Aber dieser, das Seelenleben bis in seine Tiefen ergründende Bildhauer steht in seiner bedeutungsvollen Wirksamkeit nicht allein da, er ist Zeitgenosse von Dante und Giotto. Welch eine Trias!
Weit über das mittelalterliche Wollen und Können hinaus gehen auch die Schöpfungen Lorenzo Ghibertis durch den Reichtum seiner Bilder und die Sicherheit seiner Formengebung. Ihm sind die Schönheitsgesetze der darstellenden Kunst schon zur Natur geworden: weich geschwungene Linien und Umrisse, würdevolle altung, energische und doch massvolle Bewegung berühren wohltuend unser Auge.
Die Nord- und Osttür der Taufkirche in Florenz errangen allgemeine Bewunderung durch diese Vorzüge. Die zweite, die Osttür, die„Pforte des Paradieses“, besteht aus zehn Bildern alttestamentlicher Vorgänge und wird von einem ornamentalen Rahmen umzogen, der an Reichtum der Motive kaum übertroffen worden ist. Leicht lässt sich eine stufenweise Vervollkommnung daran nachweisen. In den vier ersten Reliefs wiegt das Landschaftliche vor, es sind Vordergrundbilder; die mittleren erregen unser Interesse durch majestätische Architekturen; die unteren lassen durch ihre Figurenfülle diese beiden Elemente zurücktreten: sie bedeuten Reife und Vollendung.
So hervorragend hier seine Schöpfungen auch sein mögen— 2. B. die Er- schaffung Adams und Evas mit der sie umgebenden Engelschar, die Frauengestalten auf dem Esaubilde, Salomon und die Königin von Saba— die Renaissance vollständig eingeführt haben weder seine Reliefs noch seine Einzelgestalten, sondern der„heilige Georg“ des Donatello, des Schülers von Giovanni Pisano. Er ist der eigentliche Bahn- brecher der Renaissanceplastik. Die leichte, sichere, vornehme Haltung dieses jugend- lichen Helden, des Drachentöters, der ohne Selbstüberhebung an seinen guten Stern, sein Glück glaubt, überzeugt uns von Donatellos Naturalismus. In ebenso hohem Grade beeindruckt uns sein„David“(verglichen mit dem von Verocchio, Michelangelo und Bernini).
Sein ausgezeichnetes Steinrelief der„Verkündigung“ in Santa Croce in Florenz verrät ein aussergewöhnliches Schönheitsgefühl. Kann man die keusche Zurückhaltung, die tiefe Ergriffenheit bei der göttlichen Botschaft vornehmer, hoheitsvoller ausdrücken?
Fast gleichzeitig mit Luca della Robbia ward ihm der Auftrag zur Ausschmückung einer Sängertribüne im Dome zu Florenz. Singende und tanzende Kinder wie bei Luca, aber viel kühner erfunden, frisch und packend entworfen, ganz realistisch auf- gefasst von dem„ungestümen Feuergeist“ des Florentiner Steinmetzen, im Gegensatz zu der feinen Empfindung des della Robbia.
Von Padua erhielt er den Ruf zur Errichtung eines Reiterstandbildes zu Ehren des verstorbenen Condottiere Gattamelata. Unmittelbare Lebenswahrheit verbunden mit der Monumentalität des Altertums sind die Hlauptzüge dieses gewaltigen Werkes aus Bronze(vergl. mit dem des Marc Aurel, des Cölleoni von Verrocchio und des grossen Kurfürsten von Schlüter).
Zahllose Arbeiten gingen aus Donatellos Werkstatt hervor. Ruhm und An- erkennung zollen ihm die heutigen Geschlechter noch wie seine Zeitgenossen, und sein Schaffen zog die weitesten Kreise. Darf man es ganz von der Hand weisen, dass sein„Apostel Johannes“ in Michelangelos Geist die Gestalt des„Moses“ erzeugte?
In glücklichster Weise ergänzend auf seinen Einfluss wirkte Luca della Robbia, der berühmte Tonbildner, der Erneuerer der Terracottatechnik. Mit Donatello zusammen
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