Jahrgang 
1913
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F. Zur Geſchichte der Anſtalt.

1. Das neue Schuljahr wurde mit einer gemeinſamen Feier am 16. April eröffnet. In die ſeither von Herrn Lehramtsaſſeſſor Dr. Riedel verwaltete Oberlehrerſtelle trat Herr Prof. Habermehl, vorher an der Gr. Oberrealſchule zu Worms, und nach einjähriger Beurlaubung übernahm Herr Lehramtsaſſeſſor Waldt an Stelle ſeines Vertreters, Herrn Lehramtsaſſeſſors C. Becker, wieder ſeinen Unterricht. Zu Beginn des Winterhalbjahres kamen an die Anſtalt die Herren Lehramtsreferendare Dr. Schreiter und Dr. E. Frederking. Außerdem ſetzten 5 Volontäre ihre Tätigkeit an dem Gymnaſium fort und übernahmen auch in dankenswerter Weiſe Vertretungen im Unterricht, Herr Lehramtsaſſeſſor Ofenloch vom 16. April bis 13. Mai für den durch Unwohlſein behinderten Direktor, Herr Lehramtsreferendar Dr. Schreiter ſchon vor ſeinem eigentlichen Eintritt für den zu einer militäriſchen Übung einberufenen Herrn Prof. Dr. Keil vom 7. bis 21. September. Herr Schulverwalter Deboben aus Worms übernahm am 29. Oktober vertretungsweiſe in den unteren Klaſſen den Unterricht in evang. Religion, Singen, Schreiben und Geographie. Für ſeine Bereitwilligkeit und ſeine erfolgreiche Tätigkeit gebührt ihm der Dank der Anſtalt.

Am 18. Dezember wurde unſere Anſtalt in tiefe Trauer verſetzt durch den Tod unſeres lieben, hoch⸗ verehrten Kollegen Herrn Prof. Dr. Scheuermann, der ſeit Herbſt wegen eines Nervenleidens ſich in Urlaub befand. 18 Jahre hatte er an der Doppelanſtalt, nach deren Trennung 7 Jahre an dem Gymnaſium gewirkt. Künſtleriſch hochbegabt, hatte er ſich einſt ndem Studium und der Ausübung der Muſik gewidmet; daß äußere Verhältniſſe, ein hartnäckiges Nervenleiden, ihn dann auf eine andere Bahn gedrängt hatten, war die Tragik ſeines Lebens, und er, der während der voraus⸗ gegangenen ſechs Jahre als Lehrer an dem Kgl. Maximilianum und Konſervatorium zu München jungen Künſtlern die Wege zur Höhe gewieſen hatte, lehrte jetzt Knaben in der Enge der Schulſtube und lehrte ſie mit großer Treue auch im Kleinſten, mit Hingebung und Selbſtverleugnung, die zu ſeinem Weſen gehörten. Er gab ſeinen Schülern aus der Fülle ſeines Wiſſens und ſeiner Erfahrung reiche Anregung und war wohlwollend und milde in ihrer Beurteilung. Anſpruchslos und ſtill erfüllte er ſeine Pflicht, verzichtete auf die Freuden des Lebens und ſuchte nach der ihm lieb gewordenen Arbeit des Berufs ſein Glück darin, nachzudenken den großen Fragen, die die Menſchheit bewegen, nachzugehen ihrem Bildungsgange auf dem Gebiete der Philoſophie und der Künſte, ſich zu vertiefen in die Geſchichte und Schickſale ſeiner engeren Heimat, vornehmlich auch der Stadt Worms, und die Kunſt zu üben, zu deren Jünger ihn die Natur beſtimmt hatte. Wer ihn nicht näher kannte, ahnte nicht, welche reichen Schätze ſein Inneres barg. Gern und opferwillig ſtellte er, wenn man ihn darum bat, ſeine hohe Kunſt in den Dienſt der ffentlichkeit, aber ſonſt ſtand er abſeits vom Leben und Gedränge des Tages und lebte in der idealen Welt, die er ſich erſchaffen, obwohl er die Erſcheinungen des Lebens auf nationalem Gebiete warmherzig und teilnehmend mit treffendem Urteil beobachtete. Mit ſcheuer Zartheit ſein Inneres verſchließend, war er nicht geartet, mit ſeiner Begabung zu prunken, um ſich damit ein Anſehen zu ſchaffen, das kluge Mittelmäßigkeit leicht erwirbt; dem Gefühl der Verehrung und Hochſchätzung auch weiterer Kreiſe gab nach ſeinem Tode eine warme, feinfühlige Würdigung ſeines Weſens und Wirkens in der Wormſer Zeitung Ausdruck. Was wir, ſeine Kollegen, aber an ihm, dem treuen Manne mit den reichen Geiſtesgaben und dem lauteren Charakter, verloren, ſprach der Direktor aus, als er im Namen des Kollegiums, das den Verewigten zur letzten Ruhe⸗ ſtätte geleitete, einen Kranz auf ſeinen Sarg legte. Auch die Schüler der oberen Klaſſen gaben ihrer Verehrung durch Niederlegung von Kränzen Ausdruck. Wir trauern über ſeinen Hingang und werden ſein Andenken ſtets in hohen Ehren halten.

2. Am 29. Oktober beſichtigte der Hochw. Herr Biſchof von Mainz Dr. Kirſtein den katholiſchen Religionsunterricht in den zu dieſem Zweck vereinigten Klaſſen des Gymnaſiums und der Oberrealſchule. Am 24. September fand unter dem Vorſitz des zum Regierungskommiſſar ernannten Direktors, am 13. März unter den Vorſitz des Herrn Geh. Ober⸗ ſchulrats Nodnagel die mündliche Reifeprüfung ſtatt(ſ. S. 8).