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11. Dezember 1908. Der Lehramtsaſſeſſor Karl Schork zu Mainz erhält die Vertretung für den erkrankten Profeſſor Steuerwald; ſie begann mit dem 14. Dezember 1908 und endigte am 28. Februar 1909.
29. Dezember 1908. Herr Friedrich Götz wird zum Lehramtsaſſeſſor ernannt. 25. Februar 1909. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigſt geruht, den Zeichenlehrer an unſerer Anſtalt Heinrich Staſſen auf ſein Nachſuchen unter
Anerkennung ſeiner langjährigen, treuen Dienſte vom 3. April 1909 ab in den Ruheſtand zu verſetzen.
2. Der AÜUnterricht.
Mit dem neuen Schuljahr, das am 27. April begann, kamen an unſerer Anſtalt drei neue Klaſſen hinzu.— Die zweite Vorſchulklaſſe wurde in zwei Abteilungen getrennt, je eine dritte Sexta und Untertertia wurden errichtet. Die Geſamtzahl der Lehrer ſtieg auf 39;— es traten nachein⸗ ander ein die Herren: Dr. Spira, Dr. Werner, Staſſen, Hallſtein. Herr Reallehrer Pohl wurde von der Vorſchule an die Oberrealſchule verſetzt; für ihn wurde uns Herr Dr. Seiler überwieſen. Für die neuerrichtete zweite Vorſchulklaſſe erhielten wir Herrn Wolf. Herr Oberlehrer Dr. Kraft, der fünf Jahre lang hier tätig war, übernahm mit Beginn des neuen Schuljahres eine Lehrerſtelle an dem Realgymnaſium und der Oberrealſchule zu Gießen. Die Anſtalt, die in ihm einen äußerſt pflichttreuen, gewandten und erfolgreichen Lehrer verlor, die Kollegen, die ſeine liebenswürdige und gerade Art hochſchätzten, die Schüler, die dem anregenden und gewinnenden Lehrer herzlich zugetan waren, ſie alle ſahen Herrn Dr. Kraft nur ungern ſcheiden.
Die evangeliſchen Religionsſtunden an der Oberrealſchule wurden von 22 Wochenſtunden auf 36 erhöht, die katholiſchen um wöchentlich 2 Stunden vermehrt.
Die Oberlehrer Hertſch und Glenz waren während des Sommer⸗Semeſters zu Swöchigen militäriſchen Übungen eingezogen, für Herrn Hertſch trat der Lehramtsreferendar Lotz ein, die Unterrichtsſtunden des Herrn Glenz übernahmen die Kollegen.
Die Übungen für den vierſtimmigen Schülerchor mußten wir in die Turnhalle verlegen, weil jeder andere Raum im Schulgebäude zu klein war.
Am 17. November erkrankte Herr Profeſſor Steuerwald ſo ernſtlich, daß eine Beurlaubung bis zum Schluſſe des Schuljahres notwendig wurde. Der mathematiſche Unterricht in den oberen Klaſſen wurde neu verteilt, zur Vertretung kam Herr Schork, der Ende Februar uns wieder verließ.
Im Winterſemeſter richteten wir einen beſonderen Unterrichtsraum für Erdkunde ein; da auch alle Lehrmittel für dieſes Fach in dem Saale untergebracht werden konnten, ſo bedeutet dieſe Neuerung eine große Annehmlichkeit.
In dieſem Schuljahr erfuhr der Religionsunterricht an unſerer Anſtalt eine eingehende Beſichtigung durch die zuſtändigen Behörden. Der Hochwürdigſte Herr Biſchof Dr. Kirſtein zu Mainz wohnte am 24. Oktober 1908 dem genannten Unterricht in den Primen bei. Herr Rabbiner Dr. Stein beſuchte am 26. und 29. Oktober ſämtliche Klaſſen, in denen Herr Agulnik unterrichtet; am 19. und 20. November 1908 weilte Se. Hochehrwürden Herr Superintendent Euler hier und überzeugte ſich von dem Stande des evangeliſchen Religionsunterrichts in den meiſten Klaſſen der Oberrealſchule und in einer Vorſchulklaſſe.
Am 15. Dezember 1908 beehrte uns Herr Geheimer Oberſchulrat Nodnagel mit ſeinem Beſuche und hörte dem Unterricht in mehreren Klaſſen zu.


