Gegenwart der Vertreter des Kreisamtes, der Stadtverordneten und einer Anzahl weiterer geladener Gäſte, ſowie ſämtlicher Schülerinnen übergab der Regierungskommiſſär, Herr Geheimer Ober⸗ ſchulrat Becker, dem Unterzeichneten die Leitung der Schule und führte die Lehrerinnen und Lehrer in ihr Amt ein. Herr Bürgermeiſter Küchler ſprach die Hoffnung auf ein glückliches Gedeihen der jungen Anſtalt aus. Dem Unterzeichneten war es eine angenehme Pflicht, vor einer kurzen Darlegung der Geſichtspunkte, von denen er in ſeiner neuen Stellung ausgehen werde, dem warmen Danke der Schule gegenüber allen, die durch ihre Thätigkeit an der früheren Mädchenſchule der jetzigen vorgearbeitet, gegenüber den Vorſteherinnen des Keimſſchen Inſtitutes, die in dankenswerter Würdigung des allgemeinen Intereſſes ſich von einer langjährigen ihnen lieb gewordenen Wirk⸗ ſamkeit getrennt hatten und gegenüber den Behörden, von denen die letzten entſcheidenden Schritte zur Herſtellung unſerer Schule ausgegangen waren, Ausdruck zu verleihen.
Das Lehrerkollegium übernahm ſeine Aufgabe mit dem feſten Willen, in ernſter Arbeit danach zu ſtreben, daß unſere Schule würdig an die Seite ihrer älteren Schweſteranſtalten des Landes trete und daß ſie, ſoweit ſie es durch einen geordneten, jedes Scheinwerk meidenden Unter⸗ richt vermöge, zu einer geſunden Erziehung unſerer Schülerinnen beitrage.
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Der regelmäßige Unterricht nahm am 11. Mai in dem bis dahin von der früheren Mädchen⸗ ſchule benutzten Freiherr von Heyl'ſchen Hauſe an dem Andreasplatze ſeinen Anfang, da das in der Ludwigsſtraße in Ausſicht genommene Lokal noch ſeinem bisherigen Zwecke als Verſorgungs⸗ haus diente. Seine Räumung und die notwendigen baulichen Veränderungen machten erſt am 13. September unſeren Umzug in unſere jetzigen freundlichen und weiten Schulräume möglich.
Damit in Verbindung ſtand die für dieſes Jahr erfolgte Verſchiebung der Ferien, die ja in der Regel mit denen des Gymnaſiums und der Realſchule zuſammenfallen. Die Sommerferien dauerten vom 1. Auguſt bis zum 12. September; die Herbſtferien wurden auf 8 Tage(1. bis 8. November) abgekürzt.
Am 13. Oktober beehrten die Herren Geheimer Staatsrat von Knorr und Geheimer Ober⸗ ſchulrat Becker unſere Schule mit ihrem Beſuche und wohnten dem Unterrichte in mehreren Klaſſen bei.
Mit Beginn des Jahres 1887 ſchied Herr Notar Dr. Bittel, dem die Schule als lang⸗ jährigem Mitgliede des Kuratoriums zu Dank verpflichtet bleibt, aus dem Kuratorium aus; an ſeine Stelle trat Herr Gymnaſiallehrer Profeſſor Dr. Marx.
Am 7. Februar 1887 hielt Herr Turninſpektor Marpx eine Viſitation des Turnunterrichtes ab.
Durch hohes Dekret vom 16. Februar 1887 wurde Fräulein Luiſe Wenck als ordentliche Lehrerin angeſtellt.
Schulausflüge wurden im Sommerſemeſter von allen Klaſſen unter Leitung der Klaſſen⸗ führerinnen und der übrigen Lehrerinnen und Lehrer mehrmals unternommen. Im Winter wurde
der Unterricht an einigen Nachmittagen zum Eislauf ausgeſetzt.
Der Geſundheitszuſtand des Lehrerperſonals war nicht günſtig. Wegen Erkrankung mußten


