Jahrgang 
1884
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ſchule ſeiner Vaterſtadt beſucht hatte, trat er 1871 in die Realſchule daſelbſt ein und verließ dieſelbe mit 4 der Berechtigung zum Einjährig⸗Freiwilligendienſte zu Herbſt 1877. Im folgenden Jahre wurde er in das Lehrerſeminar aufgenommen, an dem er 1880 die Abgangsprüfung beſtand. Hierauf ver⸗ waltete er eine Lehrerſtelle an der Muſterſchule zu Friedberg, von wo er, nachdem er 1882 zu Darmſtadt die Schlußprüfung beſtanden hatte, mit dem 1. April v. J. hierher verſetzt wurde.

Den Unterricht des auch für dieſes Schuljahr zum Zwecke der Wiederherſtellung ſeiner Ge⸗ ſundheit beurlaubten Vorſchullehrers Wilhelm Pohl erteilte wie bisher der Gymnaſial⸗ und Realſchullehramts⸗Acceſſiſt Heinrich Habermehl. Die Geſundheit des Herrn Pohl hat ſich indeſſen ſoweit gekräftigt, daß er mit dem nächſten Schuljahre ſeinen Dienſt wieder antreten wird.

Während des Sommerſemeſters unternahmen ſämtliche Klaſſen der Anſtalt unter Führung ihrer Lehrer am 17. April, 8. Mai, 19. Juni und 13. Auguſt Nachmittags⸗Spaziergänge, am 29. Mai weiter ausgedehnte Tagesausflüge.

Am 27. und 28. Auguſt hielt die Generalverſammlung des Geſamtvereins der deutſchen Geſchichts⸗ und Altertumsvereine in den Räumen unſrer Anſtalt ihre Sitzungen ab. An dem zweiten Tage wohnte Seine Königliche Hoheit der Groß⸗ herzog der Sitzung bei, in der Herr Gymnaſialdirector Becker über die Frage, ob man eine Fortſetzung der Zorn'ſchen Chronik von Worms durch Bernhard von Flersheim anzunehmen habe, einen eingehenden Vortrag hielt.

Das Sedanfeſt wurde in herkömmlicher Weiſe von der Schule begangen.

Mit dem Schluſſe des Sommerſemeſters ſchied der bisherige Leiter unſrer Anſtalten, denen er über zehn Jahre vorgeſtanden hatte, der Großherzogliche Gymnaſial⸗ und Realſchuldirector Dr. Adalbert Becker, aus ihrem Verbande aus, nachdem er durch Allerhöchſtes Decret vom 30. Mai 1883 zum Director des Großherzöglichen Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums zu Darmſtadt er⸗ nannt worden war. Die Dankkarkeit ſeiner Schüler und die Freundſchaft ſeines Lehrercollegiums begleiteten den um Worms und ſeine höheren Lehranſtalten hochverdienten Mann in ſeinen neuen Wirkungskreis. An ſeine Stelle trat, in Folge Allerhöchſten Decretes vom 6. Juni 1883, der unterzeichnete Dr. Karl Boßler, vorher Gymnaſiallehrer in Darmſtadt.

Einen weiteren Wechſel im Lehrercollegium veranlaßte die durch Allerhöchſtes Decret vom 24. Auguſt nach 7 ⁄1 jähriger erfolgreicher Thätigkeit am hieſigen Gymnaſium verfügte Verſetzung des Großherzoglichen Gymnaſiallehrers Dr. Theodor Goldmann an das Gymnaſium zu Darmſtadt, während dem Gymnaſiallehramts⸗Acceſſiſten Wilhelm Sammet aus Darnſtadt durch Verfügung des Gr. Min. des Innern und der Juſtiz, Abth. f. Schulangelegenheiten, vom 3. September, die Verwaltung einer Lehrerſtelle am Gymnaſium und an der Realſchule dahier über⸗ tragen wurde.Wilhelm Sammet iſt wie er mitteilt geboren zu Darmſtadt am 8. Februar 1858, Sohn des Bankkaſſiers W. Sammet, evangeliſcher Confeſſion; er beſuchte das Schmitz'ſche Privatinſtitut und trat zu Herbſt 1868 in das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt ein, das er Herbſt 1875 nach beſtandener Maturitätsprüfung verließ. Zunächſt verblieb er noch ein Jahr in Darm⸗ ſtadt, um ſeiner Militärpflicht zu genügen; dann bezog er Herbſt 1876 als Stud. der klaſſiſchen Philologie die Univerſität Tübingen, die er Herbſt 1877 mit der Landesuniverſität Gießen vertauſchte. Nachdem er hier im Juli 1881 die Staatsprüfung in klaſſiſcher Philologie, Geſchichte und Deutſch beſtanden hatte, trat er im Herbſt desſelben Jahres ſeinen Acceß an dem Gymnaſium zu Darmſtadt