Es ist uns unmöglich, im Rahmen des Schulunterrichts die deutsche Malerei in ihrem Fortgange bis in die neueste Zeit durchzuführen; allein wir bahnen das Ver- ständnis dazu an, indem wir bei jeder passenden Gelegenheit moderne Werke zum Vergleich heranziehen. Adolf v. Menzel z. B. illustriert uns den siebenjährigen Krieg im geschichtlichen Unterricht.(Hilfsmittel für die deutsche Malerei: Janitschek, See- manns Wanqdtafeln, Photographien, Alte Meister.)———————————
Am Hofe der pracht- und kunstliebenden burgundischen Herzöge, in den Niederlanden, fand die Malerei des 15. Jahrhunderts ihre schönste Ausbildung durch die Brüder Hubert und Jan van Eyck. Ihre Werke erringen eine wahrhaft euro- päische Bedeutung, einerseits durch ihre Rückkehr zur Beobachtung der Natur, anderer- seits durch ihre Vervollkommnung der Technik der Oelmalerei, die einen folgereichen Umschwung in der Tafelmalerei herbeiführte. Die beiden Niederländer wirken in gleichem Masse umgestaltend auf die deutsche, italienische und spanische Kunst.
Das Hauptwerk der Gebrüder van Eyck, das grösste der niederländischen Schule überhaupt, das Genter Altarbild, verbindet die grossartige architektonische Schön heit des Mittelalters(got. Stil) mit der Lebensfülle, welche bereits den Geist der Renaissance verkündet. Grosse Blätter des„Seemannschen Museums“ geben die wichtigsten Teile des vielgestaltigen Bildes wieder.
Die realistische Richtung führte zur Wahl von Vorwürfen, bei denen äussere Zutaten verschwenderisch und zwanglos angefügt wurden; man malte z. B. den Menschen inmitten seiner Schätze und Reichtümer. Quintin Massys scheint als erster diesem Zuge einen allgemeinen Ausdruck verliehen zu haben. Ein Bild im Louvre,„der Geld- wechsler und seine Frau“, trägt seinen Namen,„der Anwalt und seine Klienten“ ent- stammt seiner Schule.
Aus diesen! Anfängen schält sich nach und nach das reine Sittenbild heraus welches den Ruhmeskranz der holländischen Malerei später um einzigartige und wert- volle Blätter bereichert hat.
Eine ganz andere Seite von Ouintin Massys Begabung enthüllt uns seine»Pietà«. Grosser Ernst verbindet sich hier mit religiöser Empfindung und dem ersichtlichen Streben, die Charaktere zu vertiefen. Er stellt die Personen lebensgross in den Vorder- grund und wirkt vornehm durch seinen massvollen Ausdruck des Schmerzes.(Photo- graphie.)
Ohne dass irgend ein Künstler die Brücke schlüge, traten wir in die Blütezeit der holländischen Malerei(1620— 1680). Die furchtbaren Kämpfe um ihre poli- tische und religiöse Unabhängigkeit unterdrückten jedes künstlerische Schaffen, errangen den Holländern aber in der Folge die ungemein wichtige Herrschaft zur See und ein unermessliches Kolonialgebiet. Mit diesem doppelten Aufschwung steht das Emporblühen ihrer idealen Tätigkeit in innigstem Zusammenhang.
Religiöse Bilder entsprechen nicht dem Sinne des dem reformierten Glauben ergebenen Volkes. Im Porträt, der Landschaft, dem Genrebild indes gebietet diese kleine Republik über unvergleichliche Meister.
In feinsinniger Weise charakterisiert der Kunstschriftsteller Thoré diese gross- artige, schaffensfreudige Periode:»die holländische Malerei«, führt er aus,»malt nicht Gestalten und Einzeldinge im italienischen Sinne, sondern atmosphärische Mächte und Relationen, in denen die Gestalt im geheimnisvollen Schein des Werdens und Vergehens
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