Jahrgang 
1928
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7. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im abgelaufenen Schuljahr bis auf die letzten Wochen, in denen die Grippe ſtark auftrat, befriedigend. Die ärztliche Uberwachung unſerer Anſtalt lag weiter in den Händen des Herrn Dr. Raiſer.

Zu unſerem tiefen Schmerze wurde uns dieſer am 18. Januar im 62. Lebensjahre durch einen plötzlichen Tod entriſſen. Die Schule ſchätzte ihn als einen pünktlichen und gewiſſenhaften Schularzt, der Lehrkörper als einen ſtets hilfsbereiten Berater in allen Fragen der Schulhygiene und die Schülerſchaft als einen liebevoll ſich ihrer annehmenden Freund, dem ſie mit uneingeſchränktem Vertrauen begegnete. Für die Anſtalt, die er ſelbſt einſt durchlaufen hatte und an der er mit ſeltener Anhänglichkeit und Treue hing, zu arbeiten, war ihm eine Herzensſache und Freude. So zählte er auch zu den eifrigſten Mit⸗ gliedern des Hauptausſchuſſes für unſere Vierhundertjahrfeier, und ſeine Unterſtützung bei deren Vor⸗ bereitung und Durchführung war von unſchätzbarem Wert.

Bei der Feuerbeſtattung unſeres unvergeßlichen Freundes am 20. Januar 1928 in Mannheim vertrat der Unterzeichnete die Anſtalt, und Herr Oberſtudiendirektor Zimmer von der Eleonorenſchule legte dortſelbſt namens der 3 Schulen, deren Schularzt Herr Dr. Raiſer geweſen war, der Eleonoren⸗ ſchule, des InſtitutsSt. Mariä und des Gymnaſiums, mit warmen Worten des Dankes für die ſchulärztliche Wirkſamkeit des Verſtorbenen einen Kranz an deſſen Bahre nieder.

Die Wiederimpfung durch Herrn Kreisarzt Medizinalrat Dr. Küchel fand am 27. Mai ſtatt.

Am 18. Februar belehrte Herr Kreisarzt Medizinalrat Dr. Küchel die Abiturienten des Gymna⸗ ſiums und der Oberrealſchule über die geſundheitlichen und ſittlichen Gefahren, denen junge Leute beim Verlaſſen des Elternhauſes und der Schule ausgeſetzt ſind.

Auch im verfloſſenen Schuljahre wurde von Herrn Hausmeiſter Parr Schülern, die es wünſchten, ein warmes Frühſtück, beſtehend in ¼ Liter Milch und 1 Brötchen, verabreicht. Bom Gymnaſium machten 22, von der Oberrealſchule 21 Schüler von der Einrichtung Gebrauch.

8. Wegen großer Hitze fiel der Nachmittagsunterricht viermal aus. Für den Eislauf konnte der Unterricht an 2 Nachmittagen ausgeſetzt werden.

9. Außer den Monatsſpaziergängen in die Umgebung der Stadt machten die meiſten Klaſſen je einen Tagesausflug in den Pfälzer Wald oder den Odenwald.

10. Der Wanderbund derPfadfinder zählte 47 Schüler der 4 oberſten Klaſſen zu ſeinen Mitgliedern. Er konnte unter der bewährten Leitung des Herrn Studienrats Diehl 4 Wanderungen unternehmen, die leider nicht immer vom Wetter begünſtigt waren. Dieſe 1. Wanderung führte in den Pfingſtferien vom 8.11. Juni in den ſüdlichen Schwarzwald(Höllental, Feldberg, Belchen), die zweite war 6⸗tägig und ging in den Sommerferien vom 17.22. Juli nach Thüringen(Naumburg, Weimar, Ilmenau, Eiſenach), auf ihr kamen die Wanderer mit dem Leben und Wirken unſerer größten Geiſtes⸗ heroen in engſte Fühlung. In den Herbſtferien fand vom 20. September bis 7. Oktober eine 9⸗tägige Wanderung in den Allgäu(Oberſtdorf, Füſſen) ſtatt, auf ihr wurde am 2. Oktober am ſüdlichſten be⸗ wohnten Orte des deutſchen Reiches der 80. Geburtstag des Herrn Reichspräſidenten v. Hindenburg gefeiert. In den Weihnachtsferien endlich wurde vom 28.31. Dezember zu Fuß von Bingen bis Koblenz gewandert und ein Abſtecher nach Bonn und dem Laacher See gemacht. Die 80. Wanderung ſoll in den Oſterferien nach dem Gotthard und der Südſchweiz(Lugano) führen.

Mitte September 1926 gründete ſich unter der Leitung des Herrn Studienrats Diehl an unſerer Anſtalt eine Ortsgruppe des Bayreuther Bundes der deutſchen Jugend, der ſich die vertiefende Betrachtung aller künſtleriſch und ethiſch wertvollen deutſchen Geiſtesſchöpfungen(der bildenden Kunſt, der Dichtung, der Muſik und Philoſophie) aus Gegenwart und Vergangenheit zum Ziel geſetzt hat. Vor allem will der Bund die deutſche Jugend in die Werke und die Gedankenwelt Richard Wagners einführen. Für die monatlichen Zuſammenkünfte der Gruppe ſtellte Herr Studienrat Diehl in dankenswerter Weiſe Räume zur Verfügung. Aus der Fülle der Darbietungen ſeien hervorgehoben: Die Bedeutung Mathilde Weſendonks für Richard Wagner, Die Lieder der Mathilde Weſendonk, Schopenhauers Einfluß auf die philoſophiſche Einſtellung Wagners, beſonders imTriſtan, Albrecht Dürer, Mozart, einige Mozart⸗ quartette, das Problem der Willensfreiheit unter beſonderer Berückſichtigung der Schopenhauerſchen Philoſophie, Das Fauſtmotiv und die Fauſtdichtung in der deutſchen Muſik, beſonders bei Richard Wagner, Richard Wagners Stellung zur Religion, Erläuterung der 8. und 9. Symphonie Beethovens, Spitzweg, Die Plaſtik des Naumburger Doms, Hölderlin, Grünewalds Iſenheimer Altar, Holbeins Totentanz. Die Zahl der Mitglieder betrug 1926/27 22, 1927/28 aber 32. Im Juli 1927 konnte die Gruppe 3 Mitglieder zur Aufführung desParſival und zum Bundesfeſt nach Bayreuth ſenden.