F. Chronik der Anſtalt.
1. Von der Drucklegung der Überſicht über die in dieſem Schuljahr behandelten Lehrſtoffe wurde diesmal mit Rückſicht auf die Geringfügigkeit der Veränderungen gegenüber dem voraus⸗ gehenden Schuljahr abgeſehen. Intereſſenten ſtehen Programme des Jahres 1895/96 mit Angabe der Lehrſtoffe gerne zur Verfügung.
2. Das verfloſſene Schuljahr nahm ſeinen gewohnten Verlauf. Der Geſundheitszuſtand des Collegiums wie der Schülerinnen war, Gott ſei Dank, gut. Eine kleine Störung erfuhr der Unterricht durch die Verlängerung der Herbſtferien um 8 Tage, welche durch die Einziehung einer neuen Treppe im Vorderhauſe und die Herſtellung eines Phyſikſaals veranlaßt wurde.
3. Mit Genehmigung hoher Behörde wurden den Volontairinnen Frl. Fanny Nover und Frl. Mathilde Maurer der erſteren der franzöſiſche Unterricht in Klaſſe VII, der letzteren der Rechenunterricht in Klaſſe IX zugewieſen.
4. Die Herbſtferien benutzte Frl. A. Schulz zu einem Studienaufenthalt in Paris. Vielleicht wiſſen es uns die Colleginnen anderer Anſtalten Dank, wenn wir ihnen die Adreſſe der Familie, in welcher dieſelbe neben guter Unterkunft vielſeitige Anregung fand, hier mitteilen: M. Plaisent. Asnières, Avenue du Bac, 7.— Wir verdanken ſie der Güte des Herrn Rektor Ufer in Altenburg.
5. Am 30. September 1896 ſtarb der Großh. Gymnaſiallehrer Profeſſor Dr. Rudolf Marx. Mit ihm ſtarb uns ein Mann, deſſen Verdienſte wie um unſere Stadt ſo insbeſondere unſere Anſtalt unvergeſſen bleiben werden. Die Grundſätze über die Erziehung junger Mädchen, welchen er in dem Programm der Schule vom Jahr 1876 bei deren Gründung als private Schule Aus⸗ druck gegeben, werden ihr für alle Zeiten maßgebend bleiben, denn ſie ſind der Ausdruck einer weitblickenden Pädagogik. Er drängt ſie an jener Stelle in die Worte zuſammen:„Auch wir verlangen von dem weiblichen Geſchlechte einen feinen Sinn für die äußere Erſcheinung und Formgewandtheit für den Umgang und die Unterhaltung, aber wir verlangen mehr, vor Allem eine ſittliche Lebensanſchanung, welche das Sein von dem Schein trennt und mehr Wert auf den Inhalt, als auf die Form legt. Das ganze Denken und Fühlen ſoll von jener Lauterkeit und ethiſchen Kraft durchdrungen ſein, welche dem ſchwachen Geſchlecht ſeine Stärke gegeben.“ Dieſe Anſchauungen hat der Verſtorbene aber nicht nur theoretiſch niedergelegt, ſondern in langer, ſelbſtloſer, erfolgreicher Thätigkeit in der Praxis durchgeführt. So als Direktor der Anſtalt vom 21. Oktober 1874 bis zum 8. April 1880, ſodann— nach ſeinem Rücktritt als Direktor— in ſeiner Eigenſchaft als Lehrer bis zu der Übernahme der Schule durch die Stadt im Jahre 1886, endlich, ſoweit ſich Gelegenheit dazu bot, als Mitglied des Kuratoriums der Schule vom Beginn des Jahres 1887 bis zu ſeinem Tod. So hat er ſeinem Namen den Ehrenplatz in der Geſchichte unſerer Anſtalt geſichert.


