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D. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Wir traten am 19. April 1926 in das neue Schuljahr mit einer auf 26 verminderten Klaſſenzahl ein. Die Schülerzahl betrug am 15. Mai 1926 777. Herr Studienaſſeſſor Ludwig Betz, der außer Verwendung kam, verließ uns am 10. Mai, um eine Stelle am Gymnaſium in Detmold zu übernehmen. Im übrigen ſind AÄnderungen in der Zuſammenſetzung des Lehrkörpers der Anſtalt nicht zu verzeichnen. Herr Studienrat Heinrich Lauckhard, der ſchon am 20. März ſeine Urlaubsreiſe nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika angetreten hatte, von der er am 20. Juni zurückkehrte, wurde bereitwillig von ſeinen Amtsgenoſſen vertreten. Er hat ſich in dieſen 3 Monaten einen wertvollen und gründlichen Einblick in das amerikaniſche Turn⸗ und Sportweſen verſchafft, von dem wir eine beſondere Förderung der Leibesübungen an unſerer Anſtalt erhoffen. Das Heſſ. Landesamt für das Bildungsweſen gewährte Urlaub und Unterſtützung.
Zum Beſuche wiſſenſchaftlicher Tagungen und von Fortbildungskurſen waren mehrere Herren des Lehrkörpers beurlaubt. Herr Studienaſſeſſor Dr. Schumann nahm am 15. Mai teil an der Tagung des„Heſſ. Landesverbandes für werktätige Erziehung“ in Mainz. Herr Studienrat Heyl beſuchte den deutſchen Volksbühnentag in Hamburg vom 23.— 20. Juni, Herr Studienrat Weiß vom 27.— 20. Juni den 2. Südweſtdeutſchen Geographentag in Freiburg i. Br. Herr Studienrat Engel, der Vorſitzende der Ortsgruppe Worms des Verbandes deutſcher Jugendherbergen, beteiligte ſich an der Reichsherbergstagung in Düſſeldorf am 18. September, Herr Studienrat Franz an dem deutſchen Rudertag in Köln am 25. September. Zur Teilnahme an einem Turnkurs, der vom 30. Aug. bis 11. Sept. unter der Leitung des Herrn Oberreallehrers Goertz in Worms ſtattfand, war Herr Studienaſſeſſor Dr. Schilling beurlaubt, desgleichen für den 80. deutſchen Naturforſcher⸗ und Arztetag in Düſſeldorf vom 20.— 25. Sept. die Herren Studienräte Dr. Grüninger und Kaltenhäuſelr. In den Herbſtferien nahm der Direktor Teil an der vom Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht in Frankfurt a. M. veranſtalteten Tagung für Reformanſtalten und Ober⸗ realſchulen. 2 Er ſchloß ſich auch vom 13.— 18. Okt. einer Studienfahrt von Wormſer Stadtverordneten auf die„Geſolei“ an. In der erſten Woche nach den Herbſtferien, vom 11.— 16. Okt., fand an der Univerſität Gießen ein biologiſch⸗phyſiologiſcher Fortbildungskurſus ſtatt, an dem ſich Herr Studienrat Dr. Daudt beteiligte. Zur gleichen Zeit tagte in Darmftadt die Reichsmuſikwoche, die von den Herren Oberreallehrern Niebergall und Faulſtroh ſowie Herr Studienaſſeſſor Dr. Weick beſucht wurde. Ein werkunterrichtlicher Kurſus am 11. Februar 1927 führte Herrn Studienrat Eberhard nach Mainz.
Ein ganz beſonderes Maß von Arbeit brachten die Forderungen der neuen„Lehrpläne für die höheren Schulen im Volksſtaate Heſſen“, die ab Oſtern 1926 an unſerer Anſtalt durchgeführt werden, ferner gegen Ende des Jahres die neuen Reifeprüfungsbeſtimmungen, die große Umſtellungen von den einzelnen Lehrern verlangten. Zahlreiche Fachſitzungen waren im Laufe des Jahres den Bedürfniſſen der verſchiedenen Fächer gewidmet. Für die Unterrichtsverteilung ſei auf die neuen Lehrpläne verwieſen. Von den wahlfreien Fächern fand vor allem der Werkunterricht in den Tertien eifrigen Zuſpruch. Faltarbeiten und Pappmodelle unterſtützten den mathematiſchen Unterricht, desgleichen das Formen in Ton, das auch Gelegenheit gab zu freien Modellierübungen. Auch wurden die Schüler in die Anfänge der Holzbearbeitung eingeführt. Den Unterricht der Reichskurzſchrift beſuchten 104 Schüler der Unter⸗ und Obertertien. Unſer Schulorcheſter verdient noch eine beſondere Erwähnung. Es hat ſich unter ſeinem Leiter, Herrn Oberreallehrer Niebergall, zu einer erfreulichen Höhe der Leiſtung emporgearbeitet, verſchönt unſere Schulfeiern und verſucht durch die Pflege guter klaſſiſcher und neuerer Muſik dem modiſchen Muſiklärm des Jazz die Spitze zu bieten. Zwangloſe muſikaliſche Abende, deren erſter am 2. März ſtattfand, ſollen im kleineren Kreiſe Orcheſter⸗ mitglieder, Schüler und ihre Angehörige einander näherbringen und unſerer Schulmuſik, wie wir hoffen, noch mehr tätige Mitglieder zuführen.
Der Geſundheitszuſtand der Lehrer unſerer Anſtalt konnte im allgemeinen befriedigen. Ein Unfall während des Unterrichts zwang Herrn Studienrat Dr. Ruppel vom 8. Juni bis zu den Sommerferien zu unfreiwilliger Muße. Nervöſe Erſchöpfung hielt Herrn Reallehrer Huber vor und nach den Herbſtferien längere Zeit vom Unterricht fern. Er wurde teilweiſe vertreten durch die Herren Studienaſſeſſor Aug. Jäger und Schulverwalter Georg Obenauer. Herr Studienrat Prof. Hattemer wurde einen größeren Teil des Jahres ſeinem Unterricht durch Krankheit entzogen. Die Herren Kapläne Fetſch, Kallfelz und Schuhmacher teilten ſich in ſeine Vertretung. Die weihnachtliche Grippeepidemie hatte bei Lehrern und Schülern eine Anzahl meiſt leichterer Erkrankungen im Gefolge.
Sonſt konnte auch in dieſem Jahre Geſundheit wie Ernährungszuſtand der Schüler als gut bezeichnet werden. An dem täglichen Milchfrühſtück nahmen im Sommerhalbjahr 30, im Winter


