Jahrgang 
1892
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4) Weihnachtsferien 2 Wochen, und zwar, wenn der 25. Dezember auf Montag, Dienſtag, Mittwoch oder Donnerſtag fällt, von dem dieſen Tagen zunächſt liegenden Sonntage an. Fällt jedoch der 25. Dezember auf Freitag, Samſtag oder Sonntag, ſo beginnen die Ferien mit dem dieſen Tagen vorhergehenden Donnerſtag.

3. Mit dem 1. September ſchied der Direktor der Anſtalt, Dr. Rauſch, aus ſeiner bis⸗ herigen Stellung, um die ihm übertragene Direktion des Realgymnaſiums und der Realſchule zu Gießen zu übernehmen. Nach der übernahme der bisherigen privaten höheren Mädchenſchule, ſowie des Keim'ſchen Privatmädcheninſtituts durch die Stadt Worms war ihm die ſchwierige Aufgabe zu⸗ gefallen, die Umwandlung dieſer beiden Anſtalten in eine einheitlich organiſierte, öffentliche höhere Mädchenſchule durchzuführen. Mit Umſicht und Geſchick hat er ſein Werk begonnen; mit gewiſſen⸗ hafter Konſequenz hat er es durchgeführt und ſo bleibt ſein Name und das Andenken an ſein Wirken mit der Geſchichte unſerer Anſtalt für immer aufs innigſte verwachſen. Als beredteſtes Zeugnis für die glückliche Löſung ſeiner Aufgabe mögen dem Herrn Direktor Dr. Rauſch die zahl⸗ reichen Beweiſe der Anhänglichkeit und Dankbarkeit und die herzlichen Wünſche für ſeine Zukunft dienen, die ihm bei ſeinem Scheiden aus ſeinem hieſigen Wirkungskreiſe entgegengebracht wurden. An ſeine Stelle wurde der Unterzeichnete, bisher Lehrer an dem Großh. Gymnaſium zu Bensheim, berufen. Seine Einführung fand am 19. September in Gegenwart des Herrn Oberſchulrats Soldan, des Herrn Oberbürgermeiſters Küchler, einiger Herren vom Stadtvorſtand, der Herren Mitglieder des Kuratoriums, des Lehrerkollegiums ſowie der Schülerinnen in der Turnhalle der Anſtalt ſtatt. Zunächſt erfolgte die Einweiſung ins Amt ſeitens des Vertreters der hohen Behörde; ihr ſchloß ſich eine Begrüßung durch Herrn Oberbürgermeiſter Küchler an. Hierauf ſprach der Unterzeichnete ſeinen Dank für das ihm entgegengebrachte Vertrauen aus und verſprach, dasſelbe nach Kräften rechtfertigen zu wollen. Sein redliches Streben ſei, die Schule, die dank der Für⸗ ſorge der Regierung, der unermüdlichen Thätigkeit des Herrn Oberbürgermeiſters und der ſtets be⸗ reiten Opferwilligkeit des Stadtvorſtandes nunmehr auf feſter Grundlage ruhe, auf der erreichten Höhe zu erhalten, ſowie allen Forderungen der Zukunft gerecht zu werden. Vor allem wird wie auch an dieſer Stelle nochmals hervorzuheben geſtattet ſei ſein Augenmerk darauf gerichtet ſein, jene beiden Extreme zu meiden, die ganz beſonders für die höhere Mädchenſchule eine be⸗ ſtändige Gefahr bilden: eine rein verſtandesmäßige Bildung ohne die entſprechende Einwirkung auf Charakter und Gemüt, oder umgekehrt die Betonung des letzteren erziehlichen Momentes auf Koſten der Aneignung gediegener, poſitiver Kenntniſſe. Wenn die Gefahr der einen Methode in einer Üüberbürdung mit totem Wiſſen beſteht, ſo artet die andere leicht in eine einſeitige Pflege der Phantaſie aus; beide aber verfehlen das wahre Ziel der Erziehung: die harmoniſche Bildung des Verſtands und des Gemüts als Grundlage ſittlichen Handelns.

4. Der Handarbeitsunterricht in allen Klaſſen wurde mit Beginn des Winterhalbjahres Fräulein Eliſe Illert aus Rüſſelsheim proviſoriſch übertragen.

5. Herr Gymnaſiallehrer Göckel hatte die Güte, einige Unterrichtsſtunden, die bisher von Herrn Direktor Dr. Rauſch erteilt worden waren, bis auf weiteres zu übernehmen.

6. Fräulein Bertha Rühl aus Worms wurden mit Genehmigung hoher Behörde auf ihr Erſuchen einige Unterrichtsſtunden in Klaſſe VII zuerteilt.