmen Herr Konrektor Schmitt und Herr Studienrat Schmandt Teil.