Jahrgang 
1905
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gibt er dem Jahrhundert das Gepräge. Seine glasierten Madonnenreliefs, seine „Bambini“ waren überall in Florenz und Umgebung, in und an Kirchen, Spitälern (Innocenti) angebracht. Wer sie mit offenen Augen ansah, dem musste sich ihre ganz subjektiv reizvolle Schönheit einprägen; sie haben daher auf die künstlerischen Erzeugnisse späterer Dezennien massgebend eingewirkt.

Nicht minder kann man dies von seinem Kinderfries in den Opera del Duomo in Florenz behaupten. Der in Marmor ausgeführte herrliche Schmuck der Orgelempore offenbart in jeder Einzelheit, wie scharf er der Natur die Bewegung abgelauscht, sich vertieft in die holde Lieblichkeit, Naivität und den schelmischen Sinn der Kinder. Schallt uns nicht auch aus ihnen der Jubel einer ganz und voll sich auslebenden Künstlerseele entgegen?

Der besonderen Gunst der Medicäer erfreute sich Donatellos vorzüglichster Schüler: Verrocchio. Unter den denkbar besten Auspicien und schrankenlos bildete sich daher sein Talent aus. Sein„David“, im Gegensatz zu seines Lehrers heroischer Auffassung, liebreizend und jung dargestellt, interessiert lebhaft durch den aus der Wiedergabe des noch nicht ausgewachsenen Knaben sprechenden liebenswürdigen Naturalismus, das die Siegesfreude in voller Unbefangenheit ausdrückende Lächeln.

Zwei andere Werke sichern Verrocchio Unsterblichkeit: sein„Christus und Thomas“ an der Kirche Or san Michele in Florenz und das Reiterstandbild des Colleoni in Venedig. Das erste, eine der grossartigsten Gruppen der Renaissancezeit überhaupt, das zweite, das„gewaltigste Zeugnis der Reiterplastik, das schönste Reiter- monument l(taliens, vielleicht der ganzen Welt“.(Burckhardt.)

Durch den»Johannes« von Donatello und die verschiedenen jugendlichen»David« bahnen wir allmählich den Weg zu dem hehren Meister der Plastik, Michelangelo, der unnahbar hoheitsvoll unter seinen Zeitgenossen schafft und wandelt, dessen Werke zu verstehen, ganz in sich aufzunehmen, ein Menschenalter nicht zu genügen vermag. Die Jugend besonders kann nur ahnend eintreten»in die Welt künstlerischer Gestalten, die aus den Tiefen seines Sehnens, Schauens und Glaubens, aus der Urkraft der Liebe heraus der grosse Dulder durch seinen Schöpferwillen an das Licht gerufen«.(Thode.)

lch habe indes oft beobachtet, dass das stumme Betrachten schon die Empfindung für das Grosse, Erhabene, Unvergleichliche, Welt- und Menschenerfassende in ihre Seele einziehen lässt, und das steht auf einer Stufe mit innerem Gewinn.

Der Kopf des»David«, die edle Gruppe der»Pietà«, der»Moses« und die »Medicäergräber« mit den in ihrer Ausdrucksfülle nie ganz zu ergründenden Gestalten der»Nacht« und des»Tages«, der»Dämmerung« und der»Aurora« sollten ein unverlier- barer idealer Besitz werden.

Werke ähnlichen Charakters werden bei der Erklärung zum Vergleich heran- gezogen. Die»Pietà« z. B. mit der von Rauch und Dupré(Siena). Die Grabdenkmäler der Medicäer geben Veranlassung zu einem Exkurs durch die grosse Gruppe jener die Ruhmsucht und den Kultus der eigenen Person bekundenden Monumente von den Pyramiden an bis zu denen unserer Gegenwart.

(Hilfsmittel: Seemanns Wandtafeln und viele grosse Photographien.)

Malerei: Am 31. Mai 1578 enthüllte der zufällige Einsturz eines Gewölbes in einer Vigna in der Via Salaria ein Stück der»Roma sotterranea«x und damit auch die Anfänge christlich-religiöser Kunst. Seitdem lässt sich ihre Entwicklung feststellen.

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