wunderbar gewaltigen Werkes.— Sein eigenes Porträt, sowie die seiner beiden Frauen und seiner Kinder sind ausserordentlich reizvoll und daher auch wertvoll für den Unter- richt; der„Früchtekranz“, der kleine„Christus und Johannes“, die wir in farbiger Aus- führung besitzen, gewähren einen Begriff von seinen feinen Farbentönen. Im übrigen gilt hier für die Schule das weise Wort„Beschränkung“.
Voll eigenartigen Zaubers, unschätzbar für alle Jahrhunderte, dürfen wir die Porträts nennen, welche Anton van Dyck uns hinterlassen. Sie bezeichnen das höchst Erreichbare in der Bildnismalerei. Mit Recht nennt man ihn den geborenen Maler der Könige und Fürsten; eine erstaunliche Wahrheit in der Wiedergabe der Vornehmheit der hohen Aristokratie und des Milieus, in dem sie sich bewegen, entströmt seinem Pinsel, verleitet ihn aber manchmal, sie zu Schöpfungen seiner Phantasie zu gestalten. Vornehmlich soll dies in den Bildnissen der Königin Henriette, der Gemahlin Karls J. von England, der Fall sein. In dem Inselkönigreiche erwarb er sich dauernden glänzenden Ruhm. Die ganze Königsfamilie, sowie den damaligen Adel hat er unsterblich gemacht. (Monographie von Knackfuss, Seemanns Wandtafel und alte Meister dienen als Hilfs- mittel.)
England nahm infolgedessen van Dyck ganz für sich in Anspruch und mit einem gewissen Rechte, denn seine Schule bildet den Gipfel der ruhmvollen Schule englischer Porträtisten. Anmutend beweist dies des sterbenden Gainsborough Abschieds- wort an Reynolds:„Wir sehen uns im Himmel wieder und van Dyck ist auch dort!“
Italien. Plastik.„Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persön- lichkeit!“ Jubelnd sprach dies freudenerschliessende Wort unser Goethe, jubelnd empfanden es in weitestem Sinne sicherlich schon die von prometheischer Schaffens- lust und Kraft durchglühten Künstler jener offenbarungsreichen Zeit der Frührenaissance. Endlich losgelöst von den alle selbständige Tätigkeit hemmenden Fesseln, die Dogma und Byzantinismus, also Religion und Despotismus, der Kunst während sieben Jahr- hunderten auferlegt hatten, können nun die Künstler sich frei entfalten, das von ihrer Seele Geschaute zur Wirklichkeit werden lassen.
Schärfer drängt sich kaum je in einer Epoche die Wahrheit auf, dass die Individuen dem Zeitalter das Gepräge geben. Individuen! Dies Zauberwort öffnet uns das Verständnis für die Bewegung am Ausgang des 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts. Da vollzieht sich die Scheidung der Geister. Denn es begrüssen uns ausgesprochene Persönlichkeiten mit ihren Werken; die einzelnen Stufen der Ent- wickelung markieren die unnachahmlichen Leistungen genialer Männer, und sie beweisen zugleich, dass wir eigentlich von Künstlergeschichte sprechen sollten, nicht von Kunstgeschichte.
Pisano, Ghiberti, Donatello, Luca della Robbia, Verrocchio, Michelangelo— hehre, Ehrfurcht gebietende Namen!
Lehnte sich Niccolo Pisano noch ganz an die Antike an, so dass er aus heid- nischen Gottheiten Madonnen, Christusgestalten und Heilige schuf(Kanzel im Bap- tisterium zu Pisa), so zeigen die Werke seines Sohnes Giovanni Seele und Ausdruck; der befreite Mensch, eine Persönlichkeit, bekennt voller Glück:»der erstarrende Druck ist von uns genommen, wir sind nicht mehr Sklaven der Tradition!«(Kanzel in Pistoja.)
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